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Umbau: Uni- und Landesbibliothek wird feierlich eröffnet

Auf dem Campus der Saar-Uni wird jetzt die umgebaute Bibliothek eröffnet.

Auf dem Campus der Saar-Uni wird jetzt die umgebaute Bibliothek eröffnet.

Saarbrücken. Nahezu 30 Millionen Euro – zehn Millionen mehr als ursprünglich kalkuliert – sind seit April 2000 in den Umbau und die technische Erneuerung der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) geflossen. Eine Summe, die hierzulande seit dem Vierten Pavillon zur festen Rechengröße unbescholtener Steuerzahler geworden ist. Steht man nun auf dem Uni-Campus vor der „zur Franzosenzeit“ nach Entwürfen des Stuttgarter Architekten Richard Döcker erbauten Unibibliothek (1953-1955), mag man sich auf den ersten Blick wundern: Wo sind die 29,9 Millionen Euro hin?

Um es zu erklären, muss man weit ausholen und das Rad der Zeit zwölf Jahre zurückdrehen: Damals begann mit dem ersten dreier Bauabschnitte der nun endlich (fast) abgeschlossene Umbau der größten Bibliothek des Landes: Dem Neubau eines zweigeschossigen unterirdischen Magazins unter dem Wiesenstück hinter der SULB (Phase eins: 4/2000 bis 10/2001) folgte der Umbau des ehemaligen Bücherturms zu einem zehngeschossigen Verwaltungsgebäude mit 1260 m2 Bürofläche (Phase zwei: 4/2002 bis 3/2004) und zuletzt die Umwidmung des alten, sich in L-Form um Lehrbuchsammlung und Lesesaal legenden Verwaltungstraktes zum erweiterten Nutzerbereich (Phase drei: 1/2010 bis 6/2012). Bereits 1997 hatte das auch ausführende Saarbrücker Büro Professor Focht & Partner den Architektenwettbewerb mit einem Entwurf gewonnen, der das Döcker-Ensemble umfassend würdigte.

Wenn das Büro nun im Juni abzieht, nachdem die letzten Planungsdetails umgesetzt sein werden, endet damit das wohl längste Kapitel in der jüngeren Hochbau-Historie des Landes. Immer neue Planungs- und Finanzierungsvorbehalte hatten es in die Länge gezogen. Es fing damit an, dass das Ensemble noch während der Wettbewerbsausschreibung 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde, was weitreichende Sanierungsauflagen zur Folge hatte. In den Jahren 2004 bis 2008 führten dann Planungsmodifikationen infolge diverser Machbarkeitsstudien faktisch zu einem vierjährigen Baustopp: Die ursprünglichen Planungen torpedierend, wurde seinerzeit beschlossen, sowohl den an den historischen Lesesaal angrenzenden Erweiterungsbau aus den 80er Jahren wie auch (aufgrund der unzureichenden Tragfähigkeit der Decken für Bibliothekszwecke) den vorderen, maroden Teil des alten Verwaltungstraktes abzureißen, um beide durch einen Teil-Neubau zu ersetzen.

Zugleich bot sich dadurch die Chance, diesen so zu unterkellern, dass nun im Souterrain ein Freihandmagazin für die Bestandszugänge aus den letzten beiden Jahren Platz findet. Auf diese Weise wird ansatzweise das alte Manko korrigiert, dass die in den 50ern als reine Magazinbibliothek konzipierte SULB über keinerlei Präsenzbibliothek-Bereiche verfügte. In dem neuen Freihandmagazin werden die Studenten nun zumindest die aktuellen Bestände künftig selbst in Augenschein nehmen können.

Mit dem Abschluss der zwölfjährigen Geduldsprobe der Sanierung bei laufendem Bibliotheksbetrieb wächst nun wieder zusammen, was immer zusammengehörte: die alte Trias (Verwaltung, Magazin- sowie Nutzungsbereiche), die zuletzt derart auseinandergerissen wurde und immer neuen Provisorien Platz machte, dass „eine ganze Studentengeneration sie nicht mehr als Einheit kennt“, so die SULB-Baubeauftragte Anne Schäpermeier.

Eine schmale Fuge in der Außenfassade, fünf Meter zur Linken des Haupteinganges, zeigt die Abrisskante des Altbaus, an der sich fast unmerklich in gleicher Kubatur der vom Büro Focht & Partner realisierte Neubau anschließt. Bedruckte Glaspaneele imitieren die feine Reliefstruktur der beigen Wandfliesen der alten Außenfassade. Die größtmögliche Übereinstimmung mit dem Original (ablesbar auch am neuen Außenanstrich nach befundgetreuen Farbrecherchen) war eine der Auflagen der Denkmalschützer – sie konzentrierten sich auf die Innengestaltung von Foyer, Halle und Lesesaal, wie Dirk Voss vom Büro Focht & Partner erzählt. Den an Marmor erinnernder Kalksteinfußboden bezog man aus der Nähe von Dijon, wo er in den 50ern auch gebrochen wurde: die Hölzer der vertäfelten Stirnseiten des Lesesaals wurden ausgebaut und aufbereitet; die alten Messinggriffe der Flügeltüren aufpoliert und die Türen in den Rahmenbreiten und Oberflächen rekonstruiert und, und, und.

Mit einem Wort: Man ging mit viel Detailliebe ans Werk und hat doch viel moderne Haustechnik (von der Lüftungs-, Klimaanlage bis zur Fußbodenheizung) implantiert. Was jetzt noch verwaist wirkt – die neuen, insgesamt 271 Arbeitsplätze bietenden Lesezonen mit ihren vielfach noch ziemlich leeren Regalen – , dürfte sich bald füllen. Wie sagt SULB-Direktor Bernd Hagenau doch: „Das Fatale an Bibliotheken ist, dass immer nur mehr dazukommt.“

Feierliche Wiedereröffnung (und Vernissage der Ausstellung „Schätze der Uni- und Landesbibliothek) am 2. Mai um 13 Uhr.

© WhatsBroadcast
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