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Warum ein Weltstar aus New York Saarbrücker Teenagern fünf Wochen lang das Tanzen beibringt

. „Bevor man miteinander tanzt, muss man sich erst einmal begrüßen“, erklärt Pierre Dulaine. Doch wie die Jungs an den Mädchen vorbeihuschen, das gefällt dem vierfachen Standard-Tanzweltmeister noch gar nicht. „Ihr müsst ordentlich die Hand geben, nicht wie ein toter Fisch, und dem anderen dabei in die Augen gucken“, befiehlt der 71-Jährige und lässt die giggelnde und tuschelnde Rasselbande gleich nochmal antreten. Dulaine ist eigens aus New York angereist, um Saarbrücker Teenagern, deren Eltern aus vielen Herkunftsländern stammen, Paartanz beizubringen. Fünf Wochen lang wird der Altmeister, der mit seinen Dancing Classrooms schon 500 000 Menschen in aller Welt unterrichtet hat, Siebt- und Achtklässlern dreier Saarbrücker Gemeinschaftsschulen zeigen, wie man's macht.

Eingeladen hat ihn die Talat-Alaiyan-Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit solchen Projekten „Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Vorgeschichte einander näherzubringen, um dadurch Feindbilder und Vorurteile abzubauen und Verständnis und Respekt aufzubauen“. Es ist nicht das erste Schüler-Tanzprojekt, das Stiftungsgründerin und -vorsitzende Halima Alaiyan mit Dulaine auf die Beine stellt. „Im vorigen Jahr hat Herr Dulaine für uns mit Schülern in Berlin getanzt“, erzählt die aus Palästina stammende Ärztin, die lange in Saarbrücken lebte, bevor sie in die Hauptstadt zog. Das Projekt habe wunderbar funktioniert. Jetzt sucht sie noch Sponsoren, um das Projekt in Saarbrücken zu finanzieren.

Um seine Aufgabe ist Dulaine, der fast jeden Nachmittag mit den 12- bis 14-Jährigen in der Saarbrücker Tanzsporthalle des Vereins Saar 05 übt, nicht zu beneiden. Immer wieder muss der ältere Herr die unruhigen Geister um Ruhe und Aufmerksamkeit bitten. Nach fast einer Stunde ist es dann doch geschafft, die Paare wiegen und drehen sich zu Merengue im Kreis und können sogar schon erste Figuren.

„Dreizehn, vierzehn ist ja auch ein besonders schwieriges Alter. Als Mädchen mit einem Jungen zu tanzen, ist nicht einfach, und wenn sie dann wie hier noch aus verschiedenen Schulklassen kommen . . .“, erklärt Dulaine. „Weil die ganze Welt internetverrückt ist, simsen sie miteinander und stehen dem anderen weniger von Angesicht zu Angesicht gegenüber“, sagt er auf die Frage, warum es den jungen Menschen von heute so schwer fällt, sich auf eine Sache und ein Gegenüber zu konzentrieren. Und deshalb sei Gesellschaftstanz für die Jugend sehr sinnvoll und hilfreich, erklärt der Altmeister, dessen Leben und Wirken mit Antonio Banderas in der Hauptrolle verfilmt wurde. „Sie lernen dabei Fähigkeiten fürs Leben: mit einem Partner zu arbeiten, sich mit ihm zu einigen, gleichzeitig das Gleiche zu tun, Teamwork also und Musikalität“, erläutert Dulaine.

Nicht nur Kimberley, einem Mädchen afrikanischer Herkunft, und dem Kurden Vedat gefällt es gut. Auch Noreldin, dessen Mutter aus Algerien und dessen Vater aus dem Libanon stammt, ist begeistert. Er habe den Film mit Banderas gesehen und sich daraufhin mit zwei Cousins angemeldet, erzählt er. Noreldin findet es schade, dass sich manche Kinder „nicht benehmen können“. Merengue , Tango , Swing und etwas Fox-Trott werden die Teilnehmer am Ende können, verspricht Dulaine. Am 4. März, bei der großen Abschlussvorstellung ab 19 Uhr im Tanzsportsaal von Saar 05, stellen sie ihre neu erworbenen Fähigkeiten dann ihren Familien, Lehrern und der Öffentlichkeit vor.

talat-alaiyan.de

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