Polizei: Amokfahrer von Trier wartete mit „genugtuendem Grinsen“ auf Festnahme

Bei seiner Festnahme soll der mutmaßliche Amokfahrer von Trier ungewöhnlich ruhig gewesen sein. Ein Polizist spricht von einem „genugtuenden Grinsen“.

Die Anklage wirft dem Mann fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Foto: dpa-Bildfunk/Harald Tittel

Nach der Amokfahrt mit fünf Toten in Trier hat der mutmaßliche Täter mehreren Polizisten zufolge ruhig und gelassen hinter seinem Auto auf die Einsatzkräfte gewartet. „Es war ein Gesichtsausdruck, als ob man seine Sache erledigt hat. So ein genugtuendes Grinsen„, sagte ein 29 Jahre alter Polizist am Freitag (3. September 2021) im Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer vor dem Landgericht Trier. Er erinnere sich bis heute sehr gut daran.

Polizei berichtet von Festnahme

„Stoisch“ habe der Mann an seinem Auto gelehnt und eine Zigarette geraucht, sagte Carsten Wagner, der als einer der ersten Polizisten das Tatauto erreicht hatte. „Ich hatte den Eindruck, er schaut mir in die Augen.“ Bei der Festnahme habe der Angeklagte keinen Widerstand geleistet. Die Beamt:innen hatten ihn bäuchlings am Boden festgesetzt. Dabei habe dieser gesagt: „Ihr tut mir weh“, sagte Wagner. Der Angeklagte hatte den Wagen nahe der Porta Nigra an einer Straßenseite geparkt.

Prozess in Trier geht weiter

Es waren die ersten Aussagen von Zeug:innen im Prozess gegen den 51-Jährigen, dem die Anklage fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vorwirft. Der Deutsche soll am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen. Dabei sei er in einem Zickzackkurs wahllos und gezielt auf Passant:innen zugefahren. Bei der Tat wurden fünf Menschen getötet. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und Traumatisierte.

Die Polizeibeamt:innen sagten, das Tatauto sei an der Front stark beschädigt gewesen. Sie hätten dort Haut- und Haarreste, eine Handtasche und andere Habseligkeiten gesehen. „Es sah fürchterlich aus.“ Andere berichteten von Dellen und von einer zersplitterten Scheibe.

Der mutmaßliche Täter habe bei der Festnahme klar auf Fragen der Polizei geantwortet, zum Beispiel nach Waffen oder einem Ausweis, sagte Wagner. Seinem Eindruck nach habe er nicht unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden. Der Mann habe „teilnahmslos, völlig unbeeindruckt“ gewirkt, sagten andere. „Es war surreal.“ Es habe „stutzig“ gemacht, wie gelassen er am Auto gestanden habe. Später stellte sich heraus, dass der Mann alleinstehend, arbeitslos und ohne festen Wohnsitz war.

Angeklagter macht keine Aussage

Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt am 19. August gesagt, er wolle keine Aussage machen – weder zur Person noch zur Sache. „Aus Sicht der Opfer ist das eine sehr schwierige Situation, denn Opfer möchten das Warum wissen“, sagte der Opferbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, am Rande des Prozesses in Trier. Es sei sehr belastend für die Opfer, wenn sie bis zur Urteilsverkündung warten müssten, wenn das Gericht die Motivlage nach der Vernehmung der Zeug:innen darstelle. „Das zieht sich über die ganze Situation.“ Er appellierte an den Angeklagten, sich zu der Frage doch noch einzulassen.

Prozess wohl bis Ende Januar 2022

Der Prozess gegen den 51-Jährigen ist bis Ende Januar 2022 terminiert. Der nächste Termin ist am 21. September. Mehr als ein Dutzend Nebenkläger:innen sind in dem Verfahren vertreten. Trier stand nach der Amokfahrt tagelang unter Schock.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– eigene Berichte

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