Saarländisches Staatstheater: Das Beste kommt zum Schluss

Die Spielzeit neigt sich ihrem Ende entgegen. Aber dem Saarländischen Staatstheater geht noch nicht die Puste aus und auf das Publikum warten noch einige Highlights zum Abschluss der Saison.
Saarländisches Staatstheater
Eine rabenschwarze Gesellschaftssatire gibt es mit der Uraufführung „Firnis“ von Philipp Löhle ab Freitag, 7. Juni, in der Alten Feuerwache. Foto: SST/Martin Sigmund
Saarländisches Staatstheater
Eine rabenschwarze Gesellschaftssatire gibt es mit der Uraufführung „Firnis“ von Philipp Löhle ab Freitag, 7. Juni, in der Alten Feuerwache. Foto: SST/Martin Sigmund

Die 120 Tage von Löhle

Das Stück „Firnis“ von Philipp Löhle beginnt als lockerflockige Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, die alles richtig machen möchte. Doch einige ihrer Mitglieder fallen durchs Raster. Leonard zum Beispiel lebt, unverschuldet verschuldet, auf der Straße. Familie Wagner nimmt ihn auf. Nur wird aus dem Hilfesuchenden bald ein Untergebener. Und er ist nicht der einzige … Gewohnt pointiert und unterhaltsam zeigt Autor Philipp Löhle eine Gesellschaft, in der der Firnis von Anstand und Moral bröckelt und zum Vorschein Missgunst, Machtgier und Gewalt kommen.

„Firnis“ hat Philipp Löhle für das Saarländische Staatstheater geschrieben, genauer gesagt für Schauspieldirektor Christoph Mehler. Als Inspiration dienten „Das große Fressen“ von 1973 und „Die 120 Tage von Sodom“ von Marquis de Sade. Entstanden ist ein großes Ensemblestück, das absurd, boshaft und äußerst unterhaltsam eine Gesellschaft zeigt, die sich zwischen Klimakrise, Konsumrausch, Armut und Arbeitslosigkeit in ein Oben und ein Unten spaltet. Die Premiere findet am Freitag, 7. Juni, um 19.30 Uhr in der Alten Feuerwache statt. Weitere Termine: 9., 12., 14., 21., 22. und 28. Juni sowie 2. und 4. Juli.

Italienischer Opern-Klassiker und Schauspiel über brisantes Thema

Am Nil herrschen Unsicherheit und Chaos. Zwei Nationen befinden sich im Krieg, der längst nicht mehr um Territorien geführt wird, sondern um jene Ressource, ohne die es kein Leben geben kann: In einer Welt, die immer heißer wird und in der der Mensch verzweifelt versucht, die Natur zu kontrollieren, findet ein erbarmungsloser Kampf um Wasser statt. Beunruhigende Vision einer nicht allzu fernen Zukunft oder doch schon Realität? Für Regisseur Manuel Schmitt, der bereits zwei Mal in Ägypten inszeniert hat und dem Land verbunden ist, lässt ein Blick auf die Weltlage kaum Optimismus zu. Vor diesem Hintergrund sorgt zudem eine tragische Dreiecksgeschichte um Liebe und Eifersucht, um Macht und Machtmissbrauch, um Feindbilder und deren Entlarvung für ein wahres Wechselbad der Gefühle … Am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr findet die Premiere von „Aida“ im Großen Haus statt, weitere Aufführungen sind am 12., 21. und 27. Juni sowie am 2. und 4. Juli.

Saarländisches Staatsheater

Giuseppe Verdis Oper „Aida“ wird von Regisseur Manuel Schmitt als moderner Kampf um die Ressource Wasser neu inszeniert. Foto: SST/Martin Kaufhold

In seinem Schauspiel „Der Reichskanzler von Atlantis“ betrachtet Autor Björn SC Deigner mit absurder Komik das Phänomen der Reichsbürger und deren wahnhafter Neigung zur gesellschaftlichen Abschottung. Das Recht „des Germans“, Weltverschwörer und Zionisten, Bürokratie und alltägliche Engstirnigkeit werden gekonnt durch den Kakao gezogen. Premiere war am Samstag, 1. Juni, in der sparte4. Weitere Termine: 7., 14., 22., 27. und 30. Juni.

Alpensinfonie in der Congresshalle und Elektropunk am Osthafen

Zum Abschluss der Konzertsaison erfüllt sich Generalmusikdirektor Sébastien Rouland einen lang gehegten Traum: Richard Strauss’ monumentale und riesig besetzte „Alpensinfonie“. Sie schildert einen Bergauf- wie -abstieg mit Ausblicken auf Wasserfälle, Almen, majestätische Gipfel und bietet zahlreiche Anlässe für virtuose Klangmalereien, eine von Strauss’ Spezialitäten. Der erste Teil des Konzertes ist dazu in Bezug auf die Orchesterbesetzung fast eine Miniatur. Das kammermusikalisch besetzte A-Dur-Klavierkonzert vereint Mozarts Stil und Errungenschaften in einem: Leichtigkeit der Themen, perfekte Balance zwischen Solo und Orchester und ausdrucksvolle Melodien für die damals noch recht junge Klarinette, Mozarts Lieblingsinstrument unter den Holzbläsern. Mozarts Meisterwerk interpretiert Pianistin Sophie Pacini, die nach ihrem Konzert 2019 zum Saarländischen Staatsorchester zurückkehrt. Das 8. Sinfoniekonzert kann am Sonntag, 23. Juni, um 11 Uhr sowie am Montag, 24. Juni, um 19.30 Uhr in der Congresshalle erlebt werden.

