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Tabakschachteln müssen ab heute mit Schockbildern versehen werden

Auch mit solchen Bildern werden Raucher bald konfrontiert sein: „Rauchen schädigt ungeborene Babys“ steht auf dieser Verpackung, die in Australien im Handel ist. Foto: dpa

Auch mit solchen Bildern werden Raucher bald konfrontiert sein: „Rauchen schädigt ungeborene Babys“ steht auf dieser Verpackung, die in Australien im Handel ist. Foto: dpa

Die Luft ist qualmgeschwängert in dem kleinen Tabakladen in der Saarbrücker Innenstadt. Hier darf der Raucher noch Raucher sein – wenn auch ein wenig versteckt in einer Ecke. Genüsslich zieht dort ein Mann an seiner Zigarre. Würde er sie beim Anblick offener Raucherbeine und zerfledderter Lungenflügel auf Rauchwaren-Verpackungen in den Aschenbecher verbannen? Nein, sagt er – und fühlt sich offensichtlich ein wenig ertappt: „Ich bin ja auch eher Gelegenheitsraucher. Höchstens mal eine Zigarre am Tag“, fügt er entschuldigend hinzu. Ein anderer Kunde, der eine Packung Zigarillos verlangt, lacht indes spöttisch auf: „Unsinn, jeder weiß doch, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist.“ Nein, ihn würden die Gruselbilder „auf keinen Fall“ vom Rauchen abhalten. Auch die Verkäuferin glaubt nicht, dass die neue EU-Richtlinie tatsächlich großen Einfluss auf Tabak-Umsatz und Konsumverhalten hat. „Am Anfang vielleicht“, sagt sie, „aber die Leute werden sich schnell an die Schockbilder gewöhnen, ähnlich wie vor ein paar Jahren an die Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln.“ Und dann ist der passionierte Raucher ja inzwischen wieder aufs Zigarettenetui gekommen, das unästhetische Aufdrucke notfalls dezent verschwinden lässt.

Nichtsdestotrotz geht die Zahl der Raucher in Deutschland beständig zurück. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Absatz nach Branchenangaben auf 80 Milliarden Zigaretten pro Jahr halbiert. Insgesamt würden etwa 100 Milliarden Zigaretten im Jahr geraucht.

Das könnten bald weit weniger werden. Denn denjenigen, die dem Laster immer noch frönen, soll der zweifelhafte Genuss nun endgültig vergällt werden: Von heute an müssen in Deutschland Zigaretten- und Tabakschachteln mit Schockbildern und Warnhinweisen versehen werden. Sowohl auf der Vorder- als auch Rückseite. Dabei dürfen die Gruselbilder auch nicht am unteren Rand versteckt werden – ob faulende Raucherbeine, schwarze Zahnstümpfe oder gar schwerst geschädigte Säuglinge. So schreibt es eine EU-Richtlinie vor. Bis die neuen Packungen in Läden und Automaten auftauchen, wird es wohl noch bis Herbst dauern. Alt-Verpackungen können noch ein Jahr lang abverkauft werden.

Eigentlich ist die EU-Tabakproduktrichtlinie bereits am 19. Mai 2014 in Kraft getreten. Sie sieht zum Schutz vor den Gefahren des Tabakkonsums schärfere Regeln für Herstellung, Präsentation und Verkauf von Tabakwaren vor. Heute ist nun der Stichtag, an dem sie in nationales Recht umgesetzt sein muss. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte am 4. Mai 2016 die Richtlinie nochmals bestätigt. Danach sind die neuen Verpackungsregeln, aber auch das Verbot von Menthol-Zigaretten sowie die Regelungen für E-Zigaretten rechtmäßig. Das bedeutet unter anderem, dass Menthol-Produkte ab 20. Mai 2020 komplett verboten sind. Ebenso sollen Aromen, die den Tabakgeschmack überdecken, vom Markt verschwinden. Auch für nikotinhaltige E-Zigaretten und Nachfüllbehälter gibt es Sicherheits- und Qualitätsanforderungen. Denn der Markt für elektronische Zigaretten, bei denen eine Flüssigkeit verdampft und durch den Konsumenten inhaliert wird, ist noch relativ jung. Bisher gibt es in Deutschland keine spezifischen gesetzlichen Regelungen.

Ab Juli 2020 soll auch die Zigarettenwerbung auf Plakaten und im Kino verboten sein – zumindest bei Filmen, die für Zuschauer unter 18 freigegeben sind. Ebenso sollen Außenflächen wie Plakatwände und Litfaßsäulen für Tabakreklame tabu sein.

Die deutschen Hersteller fühlen sich indes von der Politik verschaukelt. Sie hatten auf eine längere Frist für die Umrüstung ihrer Maschinen gepocht, sind aber gescheitert. „Vor allem in den osteuropäischen Nachbarländern haben die Hersteller mehr Zeit und so Wettbewerbsvorteile“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes, Jan Mücke. So könnten diese etwa in Polen, Tschechien und Ungarn die EU-Vorgaben später umsetzen und nicht wie in Deutschland bis zum 20. Mai. „Für diese Wettbewerbsverzerrung trägt die Politik die Verantwortung“, meinte Mücke. Noch nicht alle Marken würden ab heute im neuen Design produziert. Die Unternehmen arbeiteten zwar mit Hochdruck an der Umstellung, aber diese erfolge Stück für Stück.

In Saarbrücker Tabakläden hält sich die Furcht vor Umsatzeinbußen durch die Schockfotos weitgehend in Grenzen: „Wer raucht, der raucht. Den schrecken solche Bilder bestimmt nicht ab“, meint eine Verkäuferin in der Karstadt-Passage.

Von SZ-Korrespondent Markus Grabitz

Der saarländische Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich hält Schockbilder auf Zigarettenpackungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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