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Vor 25 Jahren wurde das Saarbrücker Schloss umgebaut

Das Saarbrücker Schloss.

Das Saarbrücker Schloss.

Wie stellt man eine „Stadtkrone“ wieder her, aus der nicht nur so mancher Zacken herausgebrochen und dafür andere nach dem gerade geläufigen Zeitgeschmack aufgesteckt worden waren? Über diese Frage wurde seit Mitte der 1970er Jahre heftig diskutiert, bis 1982 die Renovierung einschließlich Umbau des Mittelpavillons begann, der 1989 abgeschlossen war. Die Zeit hat das Saarbrücker Schloss geprägt. 1739 von Friedrich Joachim Stengel im Auftrag von Fürst Wilhelm im Stil des Barocks erbaut, wofür das vorhandene Renaissanceschloss weichen musste. 1748 fertiggestellt, 1793 im Zuge der Französischen Revolution zum Teil niedergebrannt und 1809 auf Geheiß Napoleons versteigert. 1810 begann der Reigen von Abriss, Um- und Wiederaufbau, als der Architekt Johann Adam Knipper den Nordflügel im klassizistischen Stil errichtete. 1872 fügte der Architekt Hugo Dihm für den neuen Besitzer, den Hüttenbaron Freiherr von Stumm, einen Mittelbau im damals modischen Stil der französischen Renaissance ein. Zwischen 1908 und 1920 erwarb der Landkreis Saarbrücken die gesamte Anlage um den Schlossplatz als Verwaltungssitz. Doch das arg ramponierte Schloss war längst keine Stadtkrone mehr, nicht nur seines wegen Einsturzgefahr seit 1969 gesperrten Südflügels. Erhalten, beschloss der Stadtverband.

Nur wie? Zuerst hieß es, Rekonstruktion nach Stengel. Ein vor 200 Jahren zerstörtes Schloss sollte unter hohem Kostenaufwand wiederentstehen, wofür das Kreiskulturhaus, heute VHSZentrum am Schloss, hätte weichen müssen. Doch die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Zumal es keine Originalpläne gab, nach denen man hätte bauen können. „Man sollte von dem ausgehen, was man hat“, sagt Johann Peter Lüth, damals Leiter des Bauamts des Stadtverbands und mit dem Mitte der 1970er Jahre eröffneten Planverfahren befasst, später als Landeskonservator für das Baudenkmal Saarbrücker Schloss verantwortlich. 1981 beschloss der Stadtverbandstag die Wiederherstellung der bestehenden Schlosssubstanz mit Umbau des Mittelpavillons. Dafür fanden sich die Kölner Architekten Gottfried Böhm und Nikolaus Rosiny mit den Saarbrücker Architekten Klaus Krüger und Lutz Rieger zusammen. „Es ging nicht um das Zurückgreifen auf Verlorenes, sondern um das Weiterbauen an einem Gebäude, an dem viele Generationen ihre Spuren hinterlassen haben“, beschreibt Klaus Krüger den Ansatz der Architektengemeinschaft.

Daher blieben im Untergeschoss des technischen Nebengebäudes die Quader eines mittelalterlichen Turms erhalten, ebenso wie die Stuckaturreste aus dem 19. Jahrhundert und die Gestapozelle im Keller des Nordflügels aus der Zeit des Nationalsozialismus, die mit Wandinschriften ein Zeitdokument darstellt. Man erhielt „das alte Wahre“ und gab dazu „das wahre Neue“, wie Nikolaus Rosiny seinerzeit niederschrieb. Dafür steht der gläserne Mittelpavillon. „Genial gemacht“, lobt Klaus Krüger Böhms Entwurf, denn von seiner Rückseite erinnere er an den Mittelbau nach Dihm und an der Vorderseite hat Böhm „die Konturen von Stengel aufgenommen“. So entstand ein Bürgerschloss als Stadtkrone, in der die Geschichte Saarbrückens gefasst ist, und die in die Gegenwart passt. Damit hat Saarbrücken ein Baudenkmal mit Beispielcharakter, weiß der ehemalige Landeskonservator: „Das Saarbrücker Schloss zählt als architektonische Wiedergewinnung und Weiterführung zu den wichtigsten Denkmalsicherungen, die die Bundesrepublik hat leisten können.“ Wenn das kein Grund zum Feiern ist.
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