Genialer Plan: Aus Kuhmist wird Energie für Molkerei und 220 Haushalte

Die Idee ist eigentlich genial: 120 Kühe geben Milch und erzeugen jede Menge Gülle und Mist. Eine Biogas-Anlage erzeugt daraus Strom und Wärme. Soviel, dass der Engelshof in Hetzerath damit die eigene Molkerei und 220 Haushalte versorgen kann. Ein Besuch auf der Baustelle.
Großbaustelle: Auf dem Engelshof in Hetzerath entsteht gerade die Biogasanlage. Foto: Florian Blaes
Großbaustelle: Auf dem Engelshof in Hetzerath entsteht gerade die Biogasanlage. Foto: Florian Blaes

Großbaustelle für die Zukunft

Es gibt Kühe, Kälber, einen Hofhund. Idylle auf dem Land. Und es gibt eine große Baustelle. Dieser Bauernhof steht für Zukunft. Und deshalb passt die Baustelle trotz aller Idylle so gut zum Engelshof in Hetzerath: Denn Betriebsleiter David Engel hat eine klare Vision für den Familienbetrieb. Wir treffen ihn an seiner Großbaustelle. Wir haben einen guten Tag dafür ausgewählt, denn an diesem Moment sind die Betonmaschinen vor Ort.

Doch der Reihe nach: Was wird auf der Großbaustelle überhaupt gebaut? „Ich hatte vor einigen Jahren die Idee, dass ich auf dem Hof eine Biogasanlage haben möchte, eine sogenannte Güllevergärungsanlage“, erklärt uns David Engel, der Betriebsleiter des Hofes.

Hof erzeugt künftig Energie selbst

Im Jahr 2020 hat er dafür den Vertrag mit dem Architekten abgeschlossen. Dazu erzählt David: „Es wurde sehr viel und lange geplant. So gab es mehre Versionen, bis es dann so weit war.“ Für David Engel ist es ein Leuchtturmprojekt, wie er es beschreibt.

Gemeinsam gehen wir zu einem großen Plan, welcher den Bauernhof zeigt und die weiteren Projekte in der Zukunft. Derzeit sind die Bauarbeiten am Güllelager an der Reihe. Die Arbeiten hierfür haben Mitte Juli 2023 begonnen. Gleich daneben entsteht der Fermenter. Der Fermenter ist ein isolierter Behälter, in dem Bakterien unter Ausschluss von Licht und Luft Biomasse (Gülle und Mist) zersetzen. Hierbei entsteht das Gas, welches dann zu Elektrizität und Wärme umgewandelt wird. Das übrigbleibende Produkt ist das vergorene Substrat (Gärsubstrat). Dieses ist ein idealer Dünger und schließt den nachhaltigen Kreislauf. So funktioniert die Energie-Erzeugung in einer Biogas-Anlage.

David Engel zeigt auf den Misthaufen – der Rohstoff für die künftige Energiegewinnung. Foto: Florian Blaes

Biogas-Anlage: Strom für Molkerei und 220 Haushalte

Auf einem Hof mit 120 Kühen entsteht viel Mist. Das ist der ideale Rohstoff für das, was David Engel vorhat. Er zeigt auf einen der Haufen: „Hiermit möchte ich in Zukunft Energie gewinnen. Da liegen die Zutaten für unsere neue Anlage.“ Dafür braucht es eben ein Güllelager. Und genau dort steht derzeit der Kran, und die Bauarbeiter sind am Betonieren und Betonieren.

Wir steigen über eine hohe Bauleiter in das Innere der Baustelle. Mit einem Kran wird an diesem Tag der Beton von einem Betonmischer in die Baustelle gehoben. Oben sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, den Beton mit zwei Maschinen an der Wand zu verfüllen. So geht es Schritt für Schritt nach oben.

Der Betriebsleiter erklärt uns, dass die Verschalung aufgebaut wird, der Beton eingefüllt wird – und wenn er trocken ist, wird die Verschalung wieder abgebaut. Dieser Schritt zieht sich von ganz unten in dem großen runden Güllelager bis ganz nach oben. Zwischendurch nimmt sich David Engel Zeit, um mit dem Polier wichtige Fragen und Einzelheiten zu besprechen.

Das Projekt geht voran. Die fertige Biogas-Anlage soll den Hof unabhängiger von Energiekosten machen. Foto: Florian Blaes

CO2-neutrales Unternehmen in Sicht

Wenn die Biogasanlage fertig sein wird, wird sie einiges an Strom erzeugen. „Am Ende können wir mit der Anlage unsere Molkerei komplett selbst versorgen und zusätzlich 220 Haushalte“, freut sich Betriebsleiter David Engel. Auf der Molkerei ist bereits eine neue Photovoltaik-Anlage errichtet worden. Diese soll Anfang 2024 ans Netz gehen (dazu folgt ein eigener Bericht).
Zusammenfassend bringt David Engel seine Vision auf den Punkt: „Mit diesem Projekt kann ich sagen, dass wir einem CO2-neutralen Unternehmen näherkommen.“

So entsteht auf dem Bauernhof ein Kreislauf: Die Kühe bekommen Futter, die Kühe geben Milch. Im Stall entsteht Mist und Gülle. Diese kommen in die Biogasanlage und produzieren Strom und das Gärsubstrat. Das Gärsubstrat wiederum kommt auf die Felder als Dünger für das Futter der Kühe. David Engel: „So erzeugen wir auf dem Engelshof einen sich schließenden Kreislauf.“

Engelshof in Hetzerath
Bahnhofstraße 34b
54523 Hetzerath
Tel. 06508 9181110
engelshof.eu

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