Start der Influenza-Impfungen: Starke Grippewelle befürchtet

Im vergangenen Winter blieb die Grippewelle wegen der Corona-Maßnahmen beinahe vollständig aus. Nach den Lockerungen dürfte das in diesem Jahr anders aussehen. Fachleute fürchten eine besonders starke Welle und werben für die Grippe-Impfung.
Angesichts der kommenden Grippe-Saison werben Mediziner:innen für die Influenza-Impfung. Symbolfoto: Julian Stratenschulte & Maurizio Gambarini/dpa-Bildfunk
Angesichts der kommenden Grippe-Saison werben Mediziner:innen für die Influenza-Impfung. Symbolfoto: Julian Stratenschulte & Maurizio Gambarini/dpa-Bildfunk

Die Zahl der Grippe-Geimpften war im vergangenen vergleichsweise hoch. Expert:innen hatten die Impfung angesichts der Corona-Pandemie empfohlen. Zusammen mit Maßnahmen wie Abstand, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen hatten das den gewünschten Effekt: Die Grippewelle blieb aus. Nun steht der Herbst erneut vor der Tür und damit die Frage: Soll ich mich gegen die Grippe impfen lassen?

Fachleute befürchten starke Grippewelle in diesem Winter

Da Deutschland allmählich zur Normalität zurückkehrt – etwa in Schulen, Kitas und der Gastronomie – beobachten Ärztinnen und Ärzte bereits jetzt Nachholeffekte bei Atemwegserkrankungen. Fachleute halten es daher für möglich, dass in diesem Jahr die Grippewelle heftiger ausfällt. „Eine Impfung gegen Grippe ist gerade auch in diesem Winter extrem wichtig, da ein hohes Risiko für eine starke Grippewelle zu erwarten ist“, erklärt die Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Rheinland-Pfalz, Barbara Römer.

Krankenkassen übernehmen Kosten bei Stiko-Empfehlung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Grippe Impfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal. Für viele andere gibt es zwar keine explizite Empfehlung – die Stiko rät jedoch auch nicht davon ab. Bei einer Empfehlung übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Sonst kommt es auf die Versicherung an. Die Impfung kostet etwa 30 bis 60 Euro und wird auch von vielen Firmen für Mitarbeiter:innen angeboten.

Gleichzeitige Grippe- und Corona-Impfung möglich

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ist es ab sofort auch möglich, sich gleichzeitig gegen Grippe und Corona impfen zu lassen. Dabei sollten die Injektionen jedoch an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen – also etwa am rechten und linken Arm. Allerdings treten bei einer gleichzeitigen Anwendung der Vakzine häufiger Impfreaktionen auf als bei zeitlich getrennter Gabe.

Neuer Hochdosis-Impfstoff für Ältere

Seit diesem Jahr gibt es auch Impfungen mit Hochdosis-Stoffen. Diese empfiehlt die Stiko insbesondere für Ü-60-Jährige. Von normalen Influenza-Vakzinen unterscheiden sich die Stoffe durch bestimmte Wirkverstärker oder eine höhere Menge von enthaltenen Antigenen. Dadurch haben sie laut RKI eine leicht höhere Wirksamkeit bei Älteren. Die Schutzimpfungs-Richtlinie für Kassenleistungen wurde daran angepasst. Altersmediziner befürworten die Neuregelung, da ältere Menschen besonders gefährdet sind und die Impfwirkung mit zunehmendem Alter sinke.

Die Verfügbarkeit der Hochdosis-Impfstoffe hängt von der Nachfrage in den nächsten Monaten ab. Das erklärte der Deutsche Apothekerverband. Bei Engpässen erhalten auch Ältere das normale Influenza-Vakzin. Das RKI rechnet für diese Saison mit einem Bedarf von 8 bis 10 Millionen Dosen des Hochdosis-Impfstoffes und 15 bis 17 Millionen Dosen des Standard-Vakzins.

Impfreaktionen auf Influenza-Vakzine

Allerdings kann die Hochdosis-Impfung im Vergleich zu normalen Vakzinen etwas häufiger Nebenwirkungen auslösen. Dazu gehören in beiden Fällen Schmerzen an der Einstichstelle, Rötungen und Schwellungen. Manche Geimpfte fühlen sich im Anschluss kränklich und leiden unter erhöhter Temperatur, Müdigkeit, Frösteln, Schwitzen sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Die Beschwerden klingen jedoch in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab. Im Allgemeinen sei die Impfung laut RKI gut verträglich.

Impfung am besten zwischen Oktober und Dezember

Die Impfung erfolgt am besten zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember. Sie entfaltet ihre optimale Wirkung nach rund zwei Wochen und lässt nach drei Monaten allmählich nach. Die Grippewelle erreicht ihren Höhepunkt meist zwischen Januar und März. Jede Saison sind andere Viren im Umlauf. Daher wird der Impfstoff regelmäßig angepasst und sollte jedes Jahr aufs Neue verabreicht werden.

Zusammensetzung und Wirksamkeit variiert jede Saison

Für die Zusammensetzung des Vakzins werden Labordaten aus der ganzen Welt ausgewertet. So kann man eine möglichst hochwirksame Mischung finden. Die Vorhersage ist dennoch mit Unsicherheit verbunden, weshalb die Wirksamkeit des Impfstoffes schwankt. Wie gut der Schutz in der kommenden Saison wird, lässt sich nicht abschätzen.

So hatte das Vakzin in Deutschland im Jahr 2019/20 etwa eine Wirksamkeit von 62 Prozent, zwei Jahre zuvor waren es jedoch nur 15 Prozent. Das bedeutet, dass im Winter 2019/20 unter 100 Geimpften nur rund vier Personen erkranken, während es unter 100 Nicht-Geimpften 10 wären. Bei 15 Prozent dagegen wäre die Zahl der Erkrankten unter den Geimpften mit acht bis neun fast so hoch wie in der Vergleichsgruppe.

Impfung senkt Ansteckungsgefahr und Risiko für schweren Verlauf

Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung bietet die Impfung nicht. Ob man sich ansteckt, hängt auch von vielen anderen Faktoren ab. So spielen etwa bisherige Grippe-Impfungen oder -Infektionen eine Rolle und auch der Zustand des Immunsystems. Allerdings senkt die Impfung das Risiko eines schweren Verlaufs und die Gefahr andere Menschen anzustecken. Daher empfiehlt sie sich auch für Menschen, die mit Risikopersonen zusammenleben.

Symptome und Auswirkungen eine Influenza-Infektion

Eine Grippe kann schwere Lungenentzündungen auslösen. Die können sogar lebensgefährlich werden, so Prof. Bernd Salzberger, Infektiologe am Uniklinikum Regensburg. In selteneren Fällen führt Influenza zu Entzündungen am Herzen oder im Hirn. Bei gesunden Kindern und jüngeren Erwachsenen verläuft sie gewöhnlich ohne schwerwiegende Komplikationen.

Grippesymptome sind etwa ein plötzliches, starkes Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen, hohem Fieber und trockenem Husten. Eine Influenza-Erkrankung kann aber auch leicht bis unbemerkt vorübergehen.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur