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Staatsanwaltschaft ermittelt: Ist was faul bei IDS Scheer?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vermutet, dass im Vorfeld der Übernahme von IDS Scheer durch die Software AG Insiderhandel stattgefunden hat. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vermutet, dass im Vorfeld der Übernahme von IDS Scheer durch die Software AG Insiderhandel stattgefunden hat. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Saarbrücken/Darmstadt. Im Vorfeld der Hauptversammlung der Saarbrücker IDS Scheer AG, die von der Darmstädter Software AG übernommen wurde, ist für Zündstoff gesorgt. Die IDS-Scheer-Aktionäre sind für Donnerstag, 8. Juli, in die Saarbrücker Saarlandhalle geladen. Sie sollen laut veröffentlichter Tagesordnung dann der Verschmelzung der Gesellschaft mit der Software AG zustimmen. Jetzt interessiert sich aber auch die Staatsanwaltschaft für Hintergründe der Firmenübernahme.

Bernd Meiners, Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, bestätigte gestern, dass gegen Verantwortliche und Mitarbeiter der IDS Scheer AG und der Darmstädter Software AG wegen Verdachts des Insiderhandels im möglichen Zusammenhang mit der Übernahme des Saarbrücker Software- und Beratungshauses ermittelt wird. Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) Saar haben den Fall übernommen.

Standorte und Privatwohnungen durchsucht

Durchsuchungen an den Standorten Saarbrücken und Darmstadt und in Privatwohnungen der Betroffenen haben bereits stattgefunden. Dabei sollen Computer und Mobiltelefone beschlagnahmt worden sein. Im Fokus der Ermittler steht offenbar ein Dutzend Mitarbeiter aus beiden Häusern. Zu diesem Kreis soll auch Peter Gérard, Vorstandsvorsitzender der IDS Scheer AG, gehören.

Auffällige Handelsaktivitäten mit Aktien

Auslöser für das Verfahren der Staatsanwaltschaft Saarbrücken war eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn. Die Kontrolleure haben demnach wohl Anhaltspunkte dafür, dass wahrscheinlich im Vorfeld der im Sommer 2009 veröffentlichen Übernahme der IDS Scheer AG auffällige Handelsaktivitäten mit Aktien beider Firmen durch Insider stattgefunden haben. Insiderhandel ist in Deutschland und den meisten Staaten der Europäischen Union verboten. Das Wertpapierhandelsgesetz sieht in diesem Zusammenhang eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Am Weltmarkt bestehen können

Die Software AG hatte im Sommer des vergangenen Jahres die Mehrheit an IDS-Scheer für rund 490 Millionen Euro übernommen. Ziel des Zusammenschlusses sollte es sein, die kritische Größe zu bekommen, um am Weltmarkt bestehen zu können. Das zusammengeschlossene Unternehmen hat durch die Fusion im vergangenen Jahr mit über 6000 Mitarbeitern weltweit den Umsatz um 18 Prozent auf 847,4 Millionen Euro steigern können. Die Saarbrücker erzielten laut Geschäftsbericht 2009 einen Umsatz von 350,4 Millionen Euro.

Die Darmstädter Software AG ist vor allem spezialisiert auf Infrastruktur-Software, mit der Unternehmen Transaktionen und den Datenverkehr in großen Netzen organisieren können, die saarländische IDS Scheer wiederum verfügt mit der Software Aris über die weltweit führende Software für Geschäftsprozess-Analyse.

Insiderinformationen


Insiderinformationen sind gemäß § 13 WpHG konkrete Informationen über nicht öffentlich bekannte Umstände, die sich auf einen Emittenten von Insiderpapieren oder auf die Insiderpapiere selbst beziehen und die geeignet sind, im Falle ihres öffentlichen Bekanntwerdens den Börsen- oder Marktpreis der Insiderpapiere erheblich zu beeinflussen.

Beispiele für derartige Ereignisse sind Übernahmeangebote, ein Forschungserfolg des Unternehmens, unerwartete Gewinnsteigerungen oder Großaufträge (diese führen in der Regel zu Kurssteigerungen), ein unerwarteter Gewinneinbruch, Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung (hierbei wird der Kurs regelmäßig fallen) sowie Unternehmensfusionen, Personalveränderungen und dergleichen mehr.

In der 2004 neu gefassten Bestimmung wird klargestellt, dass das Durchführen von Eigenaufträgen unter Ausnutzen der Kenntnis bereits erteilter Kundenaufträge (sogenanntes Front Running) das Verwerten einer Insiderinformation ist und folglich zu den strafbewehrten Insidergeschäften rechnet.
Quelle: Wikipedia

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