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Studie: Zu viele junge Saarländer zocken um Geld

Saarbrücken. Einer Studie der Mainzer Uniklinik zufolge haben fast sechs Prozent der Jugendlichen in Rheinland-Pfalz ein Problem mit Glücksspielen. Für das Saarland gibt es keine genauen Zahlen, Hartmut Görgen von der Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland ist jedoch überzeugt: „Im Trend kann man das sicherlich übertragen.“ 41,2 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen gaben an, im vergangenen Jahr Glücksspiele gespielt zu haben. „Das entspricht hierzulande fast 30 000 Jugendlichen“, sagt Görgen.

Der Reiz des Verbotenen

Nicht jeder Minderjährige, der das Glücksspiel ausprobiert, wird süchtig. „Bei einem Großteil legt sich das wieder“, sagt Görgen, „Die probieren das aus und merken, dass sie auf Dauer verlieren.“ Allerdings könnten vor allem Jugendliche mit niedrigem Bildungsstatus und persönlichen Problemen in ein problematisches Spielverhalten hineinrutschen. 1,9 Prozent der Jugendlichen werden von den Mainzer Forschern als problematische, 3,6 Prozent als gefährdete Spieler eingestuft. Bezogen auf das Saarland wären das etwa 1500 beziehungsweise 2650 Minderjährige.

„Sie leben oft zurückgezogen und haben kaum Freunde“, sagt der Psychologe Thomas Reuland, der die Aktionsgemeinschaft Drogenberatung in Saarbrücken leitet. Er vermutet, dass junge Menschen zunehmend Probleme hätten, sich im Alltag zurechtzufinden, weshalb sie sich in eine Scheinwelt flüchteten. „Der Spielautomat ist für sie wie ein Kommunikationspartner, der ihnen kontrollierbar erscheint“, erklärt er. Geldspielautomaten zählen neben Kartenspielen und Rubbellosen zu den beliebtesten Spielformen bei Jugendlichen. In den Automaten sieht Görgen die größte Gefahr: „Sie bieten das höchste Risiko, süchtig zu werden.“ Dort bekämen Spieler das Geld sofort bar ausbezahlt und hätten so ein unmittelbares Erfolgserlebnis. Ein Problem ist, Görgen zufolge, auch der mangelhafte Jugendschutz.

Das Zocken um Geld ist erst ab 18 Jahren zulässig. Dennoch gab ein Drittel der Befragten an, dass sie keine Schwierigkeiten gehabt hätten, zu spielen. Görgen rät Eltern von Betroffenen, an die Betreiber der Spiel- oder Gaststätte heranzutreten und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten.

Eine Frage der Prävention

Im Zuge seiner Arbeit hat Görgen festgestellt, dass die Jugendlichen schwer zu erreichen sind: „Sie kommen selten in eine Beratungsstelle, weil sie das Spielen nicht als Problem sehen, sondern als riskantes Verhalten, das sie reizt.“ Deshalb müsse man auf sie zugehen und Aufklärungsarbeit in Schulen und Jugendtreffs leisten. Doch dafür sei kaum Geld vorhanden. „Das Saarland macht im Hinblick auf Prävention bei Jugendlichen kaum etwas. Im Vergleich zu Rheinland- Pfalz hinken wir ziemlich hinterher“, bedauert Görgen. Zunächst müsse eine ähnliche Studie wie jene aus Mainz durchgeführt werden, um das Problemausmaß zu erheben. Markus Zimmermann vom Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) sieht das anders: „Ich glaube nicht, dass das Saarland eine eigene Studie braucht, um festzustellen, dass das ein Problem ist.“ Es gebe genug Studien, deren Ergebnisse auf das Saarland übertragbar seien.

Das LPH, Saarland-Sporttoto sowie das Gesundheits- und das Sozialministerium fördern Präventionsmaßnahmen jährlich mit mehreren Hunderttausend Euro. „Tatsache ist, dass alleine die Landesfachstelle ihr jährliches Gesamtbudget von 75 000 Euro von staatlichen Glücksspielveranstaltern zur Verfügung gestellt bekommt“, sagt Ina Thiesen, Sprecherin des Sozialministeriums.

© WhatsBroadcast
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