L105 Fechingen Richtung Mimbach zwischen Breitfurt und Mimbach Gefahr durch 1 totes Tier auf der Fahrbahn Reh (19:07)

L105

Priorität: Dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Trotz sinkender Umsätze: Immer mehr Friseure im Saarland

Saarbrücken. Seit Jahren steigt die Zahl der Friseurbetriebe. Im vergangenen Jahr gab es erneut einen Zuwachs von zwei Prozent, wie aus den Zahlen des Zentralverbands des deutschen Friseurhandwerks hervorgeht. Die Kunden können zwischen 77 000 Salons in Deutschland wählen, rund 900 im Saarland. Hier kamen in den vergangenen fünf Jahren etwa 100 dazu, schätzt Landesinnungsmeister Horst Ruffing (Foto: SZ). Bundesweit sanken aber die Umsätze um 1,3 Prozent. Das größte Problem in Augen der Friseurinnung stellen die Kleinstbetriebe dar. Deren Zahl wächst unaufhörlich. „Die Entwicklung hat vor etwa zehn Jahren eingesetzt“, sagt Ruffing, der zwei Salons mit acht Mitarbeitern in Homburg führt. Und verstärkt habe sie sich durch die Änderung der Handwerksordnung Anfang 2004. Seitdem können Friseure ab einem Alter von 44 Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung auch ohne Meisterbrief einen Salon eröffnen. Genauso wie diejenigen, die nachweisen können, dass sie mindestens vier Jahre in führender Position eines Betriebes gearbeitet haben.

Zunahme der Kleinstbetriebe hat negative Folgen

„Die Umsätze sind bundesweit gesunken, Mitarbeiter werden entlassen und gehen dann in die Selbstständigkeit“, erläutert Rene Krombholz die Entwicklung. Krombholz leitet die Initiative „Der faire Salon“, die sich für faire Bedingungen in der Branche einsetzt. Aus seiner Sicht hat die Zunahme der Kleinstbetriebe eine Reihe negativer Folgen: Sie bieten kaum Arbeitsplätze, zahlen keine Steuern, da sie unter 17 500 Euro brutto Jahresumsatz bleiben, und bilden auch nicht aus. Zudem wachse die Zahl der Ketten, sagt Krombholz. Darunter seien auch schwarze Schafe. Manche Friseur-Kette stelle ungelernte und ungeprüfte Kräfte ein, die sie in drei Monaten ausbilde. Außerdem hätten die Mitarbeiter im Discounter-Bereich die Pflicht, vier bis fünf Kunden pro Stunde abzufertigen. Krombholz nennt diese Form der Betriebe „Fast-Friseure“. Salons mit Qualität ließen sich beim Herrenhaarschnitt eine halbe Stunde Zeit, bei Damen auch mal anderthalb Stunden.

„Bei der spontanen Laufkundschaft spürt man die wachsende Konkurrenz aber schon“

Die zunehmende Konkurrenz in der Branche belegt ein Beispiel aus Saarbrücken: Heinz Gehse ist Geschäftsführer von Coiffeur de Paris, einem Traditionsbetrieb in der Saarbrücker Innenstadt. Nicht weit davon entfernt hat vor kurzem eine Filiale der Kette Speed-Hair eröffnet und bietet Haarschnitte zu weitaus niedrigeren Preisen. Er sieht die Entwicklung ungerne, glaubt aber dennoch an das Konzept seines Salons. „Unsere Kunden wollen exzellenten Service, eine angenehme Atmosphäre und gut ausgebildete Friseurinnen.“ Von der Stammkundschaft habe er darum auch noch niemanden verloren. „Bei der spontanen Laufkundschaft spürt man die wachsende Konkurrenz aber schon“, sagt Gehse.

Zwei Speed-Hair-Filialen gibt es bereits in Saarbrücken, eine dritte wird Anfang August folgen. „Unser Preis scheint auf den ersten Blick niedrig“, erklärt Wilfried Knauf, Geschäftsführer der Kette, „dafür haben wir aber höhere Preise beim Färben. Wir planen über eine Mischkalkulation.“ Eine Abfertigungspflicht gebe es bei ihm jedenfalls nicht, seine Mitarbeiter, derzeit 50 im Saarland, seien in einer Ketten-eigenen Friseurschule drei Jahre lang ausgebildet worden. Kritik gegen seine Kette erklärt Knauf mit Unwissenheit. Aber auch er weiß von „desaströsen Verhältnissen“ im Handwerk. „Wenn ein Haarschnitt unter acht Euro kostet, ist das bedenklich.“

Und die Zukunft? „Unterm Strich wird sich eine gute Schicht an Betrieben halten können“, glaubt Landesinnungsmeister Ruffing. Er fordert aber vom Staat mehr Kontrollen von Kleinstbetrieben. Schließlich gingen ihm durch Schwarzarbeit große Steuersummen verloren.

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein