L133 Freisen - Dirmingen Zwischen Marpingen und Berschweiler in beiden Richtungen Bauarbeiten, Vollsperrung, Dauer: 14.05.2018 08:00 Uhr bis 22.07.2018 18:30 Uhr, eine Umleitung ist eingerichtet (14.05.2018, 10:38)

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„Übles Schlammloch“

Ein tiefes Schlammloch gibt es auf dem Waldweg an der L127. Der Pfütze verdankt der Weg auch seinen Namen. Foto: Becker&Bredel

Ein tiefes Schlammloch gibt es auf dem Waldweg an der L127. Der Pfütze verdankt der Weg auch seinen Namen. Foto: Becker&Bredel

Im Saarland bekommen die Straßen ihre Namen von den Orts- und Bezirksräten und nicht von Hinz und Kunz. Wo käme man denn hin, wenn jeder das Recht hätte, die Wege und Plätze nach eigenem Ermessen zu taufen? Nun, man käme unter anderem in den Wald nordöstlich von Malstatt-Rußhütte. Dort hat sich nämlich einer die Freiheit genommen, vermutlich aus Spaß, einen Abschnitt des Grülingstraßen-Haldenweges nach eigenem Gutdünken zu taufen. Womöglich hatte sich der Wortschöpfer dort beim Spazieren die Schuhe ruiniert oder er war gar mit dem Mountainbike gestürzt. Jedenfalls nannte er die Passage „Übles Schlammloch“ und trug sie in der Weltkarte „openstreetmap“ ein. Das ist eine Art Landkarten-Wikipedia, wo jeder kostenlos alles unterbringen kann, so lange kein anderer dazwischenfunkt. Im offiziellen Straßenverzeichnis der Stadt existiert „Übles Schlammloch“ nicht, und sie denkt auch nicht daran, es dem Verzeichnis hinzuzufügen.

Da „openstreetmap“ von vielen anderen Kartenfirmen, meist mit gewerblichem Hintergrund, als Datenbasis benutzt wird, anders gesagt: weil hier gern abgeschrieben wird, ist „Übles Schlammloch“ in fast allen Straßenkarten-Verzeichnissen drin, und zwar kurioserweise auch als „kürzeste Straße“ Saarbrückens, wenn nicht sogar Deutschlands. Die Länge wird gern mit 5,0 Metern angegeben, die Breite mit 1,5 Metern, „strassenatlas.de“ will sogar exakt 5,39 Meter gemessen haben. Überall ist das Loch als „Pfad“ beschrieben, der lediglich zu Fuß und mit dem Rad passierbar ist. Die nächstgelegene Asphaltstraße ist in 500 Metern Entfernung die Neuhauser Straße. Wer die geographischen Koordinaten in ein GPS-Gerät eingibt – Breite 49°15'48.1"N,Länge 6°59'16.0"E – kommt mit dem Geländewagen bis etwa hundert Meter heran, das „Üble Schlammloch“ befindet sich auf einem Abschnitt zwischen zwei Holzstiegen, die Wanderern auf dem „Hartfüßler“-Pfad das Fortkommen am Hang erleichtern. Tatsächlich, ja, es ist nach Regenwetter tatsächlich ein Schlammlöchlein, das „Übel“ liegt im Auge des Betrachters, gruseln wird es hier keinen. Nette Gegend, muss man aber nicht gesehen haben.

Was den touristischen Wert betrifft, so sollte „Übles Schlammloch“ dennoch so mancher normalen Innenstadt-Gasse den Rang ablaufen können, allein schon wegen der konkurrenzlosen Kürze bei gleichzeitig steigender Bekanntheit. Die längste Saarbrücker Straße ist übrigens 9,1 Kilometer lang und hat auch mit Fremdenverkehr zu tun: die Flughafenstraße. Und womöglich hat der Bezirksrat Mitte, der hier zuständig ist, ja demnächst etwas Geld frei – und spendiert fürs „Üble Schlammloch“ eine Hinweistafel. Damit sie jeder sofort erkennt. Und wenn viele Touristen kommen, kann er die Zufahrt asphaltieren lassen – und bei diesem Weg dann selbst wieder vom Recht der Namensgebung Gebrauch machen.
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