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Spielsucht: Saarbrückerin gründet Selbsthilfe-Gruppe

Ihr Sohn ist einer von etwa zwei Millionen Betroffenen deutschlandweit, die süchtig nach Online-Computerspielen sind. Die bekanntesten Onlinerollenspiele hören auf martialische Namen wie „World of Warcraft“ oder „Counter-Strike“.

Welches Spiel gerade bei ihrem Sohn aktuell ist, weiß die 51- Jährige gar nicht, „aber sie sind alle ähnlich aufgebaut“. L.s Sohn und die anderen Spieler schlüpfen in Rollen von Rittern, Magiern, Trollen und werden zu Helden. Sie formieren sich in Gilden, bestreiten Wettkämpfe, bereisen ihre Fantasiewelt, erhalten Belohnungen und erklimmen somit immer neue Levels. Für ihr früheres Leben aber bleibt keine Zeit mehr.

Die Spiele gehen immer weiter und verdrängen nach und nach das reale Leben. In dieser Fantasiewelt haben Eltern, frühere Freunde oder Geschwister keinen Platz. Online-Süchtige tauchen ab, verschwinden aus dem Familienleben und hinterlassen Mütter wie L., die sich fragen: „Was habe ich falsch gemacht?“ Mittlerweile, beschreibt die Mutter, frage sie sich das nicht mehr. Sie fragt auch ihren Sohn nicht mehr. „Er blockt ab. Isoliert sich und sagt, wir sollen uns nicht in sein Leben einmischen.

Vor vier Jahren war ihr Sohn noch „ein aufgeschlossener Junge, sportlich aktiv, gut in der Schule und beliebt“, sagt die 51- Jährige. Dann verfiel er dem Rollenspiel im Netz, häufte Fehltage in der Schule an und schmiss schließlich sein Abitur. „Im vergangenen August hat er eine Lehre begonnen, und ich hoffe, dass er sie beendet. Erst vor wenigen Wochen hat er eine zehnwöchige Therapie in der Sonnenbergklinik beendet. Ich bin wieder zu ihm durchgedrungen, wir haben geredet, und ich habe die Hoffnung, dass er seine Sucht besiegt.“ Ob er den Wiedereinstieg in ein normales Leben schafft, bleibt derzeit offen. „Er war in der letzten Zeit weder bei der Arbeit noch in der Schule“, sagt sie.

„Bis jetzt“, sagt sie, „kam aber noch keiner. Es ist ein Tabuthema, und die Eltern suchen die Schuld bei sich. Aber wir müssen in die Öffentlichkeit, müssen darüber nachdenken wie Prävention in Schulen aussehen könnte. Ich will meine Erfahrung weitergeben.“

Die Treffen finden donnerstags, 18 Uhr, vierzehntäglich in ungeraden Kalenderwochen bei KISS, Futterstraße 27, 66111 Saarbrücken statt. Telefon: (06 81) 9 60 21 30. Nächster Termin ist am 29. September.

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