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Verschwundener Interpolchef in China unter «Aufsicht»

Interpol-Präsident Meng Hongwei wurde seit Ende September vermisst. Foto: Wong Maye-E/AP

Interpol-Präsident Meng Hongwei wurde seit Ende September vermisst. Foto: Wong Maye-E/AP

Lyon/Peking (dpa) - Nach tagelangen Spekulationen über das Schicksal von Interpol-Präsident Meng Hongwei hat China offiziell eingeräumt, dass der 64-Jährige in der Volksrepublik unter staatlicher Aufsicht steht und gegen ihn ermittelt wird.

Die internationale Polizeiorganisation erhielt am Sonntag zudem eine Erklärung des Chinesen, in der dieser seinen sofortigen Rücktritt erklärte.

Die chinesischen Anti-Korruptions-Wächter gaben in einer kurzen Erklärung bekannt, dass Meng verdächtigt werde, das Gesetz gebrochen zu haben. Er stehe unter «Aufsicht» - damit ist in der Regel gemeint, dass er festgehalten wird. Meng ist auch Vizeminister für öffentliche Sicherheit seines Heimatlandes. Was ihm vorgeworfen wird, blieb zunächst offen.

Seine Frau hatte ihn vergangene Woche bei den französischen Behörden als vermisst gemeldet, weil sie nichts von ihm gehört hatte, seit er nach China gereist war. Interpol hatte am Samstag von China eine Klarstellung zum «Status» seines Präsidenten gefordert, dessen Amtszeit regulär bis 2020 gedauert hätte. Die internationale Organisation hat ihren Sitz im französischen Lyon.

Wenn in der Vergangenheit hochrangige Mitglieder der chinesischen Regierung wie jetzt Meng aus der Öffentlichkeit verschwunden waren, hatte das häufig etwas mit Untersuchungen wegen Korruption oder anderen Disziplinarvergehen zu tun. Die Betroffenen werden dann an einem geheimen Ort praktisch unter Hausarrest gesetzt.

Kritiker werfen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vor, die Anti-Korruptionskampagne auch zur Beseitigung politischer Gegner und zur Festigung seiner Macht zu missbrauchen. Im Zuge des von Xi initiierten Kampfes gegen die Korruption sind laut offiziellen Angaben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1,3 Millionen Beamte und Politiker auf allen Ebenen bestraft worden.

Interpol teilte auf Twitter und ihrer Webseite weiter mit, dass Vizepräsident Kim Jong Yang aus Südkorea vorübergehend die Präsidentschaft übernehme. Bei der Interpol-Generalversammlung im November solle dann ein Nachfolger gewählt werden.

Mengs Ehefrau hatte sich zuvor besorgt an die Öffentlichkeit gewandt: «Diese Angelegenheit betrifft die internationale Gemeinschaft», sagte sie in Lyon, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Sie habe dabei aus Sorge um ihre Sicherheit den Kameras den Rücken zugedreht und mit zitternder Stimme gesprochen. Die Frau berichtete demnach, dass ihr Mann in seinen letzten Nachrichten am 25. September zuerst geschrieben, dass sie auf seinen Anruf warten soll - und dann ein Messer-Symbol hinterhergeschickt habe.

Die französische Justiz in Lyon hatte wegen Mengs Verschwinden eine Untersuchung eingeleitet. Mengs Frau wurde unter Polizeischutz gestellt, wie AFP unter Berufung auf das Pariser Innenministerium meldete: Sie habe von Drohungen über soziale Netzwerke und per Telefon berichtet hatte.

Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden - eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

Der Interpol-Präsident wird immer für vier Jahre ernannt und steht dem Exekutivausschuss der Organisation vor. Dieses Gremium wacht über die Umsetzung der Entscheidungen der jährlichen Generalversammlung der Organisation. Für die Führung der Alltagsgeschäfte von Interpol ist Generalsekretär Stock verantwortlich.

Mitteilung Interpol, Engl.

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