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Viele Saarbrücker macht Job-Stress krank

Saarbrücken. Als hätte ihm jemand „die Stromkabel durchgeschnitten“. So hat sich Starkoch Tim Mälzer gefühlt, als er Mitte 2006 am Burnout-Syndrom litt. Es könne sich „keiner vorstellen, wie das ist, wenn man beim Bäcker steht, fassungslos auf die Brötchen glotzt und sich total nackt fühlt“. Das Thema Burnout treibt die Öffentlichkeit schon seit Jahren um; es gab unzählige Sendungen und Titelgeschichten dazu, zahlreiche Prominente haben sich als Betroffene geoutet. Hat die Diskussion im Regionalverband Veränderungen angestoßen?

Ernährungs-, Tai-Chi- und Zeitmanagement-Kurse

„Wir bieten für unsere Mitarbeiter Programme zur Stressbewältigung an“, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Es gibt Ernährungs-, Tai-Chi- und Zeitmanagement-Kurse. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter bald im Intranet über Burnout-Prävention informiert werden. Blug spricht von vereinzelten Burnout-Fällen, allerdings würden diese nicht statistisch erfasst.

„Wir hatten 2010 etwa zehn Mitarbeiter, die dem Druck nicht mehr standhielten. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Deswegen sensibilisieren wir unsere Betriebsräte in Schulungen für das Thema“, sagt Stefan Ahr, Betriebsrat bei Saarstahl. Wie erkennt man, dass Mitarbeiter überlastet sind? Das sollen die Betriebsräte lernen. „Sie sind der erste Ansprechpartner. Deshalb legen wir den Fokus auf sie.“ Das Unternehmen habe erkannt, wie wichtig Prävention sei: „Unsere Mitarbeiter müssen sich ständig mit neuer Technik auseinandersetzen. Das erzeugt Druck. Das Unternehmen will vorbeugen, wir sind auf einem guten Weg.“


"Druck nimmt eher zu als ab"

Andere sind skeptisch: „Der Druck nimmt eher zu als ab, gerade in der Verwaltung, wo der Service besser werden soll, die Kosten aber sinken sollen. Die Abläufe werden ständig optimiert, was die Anforderungen ständig erhöht“, sagt Stefan  Schorr von der Gewerkschaft Verdi. Der Betriebsrat eines großen Arbeitgebers aus dem Regionalverband, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte, sagt, es werde viel über Burnout geredet, aber fast nichts getan: „Die Fälle häufen sich. Doch statt mehr Personal einzustellen und die Zielvorgaben zu senken, machen viele Führungskräfte private Probleme ihrer Mitarbeiter für deren Erschöpfung verantwortlich.“ Die Arbeitskammer (AK) hat in ihrem Betriebsbarometer kürzlich alarmierende Ergebnisse veröffentlicht. 231 Mitarbeitervertreter, die 90 000 Beschäftigte repräsentieren, nahmen an der Befragung teil. Demnach stuften 72 Prozent der Befragten den Leistungsdruck als hoch oder sehr hoch ein. Nur rund 14 Prozent der Arbeitgeber untersuchten die psychische Belastung ihrer Arbeitnehmer vollständig, 29 Prozent teilweise, der Rest gar nicht. „Das große Umdenken hat noch nicht stattgefunden. Immer weniger Personal muss immer mehr leisten“, sagt Christoph Ecker von der AK, zuständig für den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Viele Arbeitgeber würden die Leistung ihrer Mitarbeiter nach Kennzahlen beurteilen, und zwar ständig. Eine Callcenter-Mitarbeiterin zum Beispiel müsse eine bestimmte Anrufzahl erfüllen. Das sei der Boden, auf dem viele Überstunden und Überforderung gedeihten.

Kurzfristig könne eine Firma so Erfolg haben, langfristig würden Mitarbeiter verbrannt – durch deren Fehlzeiten hohe Kosten entstünden. Ecker sieht die Führungskräfte in der Pflicht: „Sie prägen die Kultur eines Unternehmens. Wo die Mitarbeiter über Überlastung klagen, klagen sie meist auch über schlechte Führung.“

Die Verantwortlichen müssten mit ihren Mitarbeitern über die Belastung am Arbeitsplatz sprechen: „Nur die Mitarbeiter selbst wissen, wie sie entlastet werden können. Sie brauchen ein Mitspracherecht beim Arbeitsschutz.“ Auch die Arbeitnehmer seien gefordert: „Sie sollten sich nicht selbst ausbeuten, sondern offen ansprechen, was sie belastet. Viele haben Angst, sich dadurch angreifbar zu machen – doch einer muss den Stein ins Rollen bringen.“

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