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Bewässerungsprojekte für den Weinberg

Etwa 500 Liter Wasser braucht ein Rebstock pro Jahr. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Etwa 500 Liter Wasser braucht ein Rebstock pro Jahr. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Würzburg (dpa) - Langsam tröpfelt das Wasser aus einem schwarzen Schlauch. Es fließt den Rebstock hinab und versickert in der Erde.

Diese Art der Bewässerung im Weinberg ist an sich nichts Besonderes - dass das Wasser digital gesteuert aus einem Speicherbecken oberhalb der Weinberge kommt, hingegen schon.

Für diese Art der Bewässerung sind fränkische Winzer Vorreiter in der Branche. Der Hintergrund: In keinem anderen deutschen Weingebiet ist es im Sommer so heiß und trocken wie im Norden Bayerns. Kitzingen etwa hält den Rekord als heißester Ort Deutschlands. Der Klimawandel verschärft die Situation noch zusätzlich.

«Der Kampf ums Wasser hat jetzt begonnen», sagt der fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann dazu. Die Winzer wollen sich deshalb unabhängig machen. «Wir wollen Wasser dann speichern, wenn es kein anderer braucht. Wir wollen autark sein», beschreibt Steinmann die derzeitigen Bestrebungen vieler Weinbauern in Franken.

Etwa 500 Liter Wasser braucht ein Rebstock pro Jahr. Üblicherweise holt er sich das mit seinen bis zu zwölf Meter langen Wurzeln aus der Erde. Die immer häufiger auftretenden Hitze- und Trockenperioden aber lassen die Weinstöcke an ihre Grenzen kommen. Sie leiden unter enormem Trockenstress.

Die Winzer müssen dann Trauben herausschneiden, damit das restliche Lesegut dennoch eine gute Qualität hat. «Mit einer Bewässerung kann der Ertrag bei extrem trockenen Sommern zumindest stabilisiert werden», sagt Bewässerungsexperte Daniel Heßdörfer von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim bei Würzburg.

In mehreren Weinorten - etwa Iphofen, Volkach, Sommerach im Landkreis Kitzingen und Sommerhausen im Landkreis Würzburg - haben sich deshalb Winzer zusammen getan und ein gemeinsames Bewässerungssystem installiert, mancherorts in Zusammenarbeit mit der Gemeinde oder dem örtlichen Wasserversorger. «Das kann nur in Gemeinschaft passieren. Sonst gräbt am Ende ein reicher Winzer einem ärmeren im wahrsten Sinne des Wortes des Wasser ab», sagt Weinbaupräsident Steinmann.

Die Strategien der fränkischen Winzer ähneln sich. Im Winter wird das Regen- und Schmelzwasser aufgefangen oder Wasser aus dem meist übervollen Main entnommen und in Speicherbecken oder Hochbehälter gepumpt. In heißen und trockenen Sommern wird das Wasser schließlich von dort über ein kilometerlanges Leitungssystem nachts an die Reben getropft.

Allerdings meist nur, wenn die Pflanzen tatsächlich an ihre Grenzen kommen. «Wir wollen keine Luxusbewässerung. Das können wir uns in einer Trockenregion wie dieser auch gar nicht leisten», sagt Agrarwissenschaftler Heßdörfer. Im Gegenteil: Mit der gezielt eingesetzten Tröpfchenbewässerung soll sogar Wasser gespart werden.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt «Vinaqua» in Volkach unter der technischen Federführung von Agraringenieur Wolfgang Patzwahl. Die Weinberge von Winzer Ralph Düker und weiteren 44 Winzern liegen dort in einem Trinkwasserschutzgebiet. Das Oberflächenwasser aus den Weinbergen, also Regen und Schmelzwasser, wird in Speicherbecken gesammelt, und die Winzer können damit 100 Hektar Weinberge beregnen lassen. Sie begrünen die Fläche zudem dauerhaft, damit es zu weniger Erosionen bei Starkregen kommt. Für den Wasserversorger bedeutet das: weniger Schadstoffe im Trinkwasser und weniger Dreck in den Anlagen.

Die Kosten für die verschiedenen Bewässerungssysteme sind enorm. Je nach Art der Anlage müssen nach Angaben von Agraringenieur Patzwahl zwischen 8000 und 20.000 Euro pro Hektar investiert werden. In Bayern wird ein Teil der Anlagen schon jetzt vom Freistaat bezahlt. In den vergangenen zehn Jahren hat das Land laut Agrarministerium Fördergeld von knapp einer Million Euro ausgezahlt. Für Wasserbevorratung und Tropfbewässerungsschläuche stünden jährlich 700.000 Euro bereit.

Rund ein Sechstel der fränkischen Weinberge wird der LWG zufolge mittlerweile mit diesen Schläuchen bewässert. Das sind etwa 1000 Hektar. Langfristig aber müsse ganz Weinfranken damit ausgestattet sein, «um die Produktivität des Weinbaus trotz des Klimawandels nicht zu gefährden», sagt LWG-Experte Heßdörfer.

Der Fränkische Weinbauverband hofft deshalb auf mehr staatliche Unterstützung. «Wir gehen von 20 bis 30 Millionen Euro aus, die man in den kommenden Jahren investieren sollte», sagt Weinbaupräsident Steinmann. Der Weintourismus ist nach Ministeriumsangaben mit rund 3,2 Milliarden Euro Jahresumsatz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Franken.

Die übrigen Winzer Deutschlands schauen gerade in Hitzesommern wie diesen interessiert nach Franken. Noch kommen beispielsweise Rheinhessen, Pfalz und Mosel zwar ohne Bewässerung aus, aber die nordbayerischen Pilotprojekte könnten mit Blick auf den Klimawandel auch für sie bald Relevanz haben.

Außerdem erforschen die LWG-Fachleute weitere Strategien gegen Trockenstress bei den Rebstöcken. So testen der Bewässerungsexperte Heßdörfer und sein Team derzeit auf die Blätter gespritztes Pinienöl und ein Entblättern des Rebstockes. Mit beiden Varianten soll durch die geringere Verdunstung der Wasserbedarf der Pflanze reduziert und für mehr Aromen im Wein die Reifung verzögert werden.

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