A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis Zwischen AS Saarlouis-Lisdorf und Tankstelle mit Kiosk Saarlouis Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn Fußgänger (18:49)

A620

Priorität: Sehr dringend

19°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
19°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Tierische Spürnasen auf der Suche nach Vermissten

Die Nase dicht über dem Boden geht Jana zielstrebig voran. Sie hat die Witterung aufgenommen. Frauchen Dagma Thomaser folgt dem Bayerischen Gebirgsschweißhund. Sie trägt eine gelbe Schutzweste mit der Aufschrift „Personensuche“. An diesem Tag in St. Wendel ist es nur eine Übung. Doch Jana weiß das nicht. Sie ist ausgebildet für Mantrailing (Personensuche) und folgt unbeirrt der Spur des Vermissten. „Beim Trailen sagt Jana, wo es langgeht“, erklärt Dagma Thomaser und lacht. Die 61-Jährige und ihre Hündin, die sie liebevoll gnädige Frau nennt, sind seit fünf Jahren gemeinsam im Einsatz, wenn Menschen vermisst werden.

Es geht über eine Straße, ins Gelände, zu einer Baumgruppe. Dort liegt Kay Bechtold, der das Opfer mimt. Jana berührt ihn kurz, dann dreht sie sich zu ihrem Frauchen um und wird belohnt. Jana hat ihre Sache gut gemacht. Damit Hund und Hundeführer während der Suchaktion nicht gefährdet werden, gibt es einen so genannten Backup – einen Hintermann, der vor Autos oder Hindernissen warnt. Dieses Mal hatten Thomaser und ihre Hündin einen besonderen Begleiter: Jörg Weiß von Mantrailing Quality. Der ehemalige Polizeihauptkommissar beschäftigt sich seit 2000 speziell mit Mantrailing. Er gibt Workshops in ganz Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz oder Italien.

Weiß war für eine Woche in der Kreistadt St. Wendel, um mit acht Menschen und zwölf Hunden zu trainieren. Neben jeder Menge Tipps gab es auch ehrliche Manöver-Kritik. „Ihr seid noch nicht so weit, wie ihr denkt“, war das Fazit des Profis. Und so konnten am Ende der Woche auch nur zwei der acht Hundeführer mit ihren Vierbeinern zur Prüfung antreten (siehe Infobox). Eine davon war Dagma Thomaser mit Jana. „Die beiden sind auf einem guten Weg“, bestätigt der Trainer gegenüber der SZ. Mantrailing-Kurse werden auch teilweise von Hundeschulen angeboten – als Hobby, um den Hund sinnvoll auszulasten. Wer sich aber tatsächlich mit seinem Vierbeiner auf die Suche nach vermissten Menschen machen möchte, sollte eines nicht unterschätzen: den Stressfaktor. „Der Hundeführer muss physisch und psychisch fit sein“, erklärt Weiß. „Er muss in der Lage sein, zu interpretieren, was ihm der Hund anzeigt und gleichzeitig die Umgebung im Blick behalten.“ Der Profi arbeitet mit einer Bloodhoundhündin namens Emi. Bluthunde wurden gezüchtet, um Spuren zu suchen. Generell, so Weiß, könnten aber alle Hunderassen trailen. Ebenso wie Frauchen oder Herrchen muss ein Suchhund psychisch stabil sein und Durchhaltevermögen beweisen. „Die Hunde lernen in der Regel schnell, die Menschen brauchen oft länger“, sagt Weiß und lacht. Mantrailing sei keine leichte Aufgabe. Die Suche nach Vermissten ist auch oft mit Enttäuschungen verbunden. „Wir werden oft zu spät gerufen“, sagt Jörg Weiß. Deshalb bleiben Erfolge aus. Je schneller ein ausgebildeter Suchhund zum Einsatz käme, desto besser.

Zuletzt war Dagma Thomaser mit ihrer Jana Ende Januar bei einem Unfall auf der Autobahn 1 im Einsatz. Damals herrschte kurze Zeit Verwirrung darüber, wie viele Insassen in dem verunglückten Wagen saßen. Zwei schwer verletzte junge Männer hatten die Rettungskräfte geborgen. Von einem angeblichen dritten Insassen fehlte jede Spur (wir berichteten). „Jana zeigte deutlich an, dass es keine dritte Person gab“, erinnert sich Thomaser. Die 61-Jährige hat schon einige Erfahrung in Sachen Personensuche sammeln können, trotzdem war sie begeistert von dem Workshop mit Jörg Weiß. „Ich habe viel von ihm gelernt, es war ein Genuss, mit ihm zu arbeiten.“ Im Herbst soll es ein Wiedersehen geben.

AUF EINEN BLICK

In der Regel wird ein Mensch-Hunde-Gespann, das in der Personensuche (Mantrailing) aktiv ist, alle zwei Jahre überprüft. Im Anschluss an den einwöchigen Workshop mit Mantrailing-Experte Jörg Weiß fand in St. Wendel eine Prüfung statt. Von acht Teilnehmern an dem Kurs konnten zwei mit ihren Hunden in der Prüfung starten: Dagma Thomaser mit Jana und Claudia Werth mit Shania. Beide schafften die Prüfung, bei der auch die Polizei dabei war, nicht. „Ich bin Schuld, ich habe Jana von der Fährte weggeholt“, gesteht Thomaser. Sie hat noch ein halbes Jahr Zeit, um die Prüfung zu wiederholen, so lange gilt noch die alte. Trotz verpatzter Prüfung ist Thomaser zufrieden. „Alle haben mir bestätigt, dass Jana gut gelaufen ist.“ evy
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein