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Silbermond-Sängerin verrät, wie die Musiker das Band-Aus noch abwenden konnten

Stefanie, Ihr hattet Euch in den vergangenen zehn Jahren voneinander distanziert, wart vom Erfolg überrollt worden und standet sogar kurz vor der Bandauflösung. Woran lag's?

Kloß: Wenn man zehn Jahre zusammen unterwegs ist und großen Erfolg hat, gerade als junger Mensch, dann ist das wahnsinnig aufregend. Wir sind in den E-Zug eingestiegen damals nach „Symphonie“: erste Tour, zweite Platte mit „Das Beste“, dritte Platte mit „Irgendwas bleibt“ und „Krieger des Lichts“. Man hat gemacht und gemacht und gemacht, hatte unglaublich schöne Zeiten und Erfahrungen. Aber mit steigendem Erfolg wächst auch die Erwartungshaltung von außen und der Druck, den du dir auf die Schultern packst. Wir hatten uns damals geschworen, wenn wir den Plattenvertrag unterschreiben, dann lass uns das nicht als Job ansehen, sondern lass uns das machen, weil es aus dem Bauch heraus kommt und unsere Leidenschaft ist. Und genau die ist zu kurz gekommen. Entweder wir lassen es sein oder wir kümmern uns darum, dass wir wieder diese Leichtigkeit und diesen Mut zurückbekommen. Das war eine Entscheidung, die zum allerersten Mal etwas infrage gestellt hat, was sonst immer außer Frage stand: die Band.

War die Musik für Euch zu sehr in den Hintergrund getreten?

Kloß: Ja, je erfolgreicher man wurde, desto mehr Sachen gab es drum herum, um die man sich kümmern musste oder wollte, weil man dachte, es wäre wichtig. Fragen wie, ob nun der Bandname links unten oder rechts oben auf dem Plakat steht. Und in der Zeit, wo du anderthalb Stunden daran gesessen hast, hättest du schon drei Songs schreiben können.

Die neuen Lieder klingen jetzt teilweise sehr desillusioniert und die Texte kreisen öfters um das Thema Loslassen. Es gibt da Passagen wie „Was einem um die Ohren fliegt“ oder „Man könnte fast meinen, das Leben wäre leicht“. Geht es dabei um die Fehler, die Ihr als Band im Umgang miteinander gemacht habt?

Kloß: Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die zwölf Songs genau die letzten zehn, zwölf Jahre widerspiegeln. Mit ihnen haben wir versucht zu reflektieren, was haben wir verpasst, was wir hätten – in Anführungsstrichen – besser machen können, was hat uns bewegt, was hat uns traurig gemacht oder was ist unser Ziel ab jetzt. Das fängt an mit dem ersten Song „Die Mutigen“, den Mut, den wir verloren hatten, den wir uns jetzt zurückholen wollen, die Leichtigkeit. „Leichtes Gepäck“, das war wie gesagt, dass wir uns von dem ganzen Druck und allem Drumherum, was sich nicht gut angefühlt hat, trennen wollten, um wieder neu loszugehen und wieder weitere Ziele zu haben. Dann geht es weiter mit „Indigo“, einem Song, der beschreibt, dass wir in den letzten zehn Jahren sehr oft verpasst haben, auch mal loszulassen, zu sagen: „Wir genießen den Moment, stoßen jetzt mal an.“ Das haben wir uns nie getraut, weil wir immer Angst hatten, wenn wir nicht immer weitermachen und immer weiterarbeiten, hart an uns arbeiten, dass es dann irgendwann aufhören könnte. Es geht weiter mit einem Song wie „B 96“, weil uns das Thema Zuhause und die Familie sehr beschäftigt. So ziehen sich durch die gesamte Platte Themen, für die wir festgestellt haben: Das sind die wirklich wichtigen Dinge für uns.

Du hast „B 96“ angesprochen. Welche Ereignisse, Orte verbergen sich denn hinter dem, was Du im Texte da beschreibst?