Die sparte4 präsentiert zusammen mit Sektor Heimat derbe Strommusik und Elektropunk als Outdoorfestival im Osthafen: Kein Geringerer als „der Käpt’n“ alias „Rummelsnuff“ mit seinem Gefolge Maat Asbach und Matrose Butz werden die coole Location direkt an der Saar beschallen. Die Musik wird herrlich derbe pumpen, kühles Bier in rauen Mengen fließen und „Käpt’n Rummelsnuff“ plus Crew mittels klassischem Schunkelpogo und tief wummernden Bässen ganz sicherlich für einen Abend sorgen, den man auf keinen Fall verpassen sollte! Samstag, 15. Juni, 20 Uhr, Sektor Heimat, Osthafen.

Saarländisches Staatstheater

Outdoorfestival im Osthafen: Derbe Strommusik und Elektropunk mit „Rummelsnuff“. Foto: SST/Jim Kroft

Klassik mit kleiner Besetzung im Mittelfoyer

Am Montag, 10. Juni, um 19.30 Uhr findet im Mittelfoyer des Großen Hauses das 12. Kammerkonzert statt. Auf dem Programm steht zuerst einmal Saint-Saëns’ erste Violinsonate, die mit vielen technischen Schwierigkeiten gespickt ist. Zeit zum Durchatmen gibt es dann bei der beschwingten „Suite italienne“ aus Strawinskys Ballett „Pulcinella“. Den Abschluss bilden Henryk Wieniawski mit seiner Scherzo-Tarantelle und Heinrich Wilhelm Ernst, dessen Variationen über das irische Volkslied „The Last Rose of Summer“ bis an die Grenzen des spieltechnisch Möglichen führen.

Darf es ein bisschen mehr als klassisch sein? Dann führt kein Weg vorbei am „No Limits“-Streichquartett, einer der außergewöhnlichsten Kammermusikformationen Deutschlands. Der Name ist Programm: „No Limits“ lässt sich nicht von Genregrenzen einengen. Das Ensemble wechselt mit Leichtigkeit von Klassik zu Tango, vom Rhythmischen ins Elegische, von selbstarrangierten Crossover-Werken zu betörenden Kleinoden der Quartettliteratur. Hier treffen Mozarts „Zauberflöte“ auf Astor Piazzolla, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf „Autumn Leaves“ und „Skunk Funk“ auf „Moon River“. Montag, 1. Juli, 19.30 Uhr, Mittelfoyer.

Poetikdozentur und Schultheatertage 2024

Sie gehört zu den einprägsamsten Theatermacherinnen der Gegenwart: Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Regie in Mainz und Amsterdam wurde Susanne Kennedy als Regisseurin mit ihrer unvergesslichen Inszenierung von Marieluise Fleißers „Fegefeuer in Ingolstadt“ berühmt, für die sie 2013 von „Theater heute“ als Nachwuchsregisseurin des Jahres ausgezeichnet wurde. Für Kennedy gibt Theater Darstellenden und Zusehenden die Chance, gemeinsam nach Antworten auf existentielle Fragen zu suchen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Was ist die Wirklichkeit? Seit vielen Jahren entwickelt sie – meist in Zusammenarbeit mit dem Künstler Markus Selg – eigene Theaterarbeiten, die mit Loops, virtual reality, digital erzeugten Bühnenbildern und Bildwelten und dem Sampling von Texten aus verschiedensten Quellen arbeiten. In drei Vorträgen wird sie in Saarbrücken unter dem Titel „I am (a strange loop)“ über ihr Theaterkonzept und die Weiterentwicklung des Theaters mit den Möglichkeiten der digitalen Technologie als Medium der Suche nach Antworten auf die grundlegendsten Menschheitsfragen sprechen. Montag, 17. Juni, 20 Uhr, sparte4. Montag, 24. Juni, 20 Uhr, Stadtgalerie Saarbrücken. Montag, 1. Juli, 20 Uhr, Schlosskeller.

