A8 Luxemburg Richtung Saarlouis Dreieck Saarlouis Vollsperrung in Richtung A8 Dillingen-Süd, Bauarbeiten, Dauer: 18.05.2018 18:00 Uhr bis 22.05.2018 05:00 Uhr (18.05.2018, 06:54)

A8

Priorität: Dringend

15°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
15°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Viele jugendliche Flüchtlinge tauchen ab

Das Clearinghaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Völklingen-Heidstock.

Das Clearinghaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Völklingen-Heidstock.

In der bundesweiten Debatte über den Umgang mit den Flüchtlingen geht das Schicksal von unbegleiteten Minderjährigen oft unter. Im Saarland werden, laut saarländischem Sozialministerium, derzeit 1250 Kinder und Jugendliche , die alleine aus den Kriegsgebieten geflüchtet sind, betreut. Damit sei das kleine Bundesland überproportional betroffen, müsste eigentlich nur etwa 850 aufnehmen. Bundesweit sind es rund 69 000 unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA). Um Neuankömmlinge schneller weiterzuvermitteln, hat das Vorclearinghaus „Schaumberger Hof“ in Tholey vor ein paar Wochen seine Arbeit aufgenommen. Dort wird innerhalb von sieben Tagen entschieden, ob eine Weiterleitung, etwa nach Rheinland-Pfalz, oder eine Übergabe an Verwandte erfolgen kann.

Seit eine im November erfolgte Gesetzänderung die beschleunigte Weiterleitung in andere Bundesländer vorsieht, falle immer öfter auf, dass diese Minderjährigen angeben, einen Verwandten im Saarland zu haben, bestätigte Sozialstaatssekretär Stephan Kolling ( CDU ) unserer Zeitung. Die Quote stieg von 15 Prozent auf aktuell 75 Prozent. Mit dem Ergebnis, dass die Jugendlichen über Jugendamt und Familiengericht den angeblichen Verwandten im Land zugewiesen werden. Dass diese Unterbringung bei den Verwandten nicht immer für die Kinder optimal ist, zeigt zum Beispiel ein Fall aus dem Nordsaarland. „Wir haben festgestellt, dass ein Jugendlicher dort in einer kleinen Wohnung mit drei Onkeln untergebracht war“, berichtet Kolling. Eine solche Situation sei nicht hinnehmbar. Es müsste da genau hingeschaut werden. Das Wohlergehen der Jugendlichen habe hierbei größten Vorrang.

Ob die Verwandten wirklich Angehörige oder nur angebliche Familienmitglieder sind, ist mitunter schwer zu rekonstruieren. Übernehmen dann vermeintliche Verwandte die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen, könnten diese möglicherweise in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt oder gar ausgebeutet werden.

Nicht nur der Schutz dieser Minderjährigen wird durch diese undurchsichtige Situation gefährdet. Die meisten UMA, die im Saarland leben, sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Für sie besteht keine Schulpflicht mehr. Wenn sich die Verwandten und die Jugendlichen nicht selbst um Sprachkurse oder eine Ausbildung bemühen, sei es unter solchen Vorzeichen um ihre Integration schlecht gestellt. „Mir ist angst und bange um die Zukunft dieser Jugendlichen“, sorgt sich Kolling. Die aktuelle Regelung zur Betreuung der UMA sei „ein Flickenteppich“, man brauche ein eigenes Gesetz für solche Fälle. Einen entsprechenden Vorstoß des Saarlandes gibt es bereits in Berlin. Das Bundesfamilienministerium wurde angeschrieben. „Es geht uns nicht darum, die Kinderhilfe auszuhöhlen, sondern sie um eine spezifische Regelung zu ergänzen, die der besonderen Situation minderjähriger Flüchtlinge gerecht wird“, so Kolling.

Außerdem fordert der Staatssekretär, dass bundesweit Fingerabdrücke der jugendlichen Flüchtlinge genommen werden. Die meisten von ihnen kommen ohne Ausweis nach Deutschland. Name, Alter und Herkunft zu klären sei sehr schwer.

Viele UMA seien auch von der Bildfläche verschwunden, abgetaucht. „Viele sind weitergezogen oder haben sich in anderen Bundesländern unter anderer Identität neu registriert. Bundesweit ist der Aufenthalt und die Existenz von rund 5000 UMA ungeklärt“, sagt Kolling: „Von den bislang 71 im Vorclearinghaus in Tholey einquartierten UMA sind sieben abgängig.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein