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Tatort: Aus für das Ermittler-Duo Deininger und Kappl

Saarbrücken. Nichts heikler als stilvolle Abschiede? Bereits Jochen Senf, 18 Jahre lang als Max Palu bundesweit eine markante, weil französisch eingefärbte „Tatort“-Figur, fühlte sich von seinem Heimatsender am Ende, 2005, gemobbt und grundlos abserviert. Denn seine Quoten lagen mit rund 20 bis 25 Prozent Marktanteil im guten Mittel. Auch beim Nachfolge-Duo Maximilian Brückner und Gregor Weber stimmt die Zuschauer-, ja mittlerweile sogar die Feuilleton-Resonanz. Das Schüler-Drama „Hilflos“ (2010) und die Heimkehrer-Geschichte „Heimatfront“ (2011) dürften das Beste gewesen sein, was der SR jemals zur Tatort-Reihe beizusteuern hatte. Sonnige Erfolge, doch jetzt wird wohl erst Mal dreckige Wäsche gewaschen. Denn Gregor Weber erhebt wie einst Senf Vorwürfe gegenüber dem Saarländischen Rundfunk wegen des angeblich unfairen Rauswurfs. Seit 2006 hat der aus Saarbrücken stammende Weber als ur-saarländischer Instinktbulle Stefan Deininger gemeinsam mit dem zugereisten, feingeistigen Bayern Franz Kappl sechs Fälle gelöst. Ihre letzte Ermittlung – „Verschleppt“ – wird am 22. Januar 2012 gesendet. Denn am Montag hat der Sender überraschend (die SZ berichtete), die Nicht-Vertragsverlängerung für die Schauspieler bekannt gegeben. Die Begründung: Die Story des ungleichen Paares sei „auserzählt“.



In einer gemeinsamen Presseerklärung klingen Weber und Brückner moderat.  Sie verweisen auf ihren jüngsten Beliebtheits-Rang sieben unter den Tatort-Kommissaren und sprechen von „Verwunderung“ und „Enttäuschung“. Jedoch schlägt Weber im Gespräch mit der SZ scharfe Töne an. „Das war keine einvernehmliche Trennung, sondern ein Rausschmiss“, sagt er und attackiert den verantwortlichen Redakteur Christian Bauer. Weber sieht ein „Versagen“ darin, wenn einer Redaktion „nach nur sechs Folgen zur Weiterentwicklung einer erfolgreichen Figuren-Konstellation nichts mehr einfällt.“ Weder mit ihm noch mit Brückner habe Bauer oder ein anderer Verantwortlicher jemals über grundsätzliche Zweifel gesprochen. Per Telefon habe ihnen Bauer am 25. Oktober die Trennung mitgeteilt, und zwar mit der Formulierung, „dass der Sender seine Kommissare in Rente schickt“, so Weber. Frühestverrentung: Brückner ist 32, Weber ist 43. Der hat sich als Krimiautor zwar ein stabiles Zusatz-Standbein erarbeitet. Trotzdem fallen, wie er sagt, abrupt 30 Prozent seines Jahreseinkommens weg.

Weber hält zudem eine andere Lesart für den Vorgang parat. Er und Brückner hätten massiven Anteil am „Heimatfront“-Erfolg, indem sie sich an der Rettung eines ursprünglich defizitären Drehbuchs („eine Ruine“) beteiligten.  Das habe zu Konflikten mit Bauer geführt, hinter denen Prinzipielles stehe.



Denn Bauer, erst seit drei Jahren im Amt, habe sein neues Konzept – die engere Verzahnung des SR-Tatortes mit Nachwuchs-Autoren und -Regisseuren des Max-Ophüls-Festivals – im Team entwickelt. Weber: „Wir waren Mit-Urheber und Durchkämpfer.“ Nun eröffne sich durch das Auslaufen der Verträge die Chance, den Erfolg allein zu verbuchen. Bauer leugnet die Reibereien bei der Stoffentwicklung von „Heimatfront“ nicht: „Das Polishing ist ein üblicher Vorgang“, sagte er gestern der SZ. Bauer hält die Deininger/Kappl-Konstellation einfach für erschöpft. Der Reiz des Paares liege in deren regionalen, methodischen und sozialen Unterschieden, die man nacheinander erzählt habe. Etwa indem man den Bundeswehr-Verweigerer Deininger auf den Gebirgsjäger Kappl stoßen ließ („Heimatfront“) oder den USA-geschulten Profiler Kappl mit dem Emotions-Paket Deininger („Verschleppt“). Warum diese Konfrontations-Dramaturgie nicht in eine andere überführen? Bauer sieht darin keine Option: „Für uns macht es Sinn, jetzt Neues zu wagen.“

Wie das aussieht, ob es ein radikaler Bruch sein wird, der auch die langjährigen Kappl/Deininger-Kollegen Alice Hoffmann und Hartmut Volle treffen könnte, wird nicht verraten. Doch die Hauptveränderung muss durch das Team gesetzt werden, denn die Grundidee soll bleiben, gesellschaftsrelevante Stoffe durch junge Perspektiven aufzubereiten.  Eine Neuauflage des Saarvoir-Vivre-Tatorts ist jedenfalls ausgeschlossen. Denn Bauer sagt: „Es wird keinen Rotwein trinkenden oder mit dem Baguette winkenden Kommissar geben.“


Meinung

Voreilige Trennung

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Never change a winning team – tausche niemals ein Gewinner-Team aus. Gegen diesen Grundsatz verstößt der SR. Das muss Irritation auslösen. Und stimmt die Darstellung einer stillosen telefonischen Fußtritt-Verabschiedung, ist Kritik notwendig. Denn es wäre ein Leichtes gewesen, Kappl und Deininger in einer letzten Folge würdig verschwinden zu lassen. Stattdessen herrschen nun Verstimmungen ob eines legitimen Neustarts. Der wirkt überstürzt und voreilig. Denn nach den Top-Folgen „Hilflos“ und „Heimatfront“ wähnte man den SR-Tatort auf konstantem Kurs: freier und kreativer. Aber wie es aussieht, hat der Sender wohl Asse im Ärmel, sprich ein spektakuläres Team an der Angel. Darauf darf man sich wiederum freuen.
 

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