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Zentralratspräsident kritisiert Juden-Bild in Schulbüchern

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, entdeckt immer noch antisemitische Stereotypen in deutschen Schulbüchern. Foto: Horst Ossinger

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, entdeckt immer noch antisemitische Stereotypen in deutschen Schulbüchern. Foto: Horst Ossinger

Berlin (dpa) - Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat die Darstellung des Judentums in deutschen Schulbüchern scharf kritisiert.

«Es gibt dort zuweilen Bilder, die von antisemitischen Stereotypen geprägt sind und damit eher an den «Stürmer» erinnern, als dass sie eine sachliche Darstellung bieten würden», sagte Schuster der Deutschen Presse-Agentur. Der «Stürmer» war ein judenfeindliches Nazi-Propagandablatt. Laut Schuster sollten Besuche in KZ-Gedenkstätten für Schüler zur Pflicht werden. Doch die Länder sehen das anders, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Schuster äußerte sich nur wenige Tage vor der zweiten Polen-Reise von Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montag. Maas wird dort auch das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten in Auschwitz-Birkenau besuchen.

«Es gibt sehr viele Lehrbücher, die das Thema Judentum nur sehr rudimentär aufzeichnen», kritisierte Schuster. Judentum beschränke sich nicht auf die Zeit zwischen 1933 und 1945. «Es gab jüdisches Leben in Deutschland viele Jahrhunderte davor, und es gibt es glücklicherweise heute wieder.»

Der Zentralratspräsident forderte auch, dass Lehrkräfte an Schulen mit einer hohen Zahl von Schülern aus Migrantenfamilien besonders für den Umgang mit Antisemitismus geschult werden. «Gerade in den Haupt- und Mittelschulen haben wir (...) einen wachsenden Anteil von Jugendlichen, deren Familien aus Ländern stammen, in denen Israelfeindschaft, in denen Antisemitismus zum Alltag gehören», sagte Schuster. «Lehrkräfte müssen geschult werden, wie sie mit antisemitischen Äußerungen solcher Schüler dann umzugehen haben.»

Schuster sprach sich zudem dafür aus, den Besuch einer KZ-Gedenkstätte für jeden Schüler zur Pflicht zu machen. «Ein solcher Besuch darf aber nicht als Wandertag oder als reine Pflichtveranstaltung gesehen werden», betonte der Zentralratspräsident. «Er muss von Lehrern angemessen vor- und nachbereitet werden.» Man solle Schülern auch den Raum geben, über ihre eigenen Erfahrungen und persönlichen Eindrücke zu sprechen, sagte Schuster.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Helmut Holter, sprach sich gegen verpflichtende Besuche von Schülern in Gedenkstätten aus. «Zwang ist aus meiner Sicht das falsche pädagogische Mittel», sagte Holter der dpa in Erfurt. Der Linken-Politiker, der zugleich Bildungsminister in Thüringen ist, setzt stattdessen auf Freiwilligkeit: «Keine Pflichtbesuche, aber die Hürden für Exkursionen so niedrig wie möglich halten.»

Bisher ist der Besuch einer NS-Gedenkstätte nur in Bayern verpflichtend. Schüler an Gymnasien und Realschulen müssen dort laut Lehrplan an einer solchen Exkursion teilnehmen. «Der Besuch einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus und damit eines authentischen Ortes kann junge Menschen in besonderer Weise für Menschenrechte und Demokratie sensibilisieren», sagte der bayerische Kultusminister Bernd Sibler (CSU).

In einigen anderen Bundesländern sind Schüler zwar verpflichtet, einen oder mehrere Gedenkorte zu besuchen. Es muss sich dabei aber nicht um Orte aus der NS-Zeit handeln. Viele Schulen unternehmen die Fahrten allerdings freiwillig, in manchen Lehrplänen werden sie auch empfohlen.

Für Berliner Schüler ist der Besuch «außerschulischer Lernorte» verbindlich im Lehrplan vorgeschrieben. «Die Auseinandersetzung mit einem authentischen historischen Ort ist ein wichtiger Schritt, um Zugang zur Geschichte zu finden», sagt Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Das müssen aber keine NS-Gedenkstätten sein: Möglich sind auch Museen, Gedenkstätten oder Denkmale zu anderen Themen.

Fahrten zu Gedenkstätten werden vielerorts finanziell unterstützt, etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Pro Schulklasse gibt es laut Richtlinie bis zu 500 Euro. Auch für Fahrten zu ehemaligen Konzentrationslagern der Nationalsozialisten in Polen gibt es dort Zuschüsse. In Nordrhein-Westfalen stehen im Haushalt für Besuche von Schülergruppen in KZ-Gedenkstätten und anderen Erinnerungsstätten 300.000 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Die Bundesschülerkonferenz plädiert dafür, dass jeder Schüler einmal in seiner Schullaufbahn eine Gedenkstätte nationalsozialistischer Verbrechen besuchen sollte. Die deutsche Geschichte, gerade des 20. Jahrhunderts, lehre wichtige Werte und zeige enorme Gefahren, teilte die Konferenz mit. Hannes Leiteritz, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, sieht in den Exkursionen auch einen enormen gesellschaftlichen Nutzen: «Extremismus ist nie gut, und unsere Geschichte zeigt eindrücklich, wozu Extremismus führt und wie grausam Menschen zu Menschen sein können.»

Gedenkstätten für die Opfer der Nazi-Herrschaft gibt es in allen Bundesländern, aber nicht alle sind ehemalige Konzentrationslager. Die bekanntesten KZ-Gedenkstätten liegen in Brandenburg (Sachsenhausen und Ravensbrück), Thüringen (Buchenwald und Mittelbau-Dora), Hamburg (Neuengamme), Niedersachsen (Bergen-Belsen) und Bayern (Dachau und Flossenbürg).

Gedenkstätten für NS-Opfer

Zentralrat der Juden

DHM zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

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