Julia Maurer: Was die Traurednerin anders macht als ein klassischer Pfarrer

Julia Maurer ist freie Traurednerin. Im Interview führt sie uns hinter die Kulissen ihrer Hochzeitsvorbereitungen und Trauungen. Viele kennen Julia noch als Frau Assmann, Stimme und Gesicht von bigFM Saarland. Wie sie zum Traureden kam und was sie daran so fasziniert, verrät sie uns im Gespräch.
Julia Maurer, freie Traurednerin aus Saarbrücken
Für Julia Maurer ist ihre Arbeit mit den Hochzeitspaaren eine Herzensangelegenheit. Foto: Annika & Gabriel
Julia Maurer, freie Traurednerin aus Saarbrücken
Für Julia Maurer ist ihre Arbeit mit den Hochzeitspaaren eine Herzensangelegenheit. Foto: Annika & Gabriel

Von der Radiofrau zur Traurednerin

Frage: Julia, vielen kennen dich sicher noch als „Frau Assmann“ von bigFM Saarland. Du heißt jetzt Maurer, hast also selbst geheiratet. Aber wie kommt man auf die Idee, Traurednerin zu werden?

Julia: Die Idee, Traurednerin zu werden, entstand tatsächlich in Zeiten des langweiligen Lockdowns. Corona made me – und natürlich auch ein kleines bisschen mein Ehemann, der schon lange erfolgreich als Hochzeits- und Event DJ durch die Szene zieht. Das Hochzeitsbusiness ist ein durchweg positives, mit ganz viel Liebe und Freude geprägtes Business. Die Tatsachen, dass ich aufgrund meiner Moderationserfahrung gut „erzählen“ und „reden“ kann, keine Scheu vor Menschen habe, kreativ und neugierig bin, ergaben für mich am Schluss eine gute Kombination, es zu wagen.


In der Galerie zeigen wir Julia bei ihrer Arbeit als Traurednerin. Foto: Simon Stenger

Frage: Bei bigFM hast du auch live vor tausenden Menschen moderiert – eine Hochzeit ist viel intimer. Was findest du schwieriger?

Julia: Im Grunde kann man die beiden Veranstaltungen nicht miteinander vergleichen. Es geht um andere Emotionen, andere Geschichten, es hat andere Hintergründe. Da spielt es am Ende keine Rolle mehr, ob 40 oder 4.000 Augen und Ohren auf dich gerichtet sind. Ich bin jedoch „anders“ aufgeregt, wenn ich eine Traurede halten darf. Denn die Liebesgeschichte zweier Menschen mit meinen eigenen Worten wiederzugeben, und dass sie mir ihre Geschichte anvertraut haben, bedeutet mir unglaublich viel. Deshalb ist es mir auch ganz wichtig, dass all das auch zur Hochzeitsgesellschaft transportiert wird. Ich möchte ganz besonders meine Brautpaare mit meinen Worten nochmal auf eine Zeitreise mitnehmen, sie daran erinnern, warum sie hier und jetzt Ja zueinander sagen.

Es fließen Freudentränen, es kommen alte Erinnerungen hoch“

Frage: Erinnerst du dich noch an deine allererste Traurede? Wer war aufgeregter: Du oder das Brautpaar?

Julia: Oh ja, daran erinnere ich mich sehr, sehr gut. Dem Brautpaar ist drei Wochen vor der Zeremonie der gebuchte Trauredner abgesprungen und sie sahen quasi gar keinen anderen Ausweg, mir als Newcomerin in der Branche eine Chance zu geben. Meinen Herzschlag kann ich jetzt noch förmlich spüren und wenn ich Fotos von diesem Tag anschaue, sehe ich auch an meiner Haltung, dass ich ganz schön nervös war! Ich habe mit dem Brautpaar um die Wette gezittert und am Ende haben wir gemeinsam durchgeatmet und unser beider Mut wurde belohnt. Es war wunderschön!

Frage: Eine Traurede soll sehr persönlich sein. Wie intensiv lernst du das Paar vorher kennen?

