A8 Saarlouis Richtung Luxemburg AS Merzig-Schwemlingen Anschlussstelle gesperrt, Fahrbahnerneuerung, Dauer: 24.04.2018 09:00 Uhr bis 30.05.2018 16:00 Uhr (24.04.2018, 06:36)

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Wurde an Saarlands Straßen aus Geldgier zuviel gerodet?

Wurde da zu viel abgeholzt? Haben sich Unternehmen bereichert durch übermäßigen Gehölzrückschnitt und Baumrodungen entlang von Autobahnen, Bundes- und Landstraßen im Saarland? Oder hat der zuständige Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) gar überschüssiges Geld aus seinem Etat „verheizen“ wollen, wie Grünen-Landeschef Hubert Ulrich mutmaßt? Seit der weithin sichtbare Gehölzrückschnitt an Straßenrändern in Politik und Öffentlichkeit diskutiert wird (wir berichteten), schießen wilde Spekulationen ins Kraut. Der LfS räumt ein, dass der „diesjährige Gehölzrückschnitt gegenüber der Vergangenheit ein erheblich größeres Volumen“ gehabt habe, wie Sprecher Klaus Kosok der SZ mitteilte. Grund dafür sei der ungewöhnlich milde und schneelose Winter gewesen, der die Arbeiten in diesem Umfang überhaupt erst zugelassen habe.

Entsprechend haben Gehölzrückschnitt und Rodungen, die aus Naturschutzgründen nur zwischen Oktober und Februar erfolgen dürfen, in diesem Jahr rund 3,5 Millionen Euro gekostet. In den Vorjahren waren es jeweils rund zwei Millionen Euro. Mit Hilfe der Arbeiten soll die Verkehrssicherheit auf den Straßen gewährleistet werden. Verletzt der LfS seine Verkehrssicherungspflicht, kann dies empfindliche Strafen nach sich ziehen. Rückschnitt und Rodungen sollen unter anderem das rechtzeitige Erkennen von Verkehrsschildern ermöglichen und Wind- oder Schneebruch von Bäumen verhindern. Nur etwa zehn Prozent der Arbeiten hat der LfS selbst durchgeführt, mit dem Großteil von Rückschnitt und Rodungen seien vier Fremdfirmen nach einer öffentlichen Ausschreibung beauftragt worden, so LfS-Sprecher Kosok.

Die Firmen seien verpflichtet gewesen, das anfallende Schnittholz selbst zu entsorgen – konnten es aber auch verkaufen. Nicht nur Grünen- Landeschef Ulrich vermutet deshalb, dass „mehr abgeholzt wurde als nötig, weil die Firmen so auf ihre Kosten kommen wollten“. Der LfS widerspricht diesem Verdacht: „Wir haben die Arbeiten überwacht. An keiner Stelle wurde zu viel zurückgeschnitten oder gerodet“, sagt Kosok. Zudem seien die Arbeiten nicht nur in Absprache mit dem Saarforst-Landesbetrieb und dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) geplant und umgesetzt worden. Auch habe das LUA das Ergebnis der Arbeiten entlang der betroffenen Straßen ebenso wie der LfS „in Art und Umfang für angemessen befunden“, so Kosok. Eine Bestätigung dieser Angaben durch das LUA stand gestern noch aus.

Zweifel an Umfang und Notwendigkeit der Maßnahmen äußern nicht nur Grüne und auch Linke im Landtag, sondern ebenso der Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu). „Da wurden stellenweise fast kilometerlange Abschnitte gerodet. Mit Verkehrssicherheit lässt sich das nicht mehr begründen“, sagt Rudi Reiter vom Nabu Saar. Auch nach Einschätzung des privaten Garten- und Landschaftsbauers Uwe Pitz aus Bedersdorf ist das Ausmaß der Rodungen vielerorts „nicht nachvollziehbar“. Zudem sei häufig deutlich zu erkennen, dass die Aufastung (Entfernen von Ästen im Stammbereich) „nicht fachgerecht durchgeführt wurde“. Langfristig laufe ein Baum dadurch Gefahr zu faulen, erklärt Pitz. Die Grünen, denen eine Aktuelle Stunde zu dem Thema in der letzten Plenarsitzung im Landtag verwehrt wurde, wollen nun einen unabhängigen Gutachter einschalten. An die Landesregierung haben sie zudem eine Anfrage gestellt, weshalb der teilweise zu Hackschnitzeln verarbeitete Grünschnitt von den Straßenrändern nicht energetisch genutzt wird.
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