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Wärme, Strom und Dünger: Das wird aus unseren Essensresten

Was bei Restaurants oder im Handel an Lebensmitteln abfällt oder übrig bleibt, muss von Spezialunternehmen entsorgt werden. Rund 25 000 Tonnen jährlich sind das allein im Saarland. In einer Biogasanlage wird daraus Wärme, Strom und Dünger.

Was bei Restaurants oder im Handel an Lebensmitteln abfällt oder übrig bleibt, muss von Spezialunternehmen entsorgt werden. Rund 25 000 Tonnen jährlich sind das allein im Saarland. In einer Biogasanlage wird daraus Wärme, Strom und Dünger.

Saarbrücken. Ein kurzer Blick in die Tonnen verrät Joel Darde, dass das Essen in der Sulzbacher Klinik am Wochenende sehr abwechslungsreich gewesen sein muss. Da kringeln sich Spaghetti zwischen allerlei buntem Gemüse, auch Suppe hat es offenbar gegeben und Würstchen. So gut es den Patienten auch geschmeckt haben mag: In Großküchen, gleich ob sie Krankenhäuser, Firmenkantinen, Schulen oder Mensen bedienen, bleibt immer etwas übrig. Um die Reste kümmern sich Joel Darde und seine Kollegen von der Saarbrücker Firma Buchwald. Das Unternehmen hat sich auf die Entsorgung von gewerblichen Küchen- und Speiseabfällen spezialisiert.

Lebensmittelabfälle müssen getrennt vom übrigen Müll in eigene Tonnen

Denn Gastronomen, Lebensmittelhändler oder -hersteller dürfen, was bei ihnen abfällt, nicht einfach in die übliche Restmüll- oder Biotonne stopfen. Vielmehr müssen sie gemäß einer EU-Verordnung ihre Lebensmittelabfälle – „überlagerte“ Lebensmittel, Speisereste oder industrielle Produktionsabfälle – getrennt vom übrigen Müll in eigenen Tonnen sammeln und von registrierten Unternehmen abholen lassen. Davon wiederum getrennt wird das Fett gesammelt und verwertet. 15 Kunden hat Joel Darde auf seiner täglichen Route. Die führt durchs ganze Saarland.

Gär-Geruch stört ihn wenig, nur Maden findet er eklig

Aus einem Kühlraum neben dem Küchentrakt zieht Darde über ein Dutzend voller 120-Liter-Tonnen hervor und tauscht sie gegen leere aus, die er gereinigt und desinfiziert mitgebracht hat. Wenn Darde meist kurz in jede volle Tonne hineinblickt, hat das nichts mit Neugier zu tun. „Ich muss prüfen, ob da nicht Verpackungen oder sonst irgendwelche Fremdkörper zwischen die Speisereste geraten sind, die bei der Weiterbearbeitung stören“, erklärt der gebürtige Franzose. An den nicht gerade appetitlichen Anblick des Speisebreis hat er sich längst gewöhnt, auch der säuerliche Gär-Geruch stört ihn wenig. „Spätestens nach einer Stunde riechen Sie den gar nicht mehr“, sagt Darde. Nur Maden findet er eklig. Zu Hunderten krabbeln sie bei einem der nächsten Kunden, einem Saarbrücker Gastronomen, aus der Tonne. Denn der hat sie in seinem Hinterhof in der Sonne stehen. „Kühlräume oder Boxen sind vielen zu teuer“, weiß Darde. Beim nächsten Restaurant zieht er eine Plastikfolie aus der Tonne. Sie ist fast nur mit Kartoffelschalen befüllt, obwohl die Speisekarte mehr zu bieten hat als Pommes. Jeder Gastronom sei zwar gesetzlich verpflichtet, Küchen- und Speiseabfälle entsorgen zu lassen, ansonsten drohe Bußgeld. Aber das werde nicht ausreichend kontrolliert, sagt Firmenchef Lothar Buchwald.

25 000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr  im Saarland

Die Speise-Entsorgung ist ein wachsender Markt. Weil die Menschen zunehmend außer Haus essen und auf Fertigprodukte zurückgreifen, erklärt Buchwald. Rund 25 000 Tonnen Lebensmittelabfälle fallen pro Jahr im Saarland an. 30 Prozent dieser Abfälle fährt Buchwalds Unternehmen ab. Und wohin? „Die Leute denken oft, wir verfüttern es an Schweine in Mastbetrieben“, sagt Buchwald. Aber das sei aufgrund einer EU-Verordnung, die seit 2006 auch in Deutschland gilt, nicht mehr erlaubt. Mit dem Verfütterungsverbot will die EU das Risiko der Verbreitung der Maul-und Klauenseuche vermindern. Deshalb werden die Speiseabfälle heute in eine Biogasanlage gebracht, wo sie in Wärme, Strom und Dünger verwandelt werden. Im Saarland gibt es keine Biogasanlage für Speiseabfälle, dafür eine nur 20 Kilometer von Nohfelden entfernt in Rheinland-Pfalz. „Vorher müssen wir die Abfälle aber noch in unsere Zwischenbehandlungsanlage bringen, um sie zu verflüssigen“, sagt Lothar Buchwald, der für seinen expandierenden Betrieb Fahrer sucht. Die Anlage, ein rund 200 Quadratmeter großes Gebäude liegt inmitten von Weiden zwischen Nohfelden und Wolfersheim.

Darde setzt seinen 7,5 Tonner vorsichtig rückwärts in das Gebäude und lässt die Heckklappe herab. Dann zerrt er jede Tonne einzeln an den Rand und lässt den Inhalt in ein im Boden eingelassenes „Abkippbecken“ rieseln. Betriebsleiter Sascha Peter hält derweil Ausschau nach „Fremdkörpern“: Fast immer findet er in der Speise-Pampe Besteck, das er kiloweise zum Schrotthändler trägt. „Wir haben hier aber auch schon einen abgerissenen Schafskopf rausgefischt und Bauschutt“, seufzt Peter. Dann senkt er einen dicken Wasserschlauch in das Becken und stellt den „Quirl“ an. Die Speisereste müssen zu einem sämigen Brei werden. Den leitet Peter später durch ein Druckfass in zwei große Sillagen. Joel Darde spritzt währenddessen die Tonnen und seinen Lkw mit Essigsäure aus, dann hat er für heute Feierabend. Sascha Peter wird noch die Plastik-Container mit Thunfisch-Resten eines Pizzazulieferers abkippen. Unter dem Schraubverschluss stinkt es gewaltig. „Eigentlich mochte ich immer Fisch, jetzt hasse ich ihn“, stöhnt der Betriebsleiter

Auf einen Blick


Das jährliche Aufkommen an gewerblichen Speiseabfällen liegt deutschlandweit bei zwei Millionen Tonnen. Im Saarland fallen nach Schätzungen des Bundesverbands der Nahrungs- und Speiseresteverwertung etwa 25 000 Tonnen an. Fachleute gehen von einem durchschnittlichen Einkaufswert pro Kilogramm Lebensmittel von zwei bis drei Euro aus. Danach werden im Saarland jährlich Lebensmittel im Wert von 50 bis 75 Millionen Euro zu Abfall. Aus einer Tonne Speiseabfällen lassen sich 3000 Kubikmeter Biogas erzeugen, daraus wiederum 400 Kilowatt Strom und 500 Kilowatt Wärmeenergie. Mit dem saarländischen Aufkommen lassen sich so 3500 Haushalte mit Strom und bis zu 350 Haushalte mit Wärme versorgen. sbu

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