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Amateurfußball - Wird weitere Werbung verboten?

Fußball und Doppelmoral: Werbung von Wettanbietern auf dem Trikot ist im Amateurbereich verboten, im Profifußball erlaubt. (Bildquelle: Master1305 – 666774535 / Shutterstock.com)

Fußball und Doppelmoral: Werbung von Wettanbietern auf dem Trikot ist im Amateurbereich verboten, im Profifußball erlaubt. (Bildquelle: Master1305 – 666774535 / Shutterstock.com)

Es herrscht Unmut und Ungleichheit im deutschen Fußball, was die Werbung angeht. Während man sich bei Lena Nitro oder Nordland-Werbung recht einig ist – einfach, weil Pornos und die rechte Szene in der Gesellschaft verpönt sind und beide Bereiche für die meisten kaum Geld abwerfen – hat sich bei der Werbung mit Wettanbietern eine Doppelmoral gebildet.

In der 1. Bundesliga ist es 14 von 18 Ligisten offensichtlich gestattet, mit privaten Wettanbietern zu werben oder anderweitig Kooperationen zu pflegen. Genauso viele machen das nämlich. Im Jahr 2015 waren es 16 von 18. Auf Kreis- oder Regionalliga bzw. im Amateurfußball sind solche Kooperationen und insbesondere Werbung jedoch verboten.

Wettbüros und Wettanbieter im Internet: Glücksspiel und verboten?
Sicher, die Wettindustrie ist ein Multimilliarden-Euro-Geschäft, das mathematisch sichere Gewinne verspricht. Entsprechend viel Geld ist für Kooperationen mit dem Herz der Kunden – dem Fußball – noch übrig. Aber letztlich handelt es sich bei Wetten doch um Glücksspiel, was in Deutschland bekanntlich verboten ist.

Umsätze ausgewählter Anbieter (Glücksspielunternehmen) weltweit im Jahr 2016 (Quelle: Statista):

• Paddy Power: 938,6 Mio. €

• GVC: 894,6 Mio. €

• Ladbrokes: 733,05 Mio. €

• Playtech: 708,6 Mio. €

Im Jahr 2015 betrug der Umsatz im Wettgeschäft sage und schreibe 4,5 Milliarden Euro. Die Zahl ist geschätzt, denn die Branche ist angesichts der vielen seriösen Anbieter und unseriösen Anbieter im Internet nicht ganz übersichtlich, denn schnell kommt ein Anbieter hinzu, firmiert auf Grund gesetzlicher Schwierigkeiten um oder verschwindet aus eben diesen Gründen gleich ganz. Wer im Glücksspielgeschäft tätig ist – dazu gehören Sportwetten zum Großteil – ist auf so etwas wahrscheinlich vorbereitet. Berufsrisiko, würden manche sagen. Ein Grund liegt in fehlenden, stockenden oder wieder für ungültig erklärten gesetzlichen Regulierungen. Bereits im Jahr 2012 hat die Bundesregierung einen Glücksspieländerungsstaatsvertrag verabschiedet. Dieser wurde mittlerweile für verfassungswidrig erklärt. Wer deshalb was darf, bestimmt die DFL.

Und die erlaubt Werbung mit Wettanbietern nur für die erste und zweite Liga. Alle darunter müssen anderweitig nach Sponsoren suchen.

Beispiele: Verbote für mehrere deutsche Amateurfußball-Clubs
Ein Verbot gab es beispielsweise für den SG Werden im Jahr 2015. Der damalige Essener Kreisligist (B-Liga) spielte mit seinen neuen Trikots genau ein Spiel. Danach drohte der Verband mit der Sperrung, sollten die Trikots weiter genutzt werden. Der Grund: Auf der Brustfläche des Trikots prangte eine Werbung für den Wettanbieter Tipico.

Wettanbieter müssen gar nicht aus Deutschland sein
Dass Wettanbieter im Internet ihr Geschäft auch legal betreiben können, zeigt sich durch das folgende Beispiel: Im Jahr 2015 wurde ein Deutscher vom Amtsgericht München wegen unerlaubten Online-Glücksspiels zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte mit 120.000 Euro Einsatz insgesamt 190.000 Euro gewonnen. Das Ganze lief über ein Wettportal einer in Gibraltar ansässigen Firma ab.

Diese hat eigentlich alles richtig gemacht und in den AGB beispielsweise darauf hingewiesen, dass Glücksspiel in einigen Ländern illegal ist. Die AGB muss man aber auch erstmal lesen. Der Fall zeigt die Brisanz, welche sich durch Internetunternehmen im gesetzlichen Kontext auftut, am Beispiel von unerlaubtem (oder je nach Land eben erlaubtem) Glücksspiel.

Argumente für eine Legalisierung von Glücksspiel – und damit für Wettanbieter-Werbung
Laut Daniel Henzgen von dem Unternehmen Löwen-Entertainment basiert das Verbot von Online-Glücksspiel auf einem Wunschdenken und auf einem Mangel an einem Sinn für Realität. Er hat eigentlich Recht, denn im Gegensatz zu Pornos und der rechten Szene ist das Wetten auf Sportereignisse, sei es nun Fußball oder Pferderennen, fast schon Tradition und keinesfalls verpönt. Bei Pferderennen ist es beispielsweise fast schon ein gesellschaftlicher Zwang. Auch bei der Formel-1 nutzen es viele.

Entsprechend könnte man Gesetze schaffen, die das Online-Glücksspiel in Bezug auf Fußball Wettanbietern unter Reglements erlauben. Gesetze, die nicht hinterher für verfassungswidrig erklärt werden. Gesetze, die letztlich für den Menschen arbeiten und das erlauben, was ohnehin schon Alltag ist: Sportwetten im Fußball.

Neben philosophischen oder gesellschaftlichen Argumenten gibt es aber auch wirklich juristisch schlagkräftige: So hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2016 beschlossen, dass private Sportwetten-Anbieter nicht mehr bestraft werden dürfen. Was heißt das konkret? Das heißt, dass beispielsweise eine Sportsbar – die Klägerin im zugrunde liegenden Verfahren – keine Sanktionen mehr befürchten muss, wenn sie als Wettenvermittlerin auftritt. Das heißt auch, dass der Glücksspielstaatsvertrag gegen EU-Recht verstößt und Deutschland dringend eine Reform der entsprechenden Gesetze vornehmen muss. Ansonsten gilt auf Glücksspiel weiterhin das staatliche Monopol, während private Anbieter mehrere Milliarden damit umsetzen.

Ach ja, vielleicht kennt sie noch jemand: Es gibt tatsächlich eine staatliche Sportwette. Sie trägt nach wie vor den Namen „Oddset“ und ist vom Gesetz her gesehen als einzige erlaubt. Heute spielt sie jedoch keine Rolle mehr – die privaten Anbieter wie Tipico, Bet-At-Home und viele weitere, schätzungsweise 4500 Stück, teilen sich den Marktanteil.

Neue Technologien erhöhen die Akzeptanz und senken die Nutzungsschwelle: So setzen Anbieter beispielsweise auf Handy-Apps und implementieren bereits starke Statistik-Tools zu den einfachen Spieltabellen. Letztere kennt jeder, sie sehen beispielsweise so aus:

Platz Mannschaft Sp. G U V Tore Diff. Punkte
1 Bayern München 5 5 0 0 15:1 +14 15
2 Hertha BSC 5 4 0 1 16:4 +12 12
3 Borussia Dortmund 5 3 2 0 9:2 +7 22
4 FC Augsburg 5 3 1 1 10:6 +4 10

 

Wird Fußballwerbung damit erlaubt?
Da die Reform seitens Deutschland noch aussteht, entscheidet nach wie vor die DFL, wer welche Werbung tragen darf und legt die entsprechenden Grundsätze fest. Sollten private Wettanbieter nach deutschem Recht erlaubt sein, könnte sich das ändern. Es gäbe dann eigentlich keinen Grund mehr, Amateur-Vereine von Werbung mit Wettanbietern auszuschließen. Moralisch gesehen spricht angesichts der Akzeptanz in der Gesellschaft ja schon jetzt nichts gegen Wettanbieter.

Damit können wir auch die Frage vom Anfang beantworten: Sicherlich wird weitere Werbung verboten werden, zumindest für Amateurvereine und solange es keine neuen Gesetze zum Thema Glücksspiel gibt. Bis dahin können noch Jahre vergehen. Denn mit einem Gesetz für Anbieter von Fußballwetten ist es lange nicht getan. Gewissermaßen liberalisiert man mit einer gesetzlichen Erlaubnis privater Wettanbieter den Markt – die Folgen ziehen sich durch den gesamten Wirtschaftszweig und durch alle Sportarten.

Werbung, die mit Nationalsozialismus in Zusammenhang steht, wird allerdings nach wie vor verboten werden – auch für die großen Vereine. Letztere werden dank der Nischenbranche und damit mangels eines entsprechend lukrativen Angebots gar nicht erst konfrontiert. Verbote werden auch für Pornodarstellerinnen oder Anbieter im Erotik-Bereich zukünftig gelten. An dieser Stelle könnte man weitere Diskussionen anstoßen, welche diesen Beitrag jedoch im Umfang sprengen.

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