Julia: Ich würde behaupten, sehr intensiv. Oft besuche ich das Brautpaar zu Hause, in deren eigenen vier Wänden, wo sie sich wohlfühlen und fallen lassen können. Dann möchte ich alles wissen. Wie haben sie sich kennengelernt, was macht sie aus, wo waren vielleicht auch mal schwierige Zeiten gemeinsam, worüber lachen, weinen und streiten sie auch mal. Nirgendwo lernt man in so kurzer Zeit so viel über Menschen kennen. Es fließen Freudentränen, es kommen alte Erinnerungen hoch, man wird auch mal traurig oder sentimental. All das teilen wir – das Brautpaar und ich, drei eigentlich sich völlig fremde Menschen (Lesetipp: Was Hochzeitsfotograf:innen über ihre persönlichen Momente mit Brautpaaren sagen).

„Leises Knistern muss auch zwischen Traurednerin und Brautpaar zu spüren sein“

Frage: Wie früh vor dem Hochzeitstermin sollte man mit dir Kontakt aufnehmen?

Julia: Da ich noch einen Hauptjob habe und Mama eines zweijährigen Sohns bin, mache ich die freien Trauungen nebenberuflich und nehme im Jahr pro Saison nur eine begrenzte Anzahl an Trauungen an. Daher empfehle ich auf jeden Fall direkt nach dem Antrag Kontakt aufzunehmen, auch wenn das noch gut über ein Jahr zuvor ist. Wenn man seine Wunschdienstleister möchte, muss man schnell sein. Die Branche boomt, und schnell sind die guten Leute vergriffen. Man soll an seinem schönsten Tag keine Abstriche machen müssen.

Frage: Wie merkt ein Paar, dass die Traurednerin oder der Trauredner zu ihnen passt? Schließlich ist dies noch ein Stück intimer als eine stark ritualisierte kirchliche Trauung?

Julia: Wenn das Paar das Gefühl hat, dass es gerade mit einer Freundin einen Kaffee trinkt oder das Bedürfnis hat, dieser Freundin gerade etwas aus seinem Leben erzählen zu wollen. Wenn man sich gut riechen kann, es matcht und man sich sympathisch ist. Die Liebe auf den ersten Blick beziehungsweise ein erstes leises Knistern muss auch zwischen Trauredner/in und Brautpaar zu spüren sein. Übrigens von beiden Seiten aus. Auch ich muss mich bei dem Paar wohlfühlen und mir sicher sein: Die Reise gehen wir zusammen.

Das Foto zeigt Julia Maurer bei einer ihrer Trauungen

Traubogen statt Kirche: Gerade ältere Gäste sagen Julia oft begeistert, wie persönlich sie die freie Trauung fanden. Foto: Lavie Enrose Fotografie

Manche Ältere sagen: „Wenn es das bei uns schon gegeben hätte“

Frage: Die freie Traurede ersetzt meist die kirchliche Zeremonie. Bekommst du manchmal auch Reaktionen von traditioneller denkenden Hochzeitsgästen? Eventuell auch solche, die dich positiv überrascht haben?

Julia: Oh ja, sehr, sehr oft sogar, von der älteren Fraktion. Viele erleben die freie Trauzeremonie das erste Mal mit und sind dann positiv überrascht. So viel Persönliches über das Brautpaar zu erfahren, ab und an auch Dinge, die selbst der Opa nicht gewusst hat, ist für sie eine absolute Überraschung. Wie oft höre ich anschließend: „Wenn es das zu unserer Zeit schon gegeben hätte“… Kein Problem! Wir können auch eine freie Trauung anlässlich einer Ehe-Auffrischung machen … Eine freie Trauung ist, wie das Wort schon sagt, FREI und der Fantasie und den Wünschen sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Frage: Stellst du Trends und Veränderungen bei Trauungen und Hochzeitsfeiern fest?

