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Deutschland - Dürreland: Feld bis Friedhof betroffen

Die Wiese vor dem Reichstag ist durch die anhaltende Hitze in großen Teilen verdorrt. Foto: Paul Zinken

Die Wiese vor dem Reichstag ist durch die anhaltende Hitze in großen Teilen verdorrt. Foto: Paul Zinken

Potsdam/Offenbach (dpa) - Wann gibt's mal endlich wieder Regen? Deutschland schwitzt und schwitzt und schwitzt. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) erleben Teile Ostdeutschlands derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. Auch andere Regionen ächzen unter dem Sommer. Die Dürre hat Folgen.

IMMER WIEDER FELD- UND WALDBRÄNDE

Feuerwehren müssen vielerorts ausrücken. Vor allem im Nordosten Deutschlands sind die Böden buchstäblich ausgedörrt. In Brandenburg, wo der Boden besonders sandig ist, wird ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen Waldbränden erwartet - erst am Mittwoch brannte dort eine rund 100 Hektar große Feld- und Waldfläche. In Sachsen-Anhalt standen in der Nacht zum Mittwoch rund 80 Hektar Wald im Fläming in Flammen - seit 18 Jahren der größte Waldbrand in dem Bundesland. Auch in anderen Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hessen und Thüringen gibt es immer wieder Brände.

Warum brechen die Feuer aus? Der Waldbrandschutzbeauftragte von Brandenburg, Raimund Engel, zählt mögliche Gründe auf: Heißlaufende Erntemaschinen auf Feldern oder alte Kriegsmunition. «Die Nummer eins bleibt aber die weggeworfene Zigarettenkippe aus dem Auto.» In Rostock gab es vor Tagen einen ungewöhnlichen Vorfall: Ein brennender Vogel löste ein Feuer auf einem Feld aus. Nach Polizeiangaben hatte das Tier auf einer Bahn-Oberleitung gesessen, als es zu einem Kurzschluss kam.

Bei den vielen Löscheinsätzen sind vor allem Freiwillige Feuerwehren gefragt. In Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands gut 100 Berufsfeuerwehren und mehr als 22 000 Freiwillige Feuerwehren. Deren Einsatzkräfte werden bei einem Brandalarm von ihrer Arbeit freigestellt. In der Vergangenheit habe es von Feuerwehrleuten vereinzelt die Rückmeldung gegeben, dass es wegen der Arbeitsbelastung im Job schwierig sei, bei Einsätzen zu helfen, betont der Verband. In vielen strukturschwachen Regionen gebe es zudem Nachwuchssorgen.

GEFAHR GRABLICHTER

Friedhofsgärtner haben derzeit alle Hände voll zu tun, und das nicht nur wegen der Bewässerung. «Tag für Tag nehmen wir Grablichter von den Gräbern», sagt Olaf Ihlefeldt vom Waldfriedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin. Wegen der Trockenheit gebe es die Gefahr, dass Wildtiere wie Rehe nachts die brennenden Grablichter umstoßen oder der Wind sie umkippt und es dann auf dem Friedhof brennt. «Die Gefahr ist immens», sagt der Friedhofsleiter. Anderen Friedhöfen gehe es ähnlich.

SCHLECHTERE GETREIDEERNTE - EXISTENZEN BEDROHT

Getreidebauern müssen wegen der Trockenheit viel früher ernten und haben Ausfälle, wie der Deutsche Bauernverband mitteilt. «Wir werden erneut eine Ernte haben, die weit unter dem Durchschnitt liegt. Einige Betriebe haben wegen der Dürre nicht geerntet, sondern den Bestand direkt gehäckselt», sagt Verbandspräsident Joachim Rukwied. Nach Verbandsangaben wird das Ganze dann als Viehfutter verwendet - sonst wäre das Getreide etwa an Mühlen vermarktet worden. Der Verband sieht wegen der Ernteausfälle Existenzen bedroht.

