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UN-Experten werfen Saudi-Arabien Verbrechen im Jemen vor

Kinder, die aus der Küstenstadt al-Hudaida im Jemen vertrieben wurden, stehen vor einer notdürftig zusammengezimmerten Unterkunft. Foto: Hani Al-Ansi

Kinder, die aus der Küstenstadt al-Hudaida im Jemen vertrieben wurden, stehen vor einer notdürftig zusammengezimmerten Unterkunft. Foto: Hani Al-Ansi

Genf (dpa) - Im Bürgerkriegsland Jemen gibt es nach Überzeugung von UN-Menschenrechtlern starke Anzeichen für Kriegsverbrechen. Eine Expertenkommission erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung und ihre Verbündeten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Und verlangte, dass Verantwortliche vor einem unabhängigen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Sie habe eine Liste mit den Namen möglicher Täter an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte geschickt.

«Es gibt kaum Anhaltspunkte, dass die Konfliktparteien versuchen, zivile Opfer zu vermeiden», sagte der Vorsitzende der Expertengruppe, Kamel Jendoubi, am Dienstag in Genf. Die Rolle der westlichen Unterstützer der Koalition, etwa der USA und Großbritanniens, thematisierte die Gruppe nicht. Bei dem Mandat sei es ausschließlich um Menschenrechtsverletzungen gegangen, sagte der Mitvorsitzende Charles Garraway.

Hintergrund sind die vielen zivilen Opfer der Bombardierungen. Anfang August wurde ein Schulbus getroffen, wobei nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) 40 Kinder und elf Erwachsene umkamen. Vergangene Woche wurde nach Angaben der Huthi-Rebellen ein Fahrzeug mit Flüchtenden von einer Rakete getroffen. Dabei seien 20 Kinder und sechs Erwachsene umgekommen.

Im Jemen versucht die sunnitische Regierung mit ihren Verbündeten seit drei Jahren, einen Aufstand der von Saudi-Arabiens Erzfeind Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen niederzuschlagen. Dabei seien seit März 2015 mindestens 6 600 Zivilisten getötet und mehr als 10 000 verletzt worden. «Die wahren Zahlen sind wahrscheinlich deutlich höher», heißt es im Bericht der Experten.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte bei einer Pressekonferenz im Pentagon, die US-Unterstützung für die von Saudi-Arabien geführte Militäroperation «ist nicht bedingungslos». Die Saudis müssten «alles Menschenmögliche tun, um den Verlust unschuldigen Lebens zu verhindern». Ziel sei es, «diese Tragödie zu lindern» und eine von den UN herbeigeführte Lösung im Jemen zu finden. «Wir überprüfen ständig, welche Unterstützung wir liefern.»

Der Vize-Außenminister der Emirate, Anwar Karkasch, erklärte über Twitter, der Expertenbericht müsse genau studiert werden, um zu sehen, was er über die Verbrechen der Huthis an Zivilisten sage. In der Jemen-Krise gehe es darum, den Staat wiederherzustellen und die Zukunft der Region vor einem iranischen Vormarsch zu schützen.

Die von Riad geführte Koalition teilte nur mit, sie schaue sich mit Interesse alle UN-Berichte zum Jemen an, wie der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija meldete. Nach einer Prüfung werde das Bündnis die «angemessene Position» dazu veröffentlichen.

Der Sprecher der Koalition, Turki al-Maliki, hatte den UN bereits am Montag vorgeworfen, sie stünden auf die Seite der Huthis. Er reagierte damit auf Vorwürfe, bei Luftangriffen des Bündnisses seien zuletzt erneut zahlreiche Zivilisten getötet worden. Für die Opfer machte Al-Maliki die Huthis verantwortlich. Die im Jemen operierenden UN-Organisationen beschuldigte er, die Sichtweise der Rebellen zu verbreiten, wie die saudische Agentur SPA meldete.

Luftschläge der Koalition hätten Hochzeits- und Trauergesellschaften, Märkte, Schiffe mit Zivilisten an Bord und medizinische Einrichtungen getroffen, so die Experten. Überall würden Menschen willkürlich verhaftet und teils gefoltert. Konfliktparteien sollen achtjährige Kinder zum Dienst im Kampfeinheiten gezwungen haben.

Die Experten waren mehrfach im Jemen, konnten Regionen unter Kontrolle der Huthis aber nicht besuchen. Auch Rebellen seien wahrscheinlich für zivile Opfer verantwortlich, etwa durch den Einsatz von Streumunition bei innerstädtischen Kämpfen. Diese Vorwürfe müssten weiter untersucht werden.

© WhatsBroadcast
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