Erste Zeugen äußern sich in Polizistenmord-Prozess

Was geschah am Tatort nach dem Gewalttod einer Polizistin und ihres Kollegen bei einer Verkehrskontrolle? Das will das Gericht von Zeug:innen wissen. Die Schilderungen sind drastisch und hochemotional.
Hier zu sehen: der Hauptangeklagte im Prozess. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach
Hier zu sehen: der Hauptangeklagte im Prozess. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach

Mit Todesangst in der Stimme bittet der Polizeikommissar mit seinen letzten Worten um Hilfe. „Die schießen, die schießen“, ruft der 29-Jährige fast panisch in das Funkgerät, wenig später ist ein Schuss zu hören. Dann beklemmende Stille.

Kusel-Morde: Beginn der Beweisaufnahme

Der nächtliche Notruf ist am heutigen Montag (27. Juni 2022) im Gerichtssaal in Kaiserslautern immer wieder zu hören. Es ist der Beginn der Beweisaufnahme im Mordprozess um den Tod des Polizeikommissars und einer 24 Jahre alten Polizeianwärterin Ende Januar nahe Kusel. Als erste Zeug:innen sind Einsatzkräfte und Rettungssanitäter:innen geladen, die kurz nach dem Verbrechen am Tatort waren. Ihre Schilderungen sind drastisch.

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„Das Blut lief die Straße hinunter“, schildert ein 27 Jahre alter Kollege der beiden erschossenen Polizeikräfte spürbar erschüttert. Die junge Polizeianwärterin habe tot im Licht der Autoscheinwerfer auf der Kreisstraße 22 gelegen, mit schwersten Verletzungen nach einem Kopfschuss. Ihr Kollege lag in einer Wiese, auch er tödlich am Kopf getroffen. „Eine Patronenhülse lag in der Blutspur, später setzte Schneeregen ein“, sagt der Polizist. Eigentlich hätte er an diesem Tag Dienst gehabt beim G7-Gipfel in Bayern. Stattdessen muss er wie andere Einsatzkräfte Auskunft geben über den Tod von Kolleg:innen geben.

Das sind die Vorwürfe

Der mutmaßliche Schütze sitzt wenige Meter entfernt und macht sich Notizen. Gelegentlich spricht der 39-Jährige mit seinem Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die beiden Polizeikräfte bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle mit Gewehrschüssen getötet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Die Gewalttat sorgte für Entsetzen. Einem 33 Jahre alten Komplizen wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll beim Spurenverwischen geholfen haben.

Mehrere Personen verweigern Aussage

Insgesamt sind am Montag 13 Zeug:innen geladen, darunter die Ehefrau und die Schwiegermutter des Hauptangeklagten. Sie verweigern die Aussage, und auch die Verlobte des Komplizen sagt nicht aus.

Nächster Zeuge ist ein 30 Jahre alter Polizist aus Kusel. Er spricht von einer nächtlichen „Irrfahrt“ der Einsatzfahrzeuge nach dem verzweifelten Hilferuf des Polizeikommissars, weil man den Tatort erst nicht fand. Ob er sich die Leiche seines Kollegen angeschaut habe? „Nein“, sagt er mit tonloser Stimme, „das wollte ich aus persönlichen Gründen nicht.“ Der Getötete sei sein Freund gewesen.

Beschuldigter lässt Mordvorwürfe zurückweisen

Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Hauptangeklagte von seinem Verteidiger eine Erklärung verlesen lassen. Darin wies er die Mordvorwürfe zurück und gab seinem Komplizen die Schuld am Tod der Polizistin. Für sich selbst schilderte er eine Art Notwehrlage, aus der heraus er auf den Polizisten geschossen habe. Der Verteidiger des 33-Jährigen hatte die Erklärung als unzutreffend zurückgewiesen.

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Bisher sind in dem Prozess vom Landgericht Termine bis zum 9. September vorgesehen.

Unterbringung in Sicherheitsverwahrung möglich

Wenige Stunden nach Entdecken der toten Polizeikräfte waren die beiden Verdächtigen im Saarland festgenommen worden. Der Mordvorwurf gegen den 33-Jährigen war später fallengelassen worden, er befindet sich nicht in Untersuchungshaft. Bei dem 39 Jahre alten Hauptverdächtigen kommt nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Falle einer Verurteilung auch die Unterbringung in Sicherheitsverwahrung in Betracht.

Der Prozess soll am Dienstag, um 09.00 Uhr, fortgesetzt werden.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– eigene Berichte