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Stalking: Selbsthilfegruppe in Saarlouis steht den Opfern bei

In einer besonders schlimmen Phase gründet sie im Frühjahr 2011 mit der Hilfe der Opferhilfsorganisation „Weißer Ring“ die erste Selbsthilfegruppe für Stalkingopfer im Saarland. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe in Saarlouis, zum festen Kern gehören sechs Personen zwischen 40 und 60 Jahren. „Im Zentrum steht der Erfahrungsaustausch, wie gehe ich mit der Situation um?“, erklärt Baur-Ehses. Stalking geschehe in unterschiedlicher Form: Viele Täter kontaktierten ihre Opfer mehrfach täglich, halten sich in der Nähe der Wohnung oder des Arbeitsplatzes auf oder belästigen das Umfeld ihres Opfers.

Führt das in ihren Augen nicht zum „Erfolg“, werden manche aggressiv, beschädigen Häuser und Autos oder werden handgreiflich. Die Motive sind unterschiedlich: unglückliche Liebe, Rache, Ärger, krankhaftes Nachstellen. Die Opfer reagieren mit Unruhe, Nervosität, Kopf- und Magenschmerzen, teilweise auch Depressionen und Angstzuständen. „Ich kenne Personen, die seit Jahren deswegen in Behandlung sind“, sagt Baur-Ehses. „Vergessen kann man das nie, aber lernen, damit umzugehen. Doch das gelingt leider nicht jedem.“ Über 80 Prozent der Stalker sind männlich, über 80 Prozent der Opfer weiblich. Das hat eine Studie der TU Darmstadt und des Weißen Rings ergeben.

In etwa der Hälfte der Fälle bestand vorher eine Paarbeziehung. Durchschnittlich erstreckt sich das Stalking über mehr als zwei Jahre. Stalking sei inzwischen auch im Saarland stark verbreitet. In den letzten beiden Jahren wurden hier 470 neue Fälle bekannt. „Die Medienwelt ist immer durchsichtiger, es ist durch das Internet einfacher, jemanden zu verfolgen und dort schlecht zu reden“, vermutet Baur-Ehses einen Grund für den Anstieg. Darüber hinaus würden sich die Leute immer mehr bewusst, was Stalking bedeutet und dass man es anzeigen muss.

Seit 2007 ist Stalking nach Paragraf 238 StGB strafbar. Baur-Ehses rät jedem, die Vorfälle zu dokumentieren und frühzeitig Kontakt zur Polizei zu suchen und notfalls auch Anzeige zu erstatten. „Am Anfang können die Betroffenen das Problem nicht richtig einschätzen, da sie nicht ahnen können, wie schlimm es wird. Eventuell empfindet man für die Person Mitleid, lässt sich daher noch auf Gespräche ein“, sagt Baur-Ehses. Dazu komme ein Umfeld, das oft verharmlosend reagiere: „Der beruhigt sich schon wieder. Warte mal zwei Wochen ab.“ Seit gut zwei Jahren hat Edith Baur-Ehses Ruhe. Die Drohung mit einer Anzeige und das Umfeld, das dem Stalker zunehmend ablehnend gegenüberstand, haben Wirkung gezeigt. Er ließ sie in Frieden.

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