Julia: Die Trends und Veränderungen in der freien Trauung an sich nicht. Nein, das kann ich wirklich nicht sagen. Die Brautkleider und die Mode ändert sich, immer mal wieder der Dekotrend der Location. Hatten wir lange das Pampasgras, kamen die Trockenblumen und jetzt endlich wieder frische bunte Blumen. Was sich jedoch zumindest bei meinen Brautpaaren hartnäckig durchzieht, ist die allgemeine Ablehnung eines persönlichen Ehegelübdes. Das kommt ganz, ganz selten vor. Da würde ich mir mal eine Veränderung wünschen.

„Bei einer Trauung bin ich einfach nur überglücklich“

Frage: Eine Hochzeit ist etwas sehr Emotionales. Wie schaffst du es selbst gefasst zu bleiben, wenn alle um dich herum schluchzen?

Julia: Ich glaube, da blitzt nochmal etwas die alte Professionalität durch. Ich kann das sehr gut trennen und die Contenance bewahren. Bei einer Trauung bin ich einfach nur überglücklich und nur am Strahlen. Und selbst wenn die Traurednerin Emotionen zeigt, leicht schluchzt oder auch mal ein Tränchen verdrückt, ist es zumindest meiner Ansicht nach authentisch, ehrlich und menschlich. Ich begleite auch freie Trauerfeiern, da ist es schon etwas schwieriger, der trauernden Gemeinde in die Gesichter zu schauen. Aber ich sehe es so, dass ich nicht gekommen bin, um den Tag noch schwieriger für alle zu machen. Sondern um mit einem kleinen Lächeln an den Menschen zurückzudenken, den jetzt alle so schmerzlich vermissen und verabschieden müssen.

Das Foto zeigt Julia Maurer bei der Trauung

Mit ihren Paaren hält Julia auch nach der Hochzeit noch Kontakt, oft per Instagram oder Whatsapp. Foto: Julia Maurer/Team

Frage: Welche Hochzeit, bei der du Traurednerin warst, hat dich ganz besonders bewegt?

Julia: Eine Hochzeit aus der aktuellen Saison tatsächlich. Das Schicksal und die Geschichte des Brautpaares hat mich schwer bewegt und den ganzen Nachhauseweg beschäftigt. So viele Steine und Hürden haben sie überwunden, um am Ende vor mir zu sitzen und ihre Liebe zu besiegeln. Sie haben um alles gekämpft wie Löwen. Niemandem mehr habe ich es so sehr von Herzen gegönnt.

„Alle meine Brautpaare sind noch zusammen“

Frage: Sind die von dir bisher getrauten Paare eigentlich alle noch zusammen?

Julia: Alle meine Brautpaare sind noch zusammen und haben sogar zum Teil eine Familie gegründet, tierischen Zuwachs bekommen, Häuser gebaut. Wir folgen uns noch gegenseitig per Instagram oder ab und zu sehe ich ein Profilbild bei WhatsApp. Das ist sehr schön und ich freue mich immer wieder, wenn ich nochmal etwas von ihnen höre. Man spürt nochmal diese eine ganz besondere Verbundenheit.

Frage: Wie habt ihr selbst geheiratet? Hattet ihr auch einen Trauredner oder eine Traurednerin?

Julia: Mein Mann und ich haben tatsächlich kirchlich geheiratet! Aber ich muss dazu sagen, dass es schon immer mein Wunsch war als kleines Mädchen. Ich bin evangelisch und unser Pfarrer war wirklich mehr als genial. Könnte ich mich nochmal entscheiden, würde ich eine freie Trauung bevorzugen, denn ich möchte die Gesichter meiner Lieben sehen, wenn sie den ein oder anderen Insider aus der Story von meinem Mann und mir erfahren…! 🙂 Es ist übrigens auch schon mal vorgekommen, dass während unserer freien Trauzeremonie eine Bekannte des Brautpaars ein paar christliche Wörter gesprochen hat und sogar Weihwasser dabei hatte.

Kontakt und Website:
www.psfuerimmer.de
instagram.com/p.s_fuer_immer/

Die Fotos stammen von: Annika & Gabriel Fotografie, Bär Visuals, Simon Stenger, Lavie Enrose Fotografie, Martina Herma, Christian Jung