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„Weltraum-Atelier“ Nohfelden: Wie riecht ein Meteorit?

Der gehörlose Pantomime Jomi hat die Videoguides in Gebärdensprache gestaltet. Foto: Voltmer

Der gehörlose Pantomime Jomi hat die Videoguides in Gebärdensprache gestaltet. Foto: Voltmer

Wie riecht ein Meteorit? Im Nohfelder „Weltraum-Atelier“ kann man seine Nase an das Gestein aus dem All halten – und erschnüffelt das Aroma von Schießpulver. Seit 2012 zeigt der Sternenfotograf und Filmemacher Sebastian Voltmer (34, „Desna – Die Musik rettete mein Leben“) in einer Bauernhaus-Scheune Ausstellungsstücke zum Thema Astronomie und Raumfahrt. Großformatige Himmelsaufnahmen von Voltmer sind zu sehen, Filmsequenzen mit Astronauten-Interviews und auch ein originalgetreuer Nachbau der „Apollo 13“-Raumkapsel, in der man Platz nehmen und imaginär das All bereisen kann. Zudem stehen draußen vor der Tür Teleskope bereit, mit denen man den nächtlichen Himmel betrachten kann, passendes Wetter vorausgesetzt.

„Das Universum begreifbar machen“ will Sternen-Fan Voltmer und das für jeden – „gerade auch für Menschen mit Sinnesbehinderung“. Das ist nur manchmal leicht zu verwirklichen: Um etwa die riesigen Entfernungen im All buchstäblich begreifen zu können, gibt es spezielle Planetenmodelle an Seilen (über 40 Meter lang), die mit dem Tastsinn ergründet werden, was auch blinden Menschen den Zugang zum Thema leichter macht. Voltmer will da aber weitergehen, nicht zuletzt angestoßen von einer Studie seiner Lebensgefährtin Arabella Strassner. Die 27-Jährige hat 2014 als Master-Arbeit über den barrierefreien Zugang zu Kulturangeboten geforscht. „Barrierefreiheit meint da nicht nur den Zugang für Rollstühle“, sagt Strassner, sondern insgesamt für Menschen mit Einschränkungen und Sinnesbehinderung. Und für die gibt es, so ihr Fazit, hierzulande nicht viel. Der Einsatz eines Gebärdendolmetschers, etwa im Ballett des Saarbrücker Staatstheaters, sei „leider eine Rarität, das findet man sonst in der ganzen Großregion nicht“.

Das „Weltraum-Atelier“ haben Voltmer und Strassner mittlerweile, finanziell vom Sozialministerium unterstützt, mit Videoguides ausgestattet, „unseres Wissens ein Novum im Saarland“, sagt Voltmer mit Stolz: Vier Prototypen in Gebärdensprache wurden in der Scheune erstmals im Dezember eingesetzt. Umgesetzt hat sie der gehörlose Pantomime Jomi, über den Voltmer derzeit eine Dokumentation dreht: „Lautlos, aber nicht sprachlos“.

Doch Voltmer und Strassner sehen das Atelier erst am Anfang – „eine Erlebniswelt für alle“ soll es am Ende sein: mit 3D-Modellen und Bildreliefs, Audioguides für Blinde und Videoguides für Gehörlose, deren „Muttersprache“ weniger der gedruckte Text denn Gebärden sind, sagt Voltmer. „Filigrane Galaxienmodelle soll es geben, Kugelsternhaufen und Planeten-Reliefs“ – dafür braucht das Atelier unter anderem 3D-Drucker und hat deshalb eine Geldsammlung im Internet („Crowdfunding“) gestartet. 3500 Euro sind das Mindestziel – damit ließe sich die Scheune zum barrierefreien Erlebnisraum machen, sagt Voltmer. Käme man auf 9500 Euro, könnte man die gesamte Ausstellung dann auch auf Städtetour schicken. „Allein der Transport der Raumkapsel kostet schon 1500 Euro.“ Voltmer und Strassner sehen ihre Idee durchaus als Anstoß für andere – „wenn unser Pilotprojekt gelingt, könnte das ja auch durchaus interessant etwa für Museen sein“, sagt Voltmer. Die Hälfte der 3500 Euro sind gerade erreicht, die Kampagne läuft noch bis zum 16. April.

Informationen über die Crowdfunding-Kampagne und auch die Gegenleistungen für ihre Unterstützer: www.startnext.com/barrierefrei und www.apollo-13.eu

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