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Fast jeder Vierte hat ausländische Wurzeln

Die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln wuchs im Vergleich zu 2016 um 4,4 Prozent. Foto: Thomas Niedermüller

Die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln wuchs im Vergleich zu 2016 um 4,4 Prozent. Foto: Thomas Niedermüller

Wiesbaden (dpa) - In Deutschland hat fast jeder Vierte (23,6 Prozent) ausländische Wurzeln. Mit rund 19,3 Millionen Menschen hat der Anteil der Bevölkerung mit einem Migrationshintergrund im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilte, wuchs die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln im Vergleich zu 2016 um 4,4 Prozent. Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Der Anstieg im vergangenen Jahr ist vor allem auf die

Für Experten sind die neuen Zahlen nicht überraschend. Die Erlanger Politikwissenschaftlerin Petra Bendel verweist darauf, dass nach den Ausnahmejahren 2015/2016 die Zuwanderung aus EU-Ländern wieder am stärksten sei. «Deutschland braucht angesichts des demografischen Wandels auch Einwanderung», sagt die Professorin, die dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration angehört. Ein die Einwanderung steuerndes Gesetz könne nach außen und vor allem auch nach innen ein wichtiges «Signal» setzen.

«Es ist ökonomischer Wahnsinn, dass wir gut integrierte und ausgebildete Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, außer Landes bringen müssen, weil die Union ein modernes Einwanderungsrecht nach wie vor blockiert», sagte der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki der «Bild» (Mittwoch). Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, betonte: «Die Situation ist deshalb so absurd, weil Deutschland immer noch nicht zwischen Asyl, Flüchtlingen und Fachkräftezuwanderung unterscheidet. Dafür brauchen wir das Gesetz.»

Von den 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund hatten rund 2,8 Millionen (14 Prozent) türkische Wurzeln. 11 Prozent hatten einen polnischen, 7 Prozent einen russischen, 6 einen kasachischen und 4 Prozent einen rumänischen Hintergrund. Die Zahlen beruhen auf dem Mikrozensus, einer Stichprobenerhebung unter deutschen Haushalten.

Angesichts der neuen Integrationsdebatte warnt Bendel davor, die Millionen von Menschen mit ausländischen Wurzeln mit Begriffen wie etwa «Passdeutsche» bewusst auszugrenzen. Die nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der Fußballnationalmannschaft begonnene Internet-Diskussion (#MeTwo) um den Alltagsrassismus in Deutschland habe gezeigt, dass Menschen auch mehr Identitäten haben könnten.

«Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches», sagt die Expertin. Es ermögliche Kompetenzen und Chancen. Auch der Staat könne regelnd eingreifen, zum Beispiel durch zusätzliche Ressourcen für die Anti-Diskriminierungsstelle in Berlin.

Erstmals haben die Statistiker 2017 auch die vorwiegend im Haushalt gesprochene Sprache abgefragt. Unter den 24 Millionen Mehrpersonenhaushalten in Deutschland wird danach in gut 10 Prozent vorwiegend eine ausländische Sprache genutzt. Am häufigsten war dies Türkisch (17 Prozent). Wenn in einem Haushalt alle Mitglieder ausländische Wurzeln haben, wird dort zu 55 Prozent in einer anderen Sprache gesprochen. Ist es aber nur ein Teil, fällt der Anteil auf 7 Prozent.

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