Kloß: „B 96“ ist für mich ein sehr persönlicher Song, weil es in ihm um meine Kindheit geht. Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bautzen und meine Heimatstadt liegt an der B 96. Wenn man darüber nachdenkt, was einem wichtig ist, kommt in allererster Linie die Familie. Meine Kindheit war ein bisschen turbulent. Mein Vater ist relativ früh gestorben, als ich 18 war, und es ist für mich ein sehr bewegender Moment, wenn ich sehe, dass meine Schwester noch heute in dem Haus lebt, in dem wir aufgewachsen sind, und dort ihre eigene Familie gründet. Das war ein Moment, der sehr ausschlaggebend für diese Platte war, was das Schreiben angeht. Wir wollten diesmal nicht mit einer Melodie anfangen und gucken, welche Worte darauf passen. Wir wollten uns wieder gegenseitig zuhören und rausfinden: Wie sieht's im anderen aus. Wir haben da gesessen auf der Couch, die Jungs haben gefragt: Wie war das eigentlich früher, erzähl mal, beschreib uns das mal. Das war nicht leicht für mich, aber es war ein toller Moment, diese Vertrautheit, dass man nach all den Jahren sich so öffnen kann und weiß, man ist da gut aufgehoben. Thomas hat währenddessen ein bisschen Akustikgitarre gespielt und wir haben geredet – und dann war der Song fertig.

Die Lieder klingen deutlich reduzierter als auf den Alben zuvor und – was etwa die Gitarre angeht – auch experimentierfreudiger. Hattet Ihr es auf Effekte wie diese angelegt oder kam das von alleine?

Kloß: Der wahrscheinlich simpelste Effekt, den man nutzen kann, ist die Reduktion. Wir haben uns überlegt, wenn wir musikalisch wieder näher zusammenwollen, dann müssen wir zusammen einspielen. Dann müssen wir gleichzeitig in einem Raum sein. Das war auch der Grund, warum wir nach Nashville gefahren sind, weil wir dort einfach ein Studio hatten, wo das unter besten technischen Möglichkeiten auch möglich war. Wir wollten nicht ein ganzes Schloss bauen und den Song zupappen, sondern wir wollten erst mal die Grundmauern setzen mit Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang und dann gucken, was der Song noch braucht. Das hat sich viel gesünder angefühlt und war für diese Platte genau der richtige Weg.

Ihr tretet dieses Jahr auch wieder in Saarbrücken auf. Beim letzten Konzert dort im Dezember 2012 hast Du gesagt, dass es immer kalt war, wenn Ihr dort gespielt habt. Damals waren es -7 Grad. Ist es Zufall, dass ihr diesmal im September open air auftretet?

Kloß: (lacht). Klar, wir wollen Saarbrücken auch mal wärmer kennenlernen. Nee, im Ernst. Als Saarbrücken noch nicht gleich im Tourplan war, war ich dort und hab Interviews gegeben. Da haben viele gesagt: Mensch, ihr müsst Saarbrücken in den Plan mit aufnehmen. Das war schön zu sehen. Aber es ist ja normal, dass die Tourtermine Stück für Stück kommen.

Noch eine abschließende Frage zur Entstehung des Albums in Nashville: Welchen Musikgrößen seid Ihr da so begegnet und was war das lustigste Erlebnis, das Ihr dort hattet?

Kloß: Du landest auf dem Flughafen in Nashville und der ist komplett mit Teppich ausgelegt, was das viel heimeliger macht. Da gehst du am ersten Café im Flughafen vorbei und da spielt ein Typ mit einer Akustik-Gitarre. Wir saßen da und haben unseren Kaffee getrunken, und dann kam der Sänger von Aero smith ( Steven Tyler – Anm. d. Red.) zu diesem Akustik-Gitarristen, weil der gerade einen Song von Aerosmith gespielt hat. Der Sänger war ganz verkleidet, mit Hut, man hat ihn zuerst nicht erkannt, und hat ein Foto mit ihm gemacht. Man denkt, sowas passiert nur im Fernsehen. Nee, es passiert in Nashville am Flughafen.

Silbermond tritt zwei Mal in der Region live auf – in Mannheim (24. Mai, SAP-Arena) und Saarbrücken (2. September, Open-Air vor der Congresshalle).

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