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Debatte um Tafel-Aufnahmestopp für Ausländer

Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor dem Eingang der Ausgabestelle. Die Essener Tafel will keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufnehmen. Foto: Roland Weihrauch

Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor dem Eingang der Ausgabestelle. Die Essener Tafel will keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufnehmen. Foto: Roland Weihrauch

Essen (dpa) - Nach der massiven Kritik am vorübergehenden Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer trifft sich der Vereinsvorstand an diesem Dienstag zu einer Krisensitzung.

Nähere Angaben zu den Inhalten machte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor nicht. Beobachter gehen davon aus, dass der Vorstand über alternative Regulierungsmöglichkeiten bei der Essensausgabe berät.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wollen an der Sitzung auch Vertreter des Landesverbandes und des Bundesverbandes der Tafeln teilnehmen. Sartor ist selbst einer von zwei stellvertretenden Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen, wo es insgesamt 170 Tafeln gibt, die Lebensmittel sammeln und an Bedürftige weitergeben.

Der Bundesverband der Tafeln hatte die Essener Entscheidung in der vergangenen Woche als nicht nachvollziehbar kritisiert. «Für Tafeln zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft», hatte der Vorsitzende des Dachverbands, Jochen Brühl, der dpa.

Die Essener Tafel vergibt neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmitteln seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Begründet wird dies mit einem angeblich zu hohen Anteil an Ausländern, weshalb sich etwa viele ältere Menschen nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnähmen.

In einem Interview mit der «Bild»-Zeitung (Montag) äußerte sich Sartor frustriert. «Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Aber ich habe keinen Bock mehr, man verliert einfach die Lust. Ich bin kurz davor, hinzuschmeißen.»

Zugleich verteidigte der 61-Jährige die Entscheidung: Kunden wie ältere Frauen hätten sich nicht mehr wohlgefühlt, weil es ein Ungleichgewicht gebe. Viele Migranten würden sich anders benehmen. «Die Anstellmentalität ist häufig nicht so da, die Erwartungshaltung ist höher. Es ist so, dass viele meinen, wir wären verpflichtet, Lebensmittel auszugeben, wir wären eine staatliche Einrichtung. Sind wir aber nicht», betonte er. «Es ist ja nicht so, dass sich nur unsere Kunden nicht mehr wohlgefühlt haben, sondern auch unsere Mitarbeiter.»

Am Wochenende hatten Unbekannte Türen und Fahrzeuge des Vereins mit Parolen wie «Nazis» beschmiert. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit der Debatte um den Aufnahmestopp.

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