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VHS-Kurs soll Saarbrücker Singles helfen

Kursleiter Robert Dietrich ist Pädagoge und bietet den Single- Kurs seit drei Jahren an. „Natürlich soll das Seminar den Teilnehmern das Kennenlernen eines neuen Partners erleichtern. Aber es handelt sich nicht um einen Flirtkurs“, betont Dietrich. Auch wenn sich in seinen Kursen schon mehrere Paare gefunden haben – Ziel sei es nicht, die Teilnehmer so schnell wie möglich an den Mann oder die Frau zu bringen: „Vielmehr geht es darum, sie dafür zu sensibilisieren, welche Bedürfnisse sie haben und wie sie auf andere wirken.“

Die Singles sitzen im Kreis. Dietrich hat in der Mitte und auf einem Tisch an der Seite Gegenstände platziert, die – mehr oder weniger direkt – etwas mit Liebe zu tun haben: eine Kondom-Packung, eine Parfumflasche, eine Herz-As-Karte, ein Flugblatt für eine Ü-30-Party und ein Pflaster. Die Sachen sollen die Singles miteinander ins Gespräch bringen, über ihre Erfahrungen und Erwartungen. Zwei Männer und sechs Frauen besuchen den Kurs, und sie könnten unterschiedlicher kaum wirken. Der Typ mit harter Schale. Der Sensible. Die In-sich-Gekehrte. Die Offene. Die Redselige. Die Powerfrau. Der Jüngste ist Anfang 40, die Älteste Mitte 60. „Ich war schon auf Ü-30-Partys. Es war furchtbar. Die Frauen dort wollen Männer, die sich verstellen“, erzählt der Typ mit harter Schale. „Es gibt Frauen, die deine direkte Art zu schätzen wissen. Du musst sie nur finden“, sagt Dietrich. „In der Liebe ist alles eine Frage der Zeit und des Ortes: Ihr solltet euch dorthin begeben, wo ihr euch wohlfühlt, und auf Gleichgesinnte trefft. “ Petra – aufgeschlossen, eloquent, schlank, brünett, seit einem Jahr Single – hat viele emotionale Achterbahnfahrten hinter sich: 20 Jahre war sie verheiratet, einen großen Teil davon glücklich. Irgendwann „ging es einfach nicht mehr“. Weshalb, bleibt ein Rätsel. Mit ihrem nächsten Partner erlebte Petra „die schönsten Jahre meines Lebens“. Eines Tages kehrte ihr Freund von einem Urlaub zurück und sagte, er habe dort die „Frau seines Lebens“ kennengelernt. „Ich dachte, der Schmerz würde mich zerreißen“, erinnert sich die Ergotherapeutin. „Nach einer langen Leidenszeit fasste ich wieder Mut und lernte in einer Partnerbörse einen neuen Mann kennen.“

Sechs Jahre hielt die Beziehung. „Am Ende waren wir uns total fremd. Weil er nicht über Gefühle sprechen wollte, und ich umso stärker klammerte, je mehr er sich von mir entfernte.“ Petra glaubt weiter an die Liebe: „Auch wenn jedes Scheitern ungeheuer schmerzt, liegt darin immer eine Chance.“ Allein sein wolle sie nicht, „weil ich einen Ansprechpartner brauche, jemanden, der mir bei den großen und kleinen Dingen des Lebens immer zur Seite steht.“ Die Suche ist mühsam. Woran das liegt? „Zum einen an den Männern. Die werden immer bindungsscheuer. Zum anderen sicherlich auch an mir“, sagt Petra. Im Kurs will sie erfahren, wie sie an sich arbeiten könnte.

Robert Dietrich schaltet seinen Laptop ein und startet eine Präsentation zum Thema Kennenlernen. „Bei der ersten Begegnung ist der Kontext wichtig“, sagt Dietrich, und an der Wand erscheint „idealer Kontext“. „Optimal ist es, wenn ihr auf einer Feier jemandem vorgestellt werdet.“ Dann müsse man den ersten Schritt nicht alleine gehen, habe Zeit und eine gemeinsame Basis mit dem Gesprächspartner. Gut seien auch Ausstellungen, Veranstaltungen für Singles und Wartesituationen, „weil man gemeinsam davon betroffen ist. Das schafft eine Verbindung“.

Dietrich empfiehlt einen deutlichen, aber nicht aufdringlichen Blickkontakt, ein Lächeln – bekanntlich „der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen“ – und ein paar Worte, die zur Situation passen, etwa: „Ständig kommt dieser Zug zu spät. Müssen Sie später auch noch umsteigen?“ „Am besten, ihr nehmt euch vor, jede Woche zwei Unbekannte anzusprechen. Nur durch Übung verschwindet eure Nervosität.“ Dietrich möchte, dass die Teilnehmer gezielt aktiv werden, unter Druck setzen will er sie nicht: „Es kann einem gut tun, eine Weile allein zu sein. Man kann sich dann selbst weiterentwickeln – davon profitiert die nächste Beziehung.“ Eine glückliche Partnerschaft führen könne nur, wer allein glücklich sein kann: „Wer selbst nichts mit sich anzufangen weiß, schränkt schnell die Freiheit seines Partners ein.“ „Was ist euch beim ersten Eindruck wichtig?“ will Dietrich kurz darauf wissen. „Die Stimme. Und wie er sich ausdrückt“, sagt Petra. Und der Typ mit harter Schale meint: „Wenn sie auf Stöckelschuhen läuft und ein aufdringliches Parfum aufgetragen hat, ist der Ofen bei mir sofort aus.“ „Geh’ mal in dich: Wie oft hast du dich schon in Menschen geirrt?“, fragt ihn die Powerfrau.

