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Wände rein, Wände raus

Der Erweiterungsbau der Modernen Galerie – bekannt als 4. Pavillon – kostet das Saarland nach gravierenden Planungsfehlern viele Millionen zusätzlich.

Der Erweiterungsbau der Modernen Galerie – bekannt als 4. Pavillon – kostet das Saarland nach gravierenden Planungsfehlern viele Millionen zusätzlich.

Ohrenbetäubend laut ist es zeitweise auf der Baustelle des Erweiterungsbaus des Saarlandmuseums. Es wird gefräst und gebohrt. An vielen Stellen sind Metallstützen eingezogen, denn dem Bauwerk geht es nun an die Eingeweide. Schließlich muss der als Foyer geplante zentrale Raum des Neubaus zum Ausstellungsraum umgebaut werden, es braucht neue Wände, macht andererseits Durchbrüche notwendig – und das verändert zwangsläufig auch die Statik.

Vor ein paar Wochen schon konnte der interessierte Passant beobachten, wie im Außengelände an der Bismarckstraße gegraben wurde, wo man die Leitungssysteme erweiterte, wie der Direktor des Saarlandmuseums, Roland Mönig, beim Gang durch die Baustelle erläutert. Erst kürzlich wurde ein zwei Mal drei Meter großes Fenster in Höhe der Karlstraße in die Wand geschnitten. Durch neue Gucklöcher im Bauzaun kann man die Arbeiten verfolgen. Doch das war erst der Anfang: Das neue Fensterband soll insgesamt sechs Meter breit werden und einen „städtebaulichen Bezug“ zum Quartier herstellen. Womöglich kann man dann den Restauratoren bei der Arbeit zusehen, denn sie werden diesen zukünftig 130 Quadratmeter großen exponierten Raum, der vom bisher größten, 6,60 Meter hohen und 25 Meter langen Ausstellungsraum wie ein Schlauch abgetrennt werden wird, beziehen. Platzverschwendung? Schließlich waren die Werkstatträume (ausgestattet mit einem großen Lichtschacht) ursprünglich im Kellergeschoss vorgesehen. Mönig weist dies vehement zurück.

Die Restauratoren bräuchten das Tageslicht. Und auch dem Umfang der Ausstellungsfläche täte dieser Umbau keinen Abbruch, denn die dort einzuziehende Wand bleibe ja bespielbar. „In der Summe werden wir nach den Umbauten mehr und auch spannendere Ausstellungsfläche haben“, betont Mönig. Die Hängefläche vergrößere sich von 300 auf rund 400 laufende Meter. Und doch wird der größte Ausstellungsraum um rund ein Drittel geschrumpft sein. Ob man es bemerkt, wenn das Museum eingerichtet ist?

Die architektonischen Eingriffe jedenfalls sind aufwändig und stellen die ursprüngliche Konzeption auf den Kopf: 2008 hieß die Aufgabenstellung des Architektenwettbewerbs, einen Kopfbau mit neuem Eingang zum Museumskomplex zu entwerfen. Die Architekten Kuehn und Malvezzi, die 2013 für die Fertigstellung des Baus (entworfen von twoo Architekten) engagiert wurden, haben den Eingang zurückverlegt an den ursprünglichen Ort im Herzen des Museumsensembles (wir berichteten). „Damit haben wir die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen dem Schönecker-Bau und dem Neubau hergestellt“, erklärt Mönig. Im alten, aber erweiterten, dann L-förmigen Eingangsbereich entsteht eine Art Drehkreuz, von dem aus die Besucher in die Pavillons geleitet werden.

Die Garderobe bleibt wie ursprünglich vorgesehen im Untergeschoss des Erweiterungsbaus, der auch die Gastronomie mit integriertem Museumsshop beherbergen wird. Nur die Wegführung ist eine komplett andere als die ursprünglich geplante – und erfordert daher die Schaffung neuer Gänge beziehungsweise Abtrennungen. Und so wird der große Eingang im Erweiterungsbau zu einem Fenster zurückgebaut, das ursprünglich sehr durchlässige Foyer mit dem Glasdach wird zu einem 22 Meter hohen Ausstellungsraum, von dem aus man alle Ebenen erreicht. In einer spiralförmigen Bewegung sollen die Besucher das neue Haus erkunden. „Es ist wie das Guggenheim mit geraden Wänden“, wagt Mönig schmunzelnd einen Vergleich mit dem berühmten runden Aufgang des New Yorker Museums.

Um die neue Besucherführung zu optimieren (und aus statischen Gründen), werden Wände an der Stirnseite des Neubaus (zum Langwiedstift hin) eingezogen und auch das zuvor vom Neubau erreichbare Café wird so abgetrennt, dass es nur noch vom Mittelbau aus zugänglich ist (und von außen), genauso wie die Treppen zur unterirdischen Garderobe, die in jedem modernen Museum Standard ist und keineswegs – wie einst vom Interimschef Meinrad Maria Grewenig behauptet – Tageslicht braucht.

