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Steht Saarbrücker Rechenzentrum vor dem Aus?

Am Saarbrücker Neugrabenweg hat die Finanz Informatik einen ihrer neun Standorte - noch.

Am Saarbrücker Neugrabenweg hat die Finanz Informatik einen ihrer neun Standorte - noch.

Der Unmut ist groß. Nach Jahren mit kräftezehrenden Fusionen und anstrengenden Großprojekten hatten die Beschäftigten auf normalere Zeiten gehofft. „Jetzt, wo mal Ruhe einkehrt, bringen sie (die Geschäftsführer) endgültige Ruhe“, zitiert der Gewerkschafter den bissigen Kommentar eines Mitarbeiters.

„Die Sparkassen geben ihren Kostendruck an uns weiter“, lautet der Vorwurf an die Eigner des Rechenzentrums, an die Sparkassenverbände, so Grandjot. Allen klingt in den Ohren, was Rolf Gerlach, Aufsichtsratschef der Finanz Informatik und Präsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, im November sagte: Die Einsparmöglichkeiten im Sparkassen- Sektor bezifferte er auf2,6 Milliarden Euro im Jahr. Für die Finanz Informatik nannte er die Zahl von 150 Millionen Euro. Details zu den Plänen sind vom Unternehmen nicht zu erfahren. „Ein Gremium aus Gesellschafter- und Arbeitnehmervertretern berät seit Anfang 2012 und ist mit der künftigen Aufstellung des Unternehmens befasst“, sagt ein Sprecher. Ergebnisse lägen noch nicht vor.

Am 24. Mai wolle der Aufsichtsrat entscheiden. Kein Wort von Stellenabbau. Kein Wort davon, Standorte zu schließen. Bemängelt wird aber, dass viele Aufgaben in mehreren Niederlassungen statt gebündelt an einer Stelle bearbeitet werden. Die verschiedensten Modelle seien als Lösung dieses Problems im Gespräch, sagt der Sprecher.

Die Arbeitnehmer pochen auf eine sozialverträgliche Umsetzung der Schließungspläne. Sie solle bis 2021 gestreckt werden. Weil viele Mitarbeiter bis dahin in Rente gehen, verliere der Stellenabbau seine Schärfe.

Die hiesige Belegschaft will aber noch mehr. Sie möchte alle 51 Jobs im Saarland retten. Der Standort soll als ein Art Außenstelle des Frankfurter Hauptsitzes erhalten bleiben, fordert Grandjot. Bereits heute erledigt die Abteilung in Saarbrücken Aufgaben für bundesweit alle Sparkassen. Mit wenig Aufwand lasse sich diese Rolle ausbauen.

Damit werde die Forderung der Unternehmensspitze nach Bündelung der Tätigkeiten erfüllt, jedoch ohne den Standort aufzugeben. „Wir unterstützen das“, signalisiert der Sparkassenverband Saar Schützenhilfe für diese Idee. Denn „sie ist sinnvoll für die Sparkassen und sichert den Standort“, sagt Christian Molitor, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands. Die Saarländer haben im Aufsichtsrat der Finanz Informatik jedoch wenig Gewicht. Der Verband hält nur 1,57 Prozent der Anteile und hat im Aufsichtsrat kein Stimmrecht, nur Gast-Status.

HINTERGRUND

Die Finanz Informatik ist ein Dienstleister für alle 426 Sparkassen in Deutschland sowie für weitere Mitglieder der Sparkassen-Finanzgruppe wie die Landesbanken und die Landesbausparkassen. Das Rechenzentrum entwickelt und verwaltet Software für alle Abläufe in den Sparkassen, vom Zahlungsverkehr bis zur betriebswirtschaftlichen Steuerung der Institute. Rund 127 Millionen Konten werden mit diesen Computerprogrammen betreut.

Das Unternehmen ist 2008 aus dem Zusammenschluss von Finanz IT (Hannover) und Sparkassen Informatik (Frankfurt) hervorgegangen. Das war die bislang letzte einer ganzen Reihe von Fusionen. Ende der 90er Jahre gab es in der Sparkassen-Finanzgruppe noch elf IT-Dienstleister. mzt

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