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Gericht: Liegestütze auf Altar kein Mittel der Kunstfreiheit

Alexander Karle machte für sein Projekt Liegestütze auf dem Altar der Kirchengemeinde St. Johann. Foto: Video Pressure to Perform/Alexander Karle/dpa

Alexander Karle machte für sein Projekt Liegestütze auf dem Altar der Kirchengemeinde St. Johann. Foto: Video Pressure to Perform/Alexander Karle/dpa

Verurteilt wegen Hausfriedensbruchs und Störung der Religionsausübung
Wegen Hausfriedensbruchs und Störung der Religionsausübung hat das Saarländische Oberlandesgericht am Dienstag den Künstler Alexander Karle verurteilt. Der 40-Jährige hatte 26 Liegestütze auf dem Altar der katholischen Kirche St. Johann in Saarbrücken gemacht, sich dabei gefilmt und den Film mit dem Titel „Pressure to Perform“ anschließend in Schaufenstern in Endlosschleife gezeigt.

Revision als unbegründet verworfen
In dem Revisionsverfahren änderte das Oberlandesgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein milderes Urteil des Landgerichts ab, das den Angeklagten im Juli 2017 lediglich wegen Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen und seine Aktion als Mittel der Kunstfreiheit gewertet hatte. „Die Kunstfreiheit ist zwar vorbehaltlos, aber nicht schrankenlos gewährleistet“, betonte die Vorsitzende Richterin Margot Burmeister in ihrer Begründung. Die Revision des Angeklagten, dessen Verteidiger einen Freispruch gefordert hatte, weil die Kunstfreiheit als stärkeres Recht zu sehen sei, wurde als unbegründet verworfen.

Störung der Religionsausübung und „beschimpfenden Unfug“
Entgegen der Auffassung des Landgerichts handelte es sich bei der Aktion nach Meinung des OLG um eine Störung der Religionsausübung und „beschimpfenden Unfug“ - unabhängig davon, dass zu dieser Zeit kein Gottesdienst stattgefunden habe. Der Angeklagte habe ein „grob ungehöriges Verhalten“ gezeigt, das die Missachtung der Heiligkeit dieses Ortes „in besonders gravierender Weise“ zum Ausdruck gebracht habe, so Burmeister. Ungeachtet seiner zurückhaltenden Vorgehensweise habe er den Altar in einer mit christlichen Wertvorstellungen nicht zu vereinbarenden Weise für die Herstellung seiner Kunst zweckentfremdet - und damit in den Kern, das Recht auf Religionsausübung, eingegriffen. Der Schuldspruch des OLG ist rechtskräftig. Über die Höhe des Strafmaßes entscheidet nun das Landgericht.

Von dem Urteil „sehr überrascht“ und darüber „entsetzt“
Karle sagte, er sei von dem Urteil „sehr überrascht“ und darüber „entsetzt“. Vor Gericht hatte er betont, dass er mit seiner Arbeit „niemals provozieren“ wollte. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, einen ästhetischen Moment zu schaffen, der zu neuen Gedanken führe und zum Diskurs aufrufe. „Ich habe in Liebe gehandelt und im Glauben Gottes“, sagte er in seinem Schlusswort.

Provokation und Verunglimpfung
In der katholischen Kirchengemeinde St. Johann war die Aktion aus dem Januar 2016 nach Auskunft von Pfarrer Eugen Vogt als Provokation und Verunglimpfung angesehen worden. „Auch der christliche Glaube darf erfahren, dass respektvoll mit ihm umgegangen wird“, hatte Vogt bei einer früheren Gerichtsverhandlung gesagt.

"Mehrwert für die Gesellschaft"
„Selbst, wenn sich leider einige Menschen durch die Arbeit in ihren Gefühlen verletzt sehen“, sagte Karle der Deutschen Presse-Agentur, habe „Pressure to Perform“ einen Mehrwert für die Gesellschaft und zu einem sehr breiten Diskurs geführt, „wie nie ein Kunstwerk in der Großregion zuvor“.

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