BANGEN UM BAUMBESTÄNDE IN PARKS

In Parks sind viele Jungpflanzen durch Trockenheit bedroht, aber auch alte Baumbestände. «Unsere Gärtner wässern und wässern», sagt ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Alle anderen Pflegearbeiten würden derzeit zurückgestellt. Trotzdem seien zum Beispiel Wiesen vertrocknet. «Es wird massiv bewässert», sagt auch Hilke Steinecke, Botanikerin des Frankfurter Palmengartens. Vor allem für Pflanzen mit kurzem Wurzelwerk gelte: «Die brauchen Wasser, Wasser, Wasser.» Dauerkühlung gebe es für die Pflanzen des Subantarktishauses. Aber auch in den teilweise beschatteten Gewächshäusern sei es bei den tropischen Pflanzen mittlerweile kühler als draußen.

SUPER LAUNE BEI SONNE - ABER PROBLEM REIZBARKEIT

Sonne und warme Temperaturen haben dem Biopsychologen Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin zufolge positive Effekte auf das Wohlbefinden des Menschen. «Schönes Wetter hebt die Stimmung, schlechtes Wetter dämpft sie.» Er empfiehlt, viel rauszugehen und sich auch nicht vor der Hitze zu verkriechen. Vitalisierend seien vor allem wechselnde Witterungseinflüsse. «Leichtlebiger und geselliger sind die Leute wiederum in Regionen mit dauerhaft schönem Wetter.» Allerdings sei bei schwüler Hitze die Schwelle zur Reizbarkeit niedriger. Das könne etwa zu einem aggressiveren städtischen Verkehr führen, sagt der Forscher. Auch im Büro gebe es dann eher mal eine gereiztere Stimmung. Pudelwohl fühle sich ein gesunder Erwachsener zwischen 20 und 30 Grad - und wenn es nicht zu feucht und nicht zu trocken ist.

STAUBBÄDER, DUSCHE UND EISBOMBE FÜR ZOOTIERE

Zootiere bekommen angesichts der «Affenhitze» schon mal eine Eisbombe - mit eingefrorenen Obststücken etwa für die Bären, oder einem gefrorenen Mix aus Wasser und Ziegenblut für die Tiger im Frankfurter Zoo. Die Zebras und andere Savannentiere gönnen sich nach Angaben einer Zoosprecherin ein Staubbad, während andere sich in Tümpeln abkühlen. Für die Alpakas gebe es bei Hitze auch schon mal eine frische Dusche. «Man muss vor allem gucken, dass ausreichend Trinkwasser da ist», sagt Martin Becker, Leiter der Zoopädagogik im Opel-Zoo. Hitzebeschwerden seien aber kein Thema: «Die Tiere sitzen einfach im Schatten und machen nicht viel. Damit verhalten sie sich viel vernünftiger als viele Menschen.»

IST DER SOMMER 2018 ERST DER ANFANG?

«Damit muss man rechnen», sagt Wasserexperte Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er führt die Entwicklung auf den Klimawandel zurück. Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert seien die Durchschnittstemperaturen in Deutschland um circa 1,4 Grad angestiegen. Was das Besondere an diesem Sommer ist? Hattermann spricht von Blockade-Wetterlagen. Zurzeit verhindere zum Beispiel ein Hoch über Nordeuropa über längere Zeit, dass feuchte Luft vom Atlantik nach Deutschland kommt. Das sei eine Wetterlage, die schon seit dem Frühjahr immer wieder beobachtet wurde. Trockenheit sei die Folge. Zum Teil habe Regen zwar Regionen Deutschlands wie den Süden und den Westen erreicht - aber dann oftmals überfallartig und mit heftigen Ergüssen. Modellrechnungen zeigen laut Hattermann, dass im Jahre 2050 der jetzige Sommer quasi ein Durchschnittssommer sein könnte.

WIE WIRD DAS WETTER IN DEN NÄCHSTEN TAGEN?

Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Freitag zwar deutlich mehr Wolken - doch Regen bringen sie nur südlich der Donau mit sich. Es bleibt trocken und warm, vor allem in der Mitte Deutschlands. Und auch das Wochenende startet fast überall heiter und sonnig, vor allem aber: trocken.

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