A8 Luxemburg - Saarlouis AS Merzig in beiden Richtungen Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn (06:07)

A8

Priorität: Sehr dringend

17°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
17°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Ana Brun: Für Paraguay und für die Frauen

Ana Brun ist hauptberuflich eigentlich Rechtsanwältin. Foto: Jens Kalaene

Ana Brun ist hauptberuflich eigentlich Rechtsanwältin. Foto: Jens Kalaene

Berlin (dpa) - Die paraguayische Schauspielerin Ana Brun (68) ist bisher völlig unbekannt. Das liegt daran, dass sie im Theater ausschließlich unter dem Namen Patricia Abente aufgetreten ist. Erst für ihr Filmdebüt «Die Erbinnen» hat sie sich entschieden, einen Künstlernamen zu wählen.

Ana Patricia Abente Brun hat ihn aus ihrem ersten Vornamen und dem Nachnamen ihrer Mutter kombiniert. Vielleicht hat ihr das Glück gebracht: Wie von vielen vorhergesagt, wurde sie zum Abschluss der 68. Berlinale mit dem Silbernen Bär als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Die Ehrung ist hoch verdient. Ana Brun verkörpert im Spielfilm-Erstling von Autor und Regisseur Marcelo Martinessi mit faszinierender Intensität die Endsechzigerin Chela. Seit Jahren lebt sie mit Chiquita (Margarita Irún) zusammen. Das Paar hat finanzielle Probleme und verkauft den Hausstand, wobei Chiquita ihre Partnerin übervorteilt. Doch Chela emanzipiert sich schließlich. Ana Brun zeigt das sensibel und ohne Effekthascherei.

Hauptberuflich arbeitet Ana Patricia Abente Brun als Rechtsanwältin in Paraguyas Hauptstadt Asunción. Am Theater trat sie lediglich nebenbei auf. Ihr Debüt gab sie 1970 in «Das Tagebuch der Anne Frank», spielte Rollen in Hits wie «Pygmalion», «Die Katze auf dem heißen Blechdach» und «Tod eines Handlungsreisenden». Vor allem tritt sie im Arlequín Teatro in Asunción, ihrer Heimatstadt, auf.

In Berlin sagte Ana Brun unmittelbar nach der Berlinale-Premiere von «Die Erbinnen» mit Tränen in den Augen: «Ich zeige hier sehr viel von mir selbst, von meinem Leben. Mehr möchte ich dazu nicht sagen». «ABC Color», einer der bekanntesten Tageszeitungen in Paraguay, erzählte sie: «Die Generation meiner Mutter durfte nicht über Sex, Homosexualität oder Politik sprechen. Wir mussten nähen, sticken und auf den Ehemann aufpassen. Ich konnte mich dem entziehen, aber das Leben meiner Oma und meiner Mutter war so».

Nach dem Erfolg von «Die Erbinnen» in Berlin hofft Ana Brun, dass der Film zu einem breiten gesellschaftlichen Wandel in ihrem Heimatland beitragen kann. Darin wird sie auch von der Schauspielerin Ana Ivanova, die eine wichtige Nebenrolle im Film hat, unterstützt: «Für Paraguay ist dieser Film ein Samenkorn, eine Investition in die Zukunft. Denn unser Erfolg ermutigt die Jungen, endlich den Mund aufzumachen.» Sie ergänzte: «Bei uns zählen Frauen nichts. Wirklich nichts. Wir sind Beiwerk. Dieser Film gibt uns Gesichter und Stimmen.» Mit ihrem Silbernen Bär ist Ana Brun jetzt das Gesicht Paraguays.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein