Keine verschärften Corona-Regeln im Saarland – stattdessen Appell an die Bürger

Die Infektionszahlen steigen, die Herbstwelle ist bereits in den Krankenhäusern angekommen. Die saarländische Landesregierung verschärft die Regeln vorerst aber nicht und setzt stattdessen auf Appelle.
Im Saarland bleiben die Corona-Regeln vorerst bestehen. Foto: Marijan Murat/dpa-Bildfunk
Im Saarland bleiben die Corona-Regeln vorerst bestehen. Foto: Marijan Murat/dpa-Bildfunk

Die saarländische Landesregierung verschärft die Corona-Regeln vorerst nicht. Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) appellierte stattdessen an die Bürger:innen, Masken in Innenräumen zu tragen. „Das wird ein ganz entscheidendes Instrument sein“, so der Politiker am heutigen Mittwochnachmittag (12. Oktober 2022).

Vorerst keine Verschärfung

Eine Verschärfung der Maßnahmen – zum Beispiel mit einer Ausweitung der Maskenpflicht – sei zunächst nicht vorgesehen. Dies sei aber ein möglicher Schritt, wenn sich die Situation nicht verbessere. Der Minister appellierte an die Bürger:innen, Kontakte reduzieren und sich regelmäßig auf das Virus testen lassen – auch vor dem Besuch von Veranstaltungen. Außerdem warb Jung erneut für die Corona-Impfung. Arbeitgeber sollten es ihren Angestellten zudem ermöglichen, ins Home-Office zu gehen.

Länder können in Eigenregie schärfere Maßnahmen verhängen

Seit Oktober gelten bundesweit Corona-Regeln, die im aktuellen Bundesinfektionsschutzgesetz verankert sind. Die Bundesländer können aber selbst noch schärfere Maßnahmen verordnen, wenn es die Infektionslage erfordert. Derzeit gilt im Saarland schon im ÖPNV oder in Taxis eine Maskenpflicht. In Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen muss eine FFP2-Maske getragen werden.

Saarlands Gesundheitsminister Magnus Jung. Archivfoto: BeckerBredel

Etwa jeder 30. Saarländer hat momentan Corona

Das Saarland hat derzeit die höchste Inzidenz im Bundesländer-Vergleich. Den Wert, der die Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche anzeigt, gab das Robert-Koch-Institut am Mittwoch mit 1.673,5 an. Fünf der sechs Landkreise belegen unter den Regionen in Deutschland mit der höchsten Inzidenz die ersten fünf Plätze. Etwa jede:r 30. Saarländer:in ist im Moment aktiv mit Sars-CoV-2 infiziert.

Wohl hohe Dunkelziffer

Expert:innen gehen derzeit von einer Untererfassung der Fälle aus. Der Grund: Nur PCR-Tests zählen in die Statistik. Nicht jede Person, die infiziert ist, lässt aber einen solchen durchführen. Daher dürfte die Dunkelziffer deutlich höher liegen.

Herbstwelle in den Krankenhäusern bemerkbar

Die Herbstwelle macht sich bereits in den Krankenhäusern bemerkbar. Experten bezeichneten die Situation in den Kliniken als deutlich verschärft. Der Vorsitzende der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, Christian Braun, wies auf die angespannte Personalsituation in den Kliniken hin. Insgesamt gebe es nur wenig Reserven. Laut Saar-Gesundheitsministerium werden derzeit mehr als 600 mit dem Virus infizierte Menschen in den Kliniken behandelt. Darunter sind auch Patient:innen, bei denen die Infektion ein Nebenbefund ist und der Hauptgrund für den Krankenhausaufenthalt ein anderer ist. Laut Ministerium werden 43 Menschen intensivmedizinisch betreut.

Zwei Drittel der PCR-Tests positiv

In der vergangenen Woche (3. bis 9. Oktober) sind im Saarland rund 18.500 PCR-Tests untersucht worden. Davon fielen etwa zwei Drittel positiv aus.

Verwendete Quellen:
- Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Magnus Jung und Corona-Experten, 12.10.2022
- Robert-Koch-Institut
- Mitteilung des saarländischen Gesundheitsministeriums, 12.10.2022
- eigene Berichte
- eigene Recherche
- Deutsche Presse-Agentur