„Der erste Eindruck ist wichtig – aber er ist von Vorurteilen geprägt. Daher solltet ihr jedem wertschätzend begegnen und ihm mehrere Chancen geben“, rät Dietrich. Es komme darauf an, jede Begegnung als Bereicherung aufzufassen – auch wenn sie nicht in einer Partnerschaft mündet.

Robert Dietrich hat Kontaktanzeigen und Artikel zum Thema Partnerschaft an eine Pinnwand geheftet. „Per Online-Dienst zum Seitensprung“ prangt auf einer Zeitungsseite. „Keine Angst, du musst nicht perfekt sein.“ lautet der letzte Satz in einer Kontaktanzeige.

In die vorangegangenen Zeilen hat der Suchende aber so viele Anforderungen wie möglich gequetscht, von „lebenslustig“ über „erfolgreich“ bis hin zu „gelassen“. „Die Anzeige entlarvt die überhöhten Anforderungen des Inserenten – und über ihn erfährt man nichts. Ich empfehle euch, etwa zwei Drittel der Anzeige mit Infos über euch zu füllen – und ein Drittel mit euren Wünschen.“ Petra hat kürzlich eine Anzeige aufgegeben – und zwanzig Zuschriften bekommen. „Die Männer, die sich nicht gut ausgedrückt haben, habe ich aussortiert. Und einen, der behauptet hat, er sei ‚sehr gut bestückt’.“ Blieben zehn. „Mit einem habe ich mich zweieinhalb Stunden am Telefon unterhalten. Er drückt sich so gewählt aus“, schwärmt sie. „Soll ich mich mit allen zehn Männern treffen?“, fragt Petra in die Runde. „Auf jeden Fall! Dann hast du mehr Vergleichsmöglichkeiten. Aber gib uns ein paar ab“, sagt die Offene.

Doch woran liegt es eigentlich, dass es immer mehr Singles gibt? „Die Erwartungen an den Partner sind bei vielen ins Unermessliche gestiegen“, sagt Dietrich. „Viele Medien propagieren das Ideal des schönen und sympathischen Übermenschen und das Ideal der perfekten Liebe. Beides gibt es nicht.“ Hinzu komme die – vor allem durch die Internet-Partnerbörsen bedingte – unfassbare Fülle an Möglichkeiten: „Man kann ständig neue Partner kennenlernen. Das führt dazu, dass man sich entweder nicht entscheiden kann oder in der Beziehung schnell Langeweile verspürt – und sich trennt. Damit geht einher, dass viele ihren Marktwert überschätzen.“ Außerdem müssten viele Männer noch ihre Rolle finden, sowohl der Macho als auch der Softie hätten ausgedient. Während die Frauen ihre Partnerwahl hinterfragen sollten: „Viele moderne Frauen verhalten sich dabei ‚klassisch’: Der Mann soll größer und gebildeter sein und mehr verdienen. Für kluge, gut verdienende Frauen hält sich die Auswahl da natürlich in Grenzen.“ Ein paar Wochen nach Kursende, Anruf bei Petra. Nein, sie habe keinen neuen Partner kennengelernt, sagt sie. Diejenigen, die auf ihre Kontaktanzeige geantwortet haben und ihr Interesse geweckt haben, hätten sich als Flops herausgestellt: „Einer ist gar nicht erst zum vereinbarten Treffpunkt gekommen, ein anderer wollte während unserer Verabredung permanent seinen Kopf durchsetzen.“

Der Single-Kurs habe ihr bewusst gemacht, „dass ich mich vor Blendern in Acht nehmen muss. Und dass ich niemanden kennenlerne, wenn ich mich zu Hause hinterm Ofen verkrieche.“ Das seien keine neuen, aber entscheidende Erkenntnisse. Außerdem habe der Kurs ihr vor Augen geführt: „Ich suche gar nicht so dringend, wie ich dachte.“ Heute weiß sie: „Ich möchte mir Zeit lassen.“ Diese Aussage würde sie wählen, müsste sie die Entscheidungsübung vom Kursbeginn ein zweites Mal machen. „Ich habe einen stabilen Freundeskreis und weiß es zu schätzen, tun und lassen zu können, was ich will“, sagt Petra. Und fügt hinzu: „Das heißt aber nicht, dass ich meine Einstellung nicht ändern würde, wenn mir ein toller Mann begegnet.“

AUF EINEN BLICK

Das nächste Single-Seminar an der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken startet am Freitag, 20. April, um 18 Uhr. Seminarleiter Robert Dietrich bietet vier gut zweistündige Kursabende an, im Alten Rathaus Saarbrücken, Schlossplatz 2, Raum 13. Interessierte können sich unter der Telefonnummer (06 81) 5 06 43 20 anmelden. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei zwölf. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.robertdietrich.de

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