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Tod nach Streit um Rasenmäherlärm – Angeklagter: „Ich wollte ihn nicht erschießen“

Es war ein jahrelanger Kleinkrieg über den Gartenzaun hinweg. Man stritt sich über das zu laute Radio, über die nicht eingehaltene Mittagsruhe. Am Schluss endete der Zwist in einer Kleingartenkolonie in Trier tödlich: Im Streit um Rasenmäherlärm soll ein 61-Jähriger seinen Nachbarn erschossen haben. Seit Donnerstag steht der gelernte Maurer wegen Totschlags vor dem Landgericht Trier. „Auf jeden Fall wollte ich nicht, dass es so weit kommt. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben“, ließ er über seinen Anwalt erklären.

Was war passiert? Die Staatsanwaltschaft sieht es so: Der Angeklagte habe am Tattag Anfang März auf seinem Grundstück gleich mehrere Rasenmäher laufen lassen. Dadurch fühlte sich das spätere Opfer, der 68-jährige Rentner von schräg gegenüber, gestört. Bewaffnet mit einem Kantholz lief er los, schlug erst den Zaun des Nachbarn nieder und hieb dann auf mindestens einen Mäher ein, der in mehrere Teile zerbrach. Daraufhin holte der 61-Jährige ein Gewehr aus seiner Laube und schoss dem 68Jährigen in die Brust. Das Opfer verblutete innerlich. Der Angeklagte, der in seinem schmucken Häuschen in der Anlage wohnte, schildert den Tag anders: Er habe nur einen Rasenmäher angehabt, weil er einen Ölwechsel machen wollte. Da sei plötzlich sein Nachbar mit dem Kantholz auf sein Grundstück gestürmt und habe „wie verrückt“ auf den Mäher eingeschlagen. Als er mit dem Holz auf ihn zukam, habe er Todesangst bekommen und die Waffe geholt. Vor allem, weil der Nachbar: „Du Bastard! Jetzt schlag ich dich tot!“ gebrüllt habe. Der Schuss habe sich beim Rückwärtsgehen irgendwie gelöst. „Ich bin gestrauchelt.“

Fakt ist, dass die beiden Streithähne schon länger im Clinch lagen. Seit etwa sechs Jahren, schätzte der Anwalt der Witwe, die als Nebenklägerin auftritt, Günther Maximini. „Man war so verbittert, dass sich daraus eine Eigendynamik entwickelt hat“, sagte der Anwalt des Angeklagten, Andreas Ammer. Dabei hatten sich die beiden Familien einst sogar gut verstanden, sagte Staatsanwalt Eric Samel. Doch als eine Beziehung zwischen der Tochter des Angeklagten und dem Sohn des Opfers zerbrochen war, habe sich das Blatt gewendet. Man warf sich böse Worte an den Kopf und bekam sich ständig wegen des Lärms in die Wolle. „Es ging um reine Nichtigkeiten“, sagte Staatsanwalt Samel. 2012 wurde der 61-Jährige bereits wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er mit Pflastersteinen auf den Kopf seines Nachbarn und dessen Sohn geworfen hatte. „Sie kamen blutüberströmt auf die Wache“, sagte ein Polizist im Prozess.

Es gab zwischen den Streitparteien aber auch schon Zivilverfahren, Gewaltschutzverfügungen und Ansprachen der Polizei: „Die Justiz ist ihnen nicht beigekommen“, sagte Staatsanwalt Samel. Dass der Streit so eskaliert sei, sei „unglaublich“, meinte Maximini. Dem Angeklagten tut die ganze Sache heute „unendlich leid“. „Ich würde so gerne alles ungeschehen machen“, erklärte er vor Gericht. Er habe seinen Nachbarn nicht töten wollen. Er habe sich bedroht gefühlt – und nur gewollt, dass der 68-Jährige von seinem Grundstück verschwindet. „Ich wollte ihn nicht erschießen“, sagte er. Der Prozess ist bis zum 7. Oktober angesetzt.


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