Saarländisches Staatstheater

Theatererlebnis und konstruktiver Austausch: Über 20 Schultheatergruppen aus dem gesamten Saarland präsentieren vom 10. bis 14. Juni bei den Schultheatertagen Saar ihre aktuellen Produktionen. Foto: SST

Die Schultheatertage Saar 2024, organisiert vom Theaterpädagogischen Zentrum, bieten eine vielfältige Palette an Aufführungen. Über 20 Schultheatergruppen mit Schüler*innen aller Altersstufen und Schulformen aus dem gesamten Saarland präsentieren ihre aktuellen Produktionen in der Alten Feuerwache, der sparte4 und im überzwerg-Theater am Kästnerplatz. Im Fokus stehen das Theatererlebnis und der konstruktive Austausch. Montag, 10. Juni, 18 Uhr, Dienstag, 11. Juni, 17 Uhr, Alte Feuerwache. Donnerstag, 13. Juni, 12 + 17 Uhr, sparte4. Mittwoch, 12. Juni, bis Freitag, 14. Juni, überzwerg – Theater am Kästnerplatz. Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Saarbrücken sowie der Saarbrücker Stadtwerke.

Kirchenkonzert und Teufelsgeiger

Im 3. Kirchenkonzert steht mit Mozarts c-Moll-Messe eines seiner rätselhaftesten Werke auf dem Programm. In der Stiftskirche St. Peter in Salzburg erklangen am 26. Oktober 1783 bei der vermutlich einzigen Aufführung zu seinen Lebzeiten lediglich einzelne Partien. Wie das geheimnisumwitterte Requiem, Mozarts letztes Werk, blieb die Messe am Ende Fragment. Trotzdem entstand bald die Bezeichnung „Große Messe“, denn auch als Torso sprengt sie den Rahmen von Mozarts anderen Messkompositionen. Über den Anlass der Komposition und vor allem den Grund des Abbruchs der Arbeit ist viel spekuliert worden. Bei der c-Moll-Messe handelt es sich um eines von Mozarts persönlichsten und eindrücklichsten Werken. Für das Konzert in der Stiftskirche St. Arnual begrüßt das Saarländische Staatsorchester den Chor „Vox Quadrata“ aus Mannheim als Gast, ehe beide Ensembles einen Tag später dasselbe Programm in der Mannheimer Christuskirche zu Gehör bringen. Samstag, 6. Juli, um 19.30 Uhr in der Stiftskirche St. Arnual.

Der Geiger Roby Lakatos ist in klassischer Musik wie im Jazz zu Hause, vor allem aber in der Volksmusik der Roma. Er stammt aus einer legendären Familiendynastie von Geigern, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Ihr Stammvater ist der Violinist János Bihari (1764–1827), dessen Spiel etwa Beethoven und Liszt verzückte und der, obwohl er selbst weder Noten lesen noch schreiben konnte, eine Vielzahl von Roma-Melodien komponierte. In Werken u. a. von Bihari, Liszt und Kodály trifft Lakatos auf das Saarländische Staatsorchester, dirigiert von Kapellmeister Stefan Neubert. Ob im Rhythmus des Csárdás oder des Verbunkos (ein Tanz, der beim Anwerben von Soldaten gespielt wurde): Mit seinem Ensemble, das auch Instrumente wie Zymbal umfasst, und durch aberwitzige Virtuosität wird Roby Lakatos dem Publikum einheizen. Sonntag, 16. Juni, 18 Uhr im Großen Haus.

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Der neue Spielplan: Das schrillbunte Musical „Die Bettwurst“ ist längst zum Publikumsrenner avanciert – und ab 28. November 2024 wieder in der sparte4 zu sehen. Foto: SST/Martin Kaufhold

Nach der Saison ist vor der Saison

Die aktuelle Spielzeit 2023/24 neigt sich dem Ende entgegen. Aber hinter den Kulissen wird längst an dem Spielplan für die neue Saison gearbeitet. 29 Neuproduktionen, darunter elf Uraufführungen sowie acht Wiederaufnahmen, stehen für 2024/25 auf dem Programm, die zugleich die letzte Spielzeit von Generalintendant Bodo Busse am Saarländischen Staatstheater ist: „In die große Vorfreude auf diese achte gemeinsame Spielzeit mischt sich schon jetzt die Wehmut des Abschieds: Im Sommer 2025 werde ich dieses wunderbare Theater mit seinen fantastischen, kreativen und offenherzigen Mitarbeiter*innen in Richtung Hannover verlassen. Aber bis dahin können wir uns noch auf viele schöne gemeinsame Theaterstunden freuen.“ Der Vorverkauf startet am 29. Juni ab 10 Uhr.

Hier ein erster Ausblick auf die spielversprechende nächste Spielzeit:

  • Sita – Oper
  • Siegfried – Oper und dritter Part der „Ring-Trilogie“
  • Hoffmanns Erzählungen – Oper
  • Sweeney Todd – Musical
  • Irgendwo auf der Welt – Musical
  • Antigone – Schauspiel
  • Mephisto – Schauspiel
  • Mehr Lametta am Meer – Komödie
  • Der Zauberer von Oz – Weihnachtsstück
  • Romeo und Julia – Ballett
  • Dreischritt – Tanzabend

 

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66111 Saarbrücken

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