A620 Saarbrücken - Saarlouis zwischen Völklingen und Völklingen-Wehrden in beiden Richtungen Überholstreifen gesperrt, bis 23.06.2018 18:00 Uhr (22.06.2018, 18:36)

A620

Priorität: Normal

12°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
12°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Mutmaßliche Brandstifterin will vor Gericht schweigen

Die Richterbank eines Saals im Landgericht. Foto: Oliver Dietze/Archiv

Die Richterbank eines Saals im Landgericht. Foto: Oliver Dietze/Archiv

 38-Jährige schluchzt  vor sich hin
An der Stelle, als er schildert, wie vier Männer am 3. Dezember in dem brennenden Wohn- und Geschäftshaus in der Saarbrücker Innenstadt an Rauchgasen erstickten, schluchzt die 38-Jährige vor sich hin. Sie selbst soll es gewesen sein, die das tödliche Feuer entzündete, als sie nach Alkohol- und Drogenkonsum ein Kissen in ihrem Zimmer in Brand steckte. Danach soll sie das sechsstöckige Gebäude, in dem sich überwiegend Sozialwohnungen befanden, verlassen haben. Weil sie die Tür offenließ, erhielt das von ihr gelegte Feuer einen ausreichenden Luftzug, so dass sich die Rauchgase schnell durch das Treppenhaus ausbreiteten.

Vier Bewohner starben an Rauchgasvergiftungen
24 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt im Haus. Vier Bewohner im Alter von 29, 46, 69 und 70 Jahren schafften es nicht mehr ins Freie und starben an Rauchgasvergiftungen im Flur oder ihren Apartments. Später soll die mutmaßliche Brandstifterin noch einmal zum Brandort gekommen sein und mehrfach erklärt haben, dass sie in ihrer Wohnung ein Kopfkissen mit Feuerzeugbenzin angezündet habe.

„Mit einer Einlassung ist nicht zu rechnen"
Aber äußern will sich Melanie D. im Prozess nicht: „Mit einer Einlassung ist nicht zu rechnen. Weder zu ihrer Person, noch zur Sache“, sagt einer ihrer Pflichtverteidiger, als der Richter wissen will, ob die Angeklagte bei der nächsten Sitzung aussagen werde. Weil an diesem Morgen keine psychiatrischen Sachverständigen dabei sind, wäre eine Einlassung ohnehin erst am kommenden Dienstag (5. Juni) vorgesehen. Doch Christian Kessler hat seiner Mandantin geraten, zu schweigen - und auch, ein psychiatrisches Gutachten abzulehnen.

Einweisung  in Psychiatrie verhindern
Er setzt darauf, dass im Zweifel für die Angeklagte entschieden wird und will verhindern, dass seine Mandantin in die Psychiatrie eingewiesen wird. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, was die Anklage ebenfalls prüfen lassen möchte, hält er hingegen für „durchaus geboten“. Für die Psychiatrie seien seiner Ansicht nach jedoch die Voraussetzungen nicht gegeben. „Wenn meine Mandantin keine Drogen nimmt und keinen Alkohol trinkt, ist sie vollkommen gesund“, sagt er nach dem Prozessauftakt vor Journalisten. Davon gehe auch das vorläufige schriftliche Sachverständigengutachten aus.

Deutsche Staatsbürgerin, ledig und ohne Berufsausbildung
Laut Anklageschrift hat Melanie D., deutsche Staatsbürgerin, ledig und ohne Berufsausbildung, den Hang, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen. Es bestehe die Gefahr, dass sie in dieser Folge erhebliche rechtswidrige Taten begehe und für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Suizid vorbereitet?
Der Verteidiger ist nach Aktenlage zu der Einschätzung gekommen, dass die damals 37-Jährige einen Suizid vorbereitet habe, als sie das Haus verließ. „Sie wollte nichts hinterlassen und deshalb die letzte Habe anzünden.“ Niemand unterstelle ihr, gewollt oder billigend in Kauf genommen zu haben, andere Menschen zu töten. „Ihr wird lediglich eine schwere Form der Fahrlässigkeit, die Leichtfertigkeit, vorgeworfen.“ Ein wesentlicher Aspekt des Prozesses sei es, zu klären, ob ihr dies tatsächlich vorzuwerfen sei und ob sie vollständig schuldfähig sei.

Sechs weitere Verhandlungstage angesetzt
Das Gesetz sieht als Höchstmaß für Brandstiftung mit Todesfolge die lebenslängliche Freiheitsstrafe vor. Bis zum 19. Juli sind noch sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Dann wird die Angeklagte vermutlich auf weitere Nebenkläger treffen. Eine Mutter und eine Schwester des jüngsten Opfers saßen am Mittwoch bereits im Gerichtssaal. Die Verhandlung verfolgten sie nahezu regungslos.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein