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Wasserstand im Rhein sinkt weiter: Fische im «Dauerstress»

Der Rhein in Mainz mit trockenheitsbedingt niedrigem Wasserpegel. Foto: Silas Stein

Der Rhein in Mainz mit trockenheitsbedingt niedrigem Wasserpegel. Foto: Silas Stein

Bingen (dpa/lrs) - Die anhaltende Trockenheit lässt den Wasserstand des Rheins auch in den kommenden Tagen sinken. Das sei problematisch für die Schifffahrt, wie ein Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts in Bingen am Montag erklärte. Statt 350 Zentimeter Tiefgang könnten viele Containerschiffe nur bis zu einem Tiefgang von etwa 160 Zentimetern beladen werden. Eingestellt werde die Schifffahrt auf dem Rhein aber grundsätzlich nicht, erklärte Ralf Schäfer. «Die Unternehmen entscheiden selbst: Sobald es nicht mehr wirtschaftlich ist, bleiben die Schiffe in den Häfen oder werden nicht mehr durch das flache Mittelrheintal geschickt.»

Am Pegel Mainz wurden am Montagmorgen 163 Zentimeter gemessen. Am vergangenen Dienstag waren es noch 177 Zentimetern gewesen. Am Pegel Kaub lag der Wasserstand am Montag bei 74 Zentimetern. Um die tatsächliche Tiefe der Fahrrinne zu ermitteln, müsse man als Faustregel 1,12 Meter addieren, so Schäfer. Die Fahrrinne bei Kaub sei also derzeit etwa 1,86 Meter tief. Für kommenden Freitag prognostiziert das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt einen Pegel von 63 Zentimetern. «Das ist aber noch weit von dem Rekordjahr 2003 entfernt», sagte Schäfer. Damals lag der Kauber Pegel bei 34 Zentimetern.

Der Wasserstand der Mosel blieb hingegen fast unverändert. Am Pegel Trier wurden am Montag 226 Zentimeter gemessen - wie am Sonntag und vergangenen Dienstag. Auch bei Perl veränderte er sich kaum: Am Montag lag er bei 217 Zentimetern, fünf Zentimeter weniger als am Montag.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz warnte vor den niedrigen Wasserständen. «Je weniger Wasser in den Flüssen ist, desto schneller erwärmen sie sich», sagte eine Sprecherin am Montag. Die Temperatur des Rheins lag nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde am Montag bei etwa 28 Grad an der Messstelle in Mainz. Bei Koblenz sank die Wassertemperatur im Vergleich zum Vortag um ein Grad auf 27 Grad.

Das sei nahe an der für die Gewässerökologie gefährlichen Temperatur von 28 Grad, sagte eine BUND-Sprecherin. «Eine längere Überschreitung dieses Grenzwerts könnte große ökologische Schäden verursachen.» Um Schäden zu verhindern, forderte sie einen sofortigen Stopp der Einleitung von Abwärme von Industriebetrieben und Kraftwerken.

«Die Fische erleben momentan einen Dauerstress», sagte der Leiter des Referats Gewässerökologie und Fischerei beim rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt in Mainz, Lothar Kroll, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Aufgrund der hohen Temperaturen verbräuchten sie mehr Energie zum Atmen, würden aber weniger fressen und dadurch zunehmend «hinfälliger» werden. Vereinzelt seien bereits tote Fische in der Nähe von Altrhein-Gewässern gefunden worden.

Wegen der Trockenheit rufen viele rheinland-pfälzische Gemeinden ihre Bürger zum Wassersparen auf. Die Hitze und der hohe Wasserverbrauch brächten die Wasserversorgung an die Grenzen der Belastbarkeit, hieß es in einer Mitteilung der Verbandsgemeinde Montabaur. Die Kreisverwaltung Cochem-Zell war vergangene Woche einen Schritt weiter gegangen und hatte ihren Bürgern verboten, den eigenen Rasen zu bewässern. Auch die Feuerwehren dürfen vorerst kein Wasser mehr für Übungen nutzen. Bürger, die diese Anordnung nicht einhalten, müssen mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen.

Bislang habe man keine Bußgelder verhängen müssen, hieß es aus der Kreisverwaltung. Es habe auch keine wütenden Anrufe gegeben. «Die Bürger zeigen Verständnis für die Maßnahmen», sagte eine Sprecherin am Montag. Weil es voraussichtlich trocken bleibe, gelte die Anordnung bis auf weiteres.

Am Dienstag soll die Hitzewelle nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach mit Temperaturen bis 39 Grad ihren Höhepunkt erreichen. Ab Dienstag könnte es dann zu teils kräftigen Schauer und Gewitter kommen. Nennenswerte Abkühlung verspricht das aber nicht: Mit Höchstwerten bis 33 Grad bleibt es nach DWD-Angaben auch am Mittwoch und Donnerstag warm.

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