Diese Verbindung zwischen Alt- und Neubau war „unmuseal gedacht“, fasst Mönig zusammen. Ein „Wasserkopf“, der die organische Einheit des Museums gestört habe. Und doch sei die Qualität der Räume im Grundsatz sehr gut, da seien die Experten sich einig.

Was wo hängen soll, dafür gibt es noch kein ausgearbeitetes Konzept. Erst müsse man Fläche frei bekommen und Engpässe beheben, dann erst kämen die Feinheiten der Hängung. Das Depot wandert vom Schönecker-Bau ins Untergeschoss des Neubaus, genauso wie Teile des Grafik-Depots und viel Haustecknik. Der Erweiterungsbau bietet dann Raum für großformatige, zeitgenössische Werke und ist prädestiniert für Installationskunst.

Mönig verteidigt noch einmal die Gesamtkosten (39 Millionen Euro). „Wir bauen sehr günstig“, sagt er und zieht einen Vergleich mit den Kosten des Sprengel Museums in Hannover heran, dessen Erweiterung um ebenfalls rund 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche rund 36 Millionen Euro gekostet hat. Zudem seien die Kosten für das ,,einmalige", die Umgebung bis hin zur Musikhochschule mit der Museumsfassade verzahnende Kunstwerk von Michael Riedel schon drin. „Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, in der Großregion, aber auch international.“ Ab heute werden dafür 26 Bäume entlang der Bismarckstraße gefällt. Zwölf Bäume werden später neu gepflanzt.

Heute Abend wird in der Modernen Galerie die Schau „Im neuen Haus die neue Kunst“ zum 40. Jubiläum des Schönecker Baus eröffnet (19 Uhr).
 

Park-Stress und Ausnahmezustand rund um die Musikhochschule

Studenten und Dozenten warnen vor einem Attraktivitätsverlust der Musikhochschule, wenn ab April 80 Parkplätze wegfallen. Rektor Wolfgang Mayer setzt auf verbesserte Nahverkehrsverbindungen.

Bequemlichkeit versus Schönheit? Dieses Konfliktfeld spannte sich bereits im September 2014 auf. Als die Architekturpläne für den Museums-Erweiterungsbau präsentiert wurden, war der Wegfall von Parkraum rund um die Hochschule für Musik Saar (HfM) mitbeschlossene Sache. Denn die Gelände der beiden Nachbar-Institutionen sollen zu einem parkähnlichen Campus-Areal verschmelzen – eine Aufwertung, das ist unstrittig.

Doch wer Campus sage, müsse auch für Parkplätze sorgen. So sehen das Lehrbeauftragte und Studenten der HfM und kritisieren ein von Autos leer gefegtes Umfeld. „Die Bedürfnisse der Musikhochschule sind bei den Planungen übergangen worden“, sagte der Asta-Vorsitzende Jakob Scherzinger gestern bei einem Pressetermin in der Hochschule. Dozenten-Sprecherin Jutta Ernst nannte den Verlust der 80 Parkplätze „eine mittlere Katastophe“. Man fürchte, dass Dozenten „das Handtuch werfen“, weil der Unterricht unlukrativ werde, wenn überteuerte Parkgebühren in der Theater-Tiefgarage oder Dauer-Stellplätze zu bezahlen seien. Auch für Konzertbesucher und Studenten wiege eine gute Erreichbarkeit schwerer als ein architektonisches Top-Umfeld, so Ernst.

Von „einschneidenden“, aber verkraftbaren Veränderungen sprach hingegen HfM-Rektor Wolfgang Mayer. Er nannte erste Problemlösungsansätze. Zum einen erhielten Studenten und Dozenten die Möglichkeit, das HTW-Hochhaus an der Autobahn zu nutzen (und dann mit dem Bus zur HfM zu kommen), auch könnten Konzertbesucher zwischen 18 und 24 Uhr das Theaterticket für 5,50 Euro in der SST-Tiefgarage nutzen. Zudem sei man auf der Suche nach einem Park&Ride Gelände und führe zusammen mit dem Wirtschafts- und Kultusministerium Gespräche mit dem Saarländischen Verkehrsverbund, um eine bessere Bustaktung und Nahverkehrsanbindung für die Musikhochschule zu schaffen. Langzeit-Projekte, doch der Parkplatz-Verlust wird schon ab 1. April zur unbequemen Tatsache. Von da an präsentiert sich die Musikhochschule, ähnlich wie die Moderne Galerie, als abgeriegelter Baustellenbezirk samt Absperrungen und einem neuen Zugang. Laut Rektor Mayer mindestens zwölf Monate lang.  

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