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Sex-Missbrauch: 27 Priester im Bistum Trier unter Verdacht

Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester im Bistum Trier hat ein weitaus höheres Ausmaß als bekannt. Zwischen 1950 und 1990 sollen sich mindestens 20 Geistliche an Minderjährigen vergangen haben. Das Bistum wusste offenbar nur von den wenigsten Fällen.

Trier. Es war ein besonders schlimmer Missbrauchsfall, der Anfang der 70er Jahre für Schlagzeilen sorgte. In der Eifelgemeinde Ehlenz bei Bitburg verging sich ein damals 65 Jahre alter katholischer Priester fast zehn Jahre lang an Messdienern und Kommunionskindern, ehe Polizisten den Gottesmann festnahmen. Kurz zuvor hatte der Seelsorger noch einen Stoß selbst gemachter Fotos von nackten Jungs hinter dem Pfarrhaus verbrannt. Das Trierer Landgericht verurteilte den bereits zuvor einschlägig in Erscheinung getretenen Geistlichen später zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe.

Der Fall des Ehlenzer Pastors Franz E. ist einer jener drei Fälle aus den Jahren 1950 bis 1990, die beim Trierer Generalvikariat zumindest aktenkundig sind. Wie auch der des ehemaligen Gerolsteiner und Trierer Kaplans, der in den 60er Jahren ebenfalls womöglich Dutzende Jungs missbraucht haben soll. Der heute 76-Jährige war seinerzeit wegen eines Missbrauchsfalls strafversetzt worden, ohne dass die neue Pfarrei über die Hintergründe informiert wurde. Der Geistliche machte weiter wie zuvor.

Jetzt kommt plötzlich ein Fall nach dem anderen ans Licht und erschüttert die katholische Kirche nicht nur im Bistum Trier in ihren Grundfesten. „Das Ausmaß ist einfach erschreckend“, sagt gestern Nachmittag noch einmal der Trierer Bischof Stephan Ackermann.
Der 47-Jährige war unter den Mächtigen im deutschen Klerus mit der Erste, der sich deutlich zu Wort meldete, nachdem Ende Januar die ersten, Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfälle an einem Berliner Jesuiten-Gymnasium bekannt wurden. Die Bischofskonferenz machte Ackermann wenig später zu ihrem Missbrauchsbeauftragten. Seitdem jagt ein Termin den anderen.

Am Montagnachmittag stellt der Bischof den angekündigten Zwischenbericht über die Missbrauchssituation in seinem Bistum vor. Es ist, auf einen Nenner gebracht, die traurige Bilanz eines jahrzehntelangen Versagens der katholischen Kirche. Erwachsene Männer und Frauen trauen sich erst jetzt, nach 30, 40 oder mehr Jahren, über die in ihrer Kindheit erlittenen Traumatisierungen zu berichten; begangen von katholischen Priestern.

„Etwa 35 Personen haben sich in den letzten zwei Monaten bei mir gemeldet“, sagt Prälat Rainer Scherschel, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums. Die Vorwürfe richteten sich gegen 20 Priester, die sich zwischen 1950 und 1990 an Minderjährigen vergangen haben sollen. 17 dieser 20 mutmaßlichen Kinderschänder hatten bislang zumindest laut Aktenlage eine weiße Weste.

Zehn der beschuldigten Geistlichen sind inzwischen verstorben, zwei andere so alt, dass sie kaum noch zur Verantwortung gezogen werden können. Das gilt wohl auch für die restlichen (noch nicht bestraften) fünf Priester, weil die Taten, die ihnen vorgeworfen werden, inzwischen verjährt sein dürften.

Trotzdem hat das Bistum jetzt zwei Geistliche angezeigt, darunter nach Informationen unserer Zeitung auch den ehemaligen Kaplan von Gerolstein. „Wir prüfen jetzt sorgfältig, ob wirklich alle Fälle verjährt sind“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Albrecht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass einem jener 17 mutmaßlichen Missbrauchs-Priester doch noch der Prozess gemacht wird, ist eher gering. „Vielen Opfern“, sagt Missbrauchsbeauftragter Scherschel, „geht es auch weniger darum.“ Für sie sei es schon von Bedeutung, dass der Bischöfliche Beauftragte ihnen einfach nur zuhöre. „Das Bistum und die Kirche sollen wissen und hören, was passiert ist.“

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