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Völklinger Weltkulturerbe: Der riesige Wasserhochbehälter wird zugänglich gemacht

Der Wasserhochbehälter der Völklinger Hütte.

Der Wasserhochbehälter der Völklinger Hütte.

Wir schaffen das? „Wir können das“, sagt der Chef des Völklinger Weltkulturerbes. Meinrad Maria Grewenig meint damit: Sein Team kann nach allen Regeln der strengen Unesco-Weltkulturerbe-Hüter ein Eisenwerk komplettsanieren.

Seit der Einrichtung des von der Unesco geforderten Besucherinformationszentrums vor zwei Jahren in der Sinteranlage scheinen alle Dissonanzen mit der Unesco verflogen. Und weil auch die Bundesregierung weiter mitzieht und bis 2020 nochmal zehn Millionen Euro bereitstellt, hat der Weltkulturerbe-Chef (61) noch eine Aufgabe vor sich, die man nicht als Sahnehäubchen seines Tuns begreifen kann, sondern als Riesen-Tortenstück. Denn endlich wird eines der charakterstärksten Gebäude des Industriedenkmals, der mehrgeschossige Wasserhochbehälter (1917/18), an die Besucherwege angeschlossen, zudem mit attraktiven Panoramablick-Ausstellungsräumen in den oberen Etagen aufgewertet.

Außerdem integriert man das Nachbargebäude, das Pumpenhaus (1910), holt Gastronomie rein und gewinnt damit nicht nur Denkmalfläche hinzu, sondern ein Vitalisierungselement. Denn diese Halle (etwa 550 Quadratmeter) hat das Zeug zum Kultort. Es ist noch historisch „möbliert“: Gasmaschinen, Fliesen, Meisterhäuschen, Generator stehen dicht an dicht, bilden Gassen und Nischen. Es ist dies eine Art Gebläsehalle in Miniatur. „Wir werden das Pumpenhaus unverändert lassen und nichts wegräumen“, sagt Grewenig. „Die Gäste sollen zwischen den alten Maschinen sitzen.“

Man ahnt schon jetzt das zukünftige packende Flair. Derweil liegt die Faszination des Wasserhochbehälters vor allem in seiner trutzigen Fassade. Der imposante, 42 Meter hoch aufragende Stahlbetonfachwerkbau bildet eine trotzige Grenzmarke zur Stadt. Sein Erdgeschoss soll als Haupteingang dienen, als Empfangs- und Verteilerportal für Besucher. Erstmals wird dadurch ein bequemer Direktzugang vom Parkplatz aus ins Gelände und in die Gebläsehalle ermöglicht. Dieser neue Anschluss ans Wegenetz erspart lästige Umwege und das Überqueren der Straße. Dadurch wird nicht nur die umstrittene „Rote (Eingangs-)Box“ vor der Gebläsehalle überflüssig, sondern auch die Absperrgitter an der Rückfront. Sprich: Das Weltkulturerbe wird final von Provisorien befreit.

Rund sieben Millionen Euro sind laut Grewenig für die Sanierung und Umnutzung des Wasserhochbehälters veranschlagt; der Rest fließe in weitere Infrastrukturmaßnahmen. Durch den viergeschossigen Wasserhochbehälter ergibt sich ein Zuwachs von etwa 2000 Quadratmetern. In den beiden oberen Etagen befindet sich aktuell noch ein Riesenbassin. Dort „lagerte“ das Saar-Wasser, das zur Kühlung im Verhüttungsprozess gebraucht wurde. Lichtbänder bieten einen Rundblick, nicht nur auf das historische Areal und die Stadt, sondern auch auf das dampfende aktive Stahlwerk. Diese Panorama-Ebenen sind als Ausstellungsräume vorgesehen. Grewenig: „Langfristig werden wir die Großprojekte aus der Gebläsehalle in die Wasserhochbehälter verlagern.“ Seit zwanzig Jahren „baggert“ Grewenigs Team bereits an dieser Lösung. Schon 1999 erwarb die Weltkulturerbe-GmbH den Hochbehälter von Saarstahl, doch die Firma behielt die Nutzungsrechte. Erst 2013 gab sie sie auf.

Weil nun 20 Millionen Euro Fördermittel vorhanden sind – zusätzlich zu den zehn Millionen Euro Bundesmittel fließen je fünf Millionen vom Land und von der EU – wird diese Bereicherungsmaßnahme möglich. Noch dieses Jahr soll ein Architektenwettbewerb oder ein Vergabeverfahren stattfinden; 2018 könnte laut Grewenig Baustart sein. Endtermin: 2020.

Grewenig: „Dann wären wir die ersten weltweit, die ein Industriedenkmal dieser Größe komplett durchsaniert haben – und das im armen Saarland. Wir können nicht nur mithalten, wir sind besser als die anderen.“

 

Zum Thema:

Bisher diente die Gebläsehalle als Kulisse für kulturhistorische Groß-Projekte („Kelten, „Inka Gold“). Die Unesco hat diese Nutzung als denkmalunverträglich gerügt: Vitrinen, Stellwände und Plakate beeinträchtigten die authentische Aura, hieß es.Deshalb soll ab 2020 der Wasserhochbehälter, der keine Maschinen-Einbauten hat, als Hauptausstellungsort genutzt werden. ce  

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