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Größte Fluchtkrisen: Vom Kongo über Südsudan bis Venezuela

Migranten auf einem Schlauchboot im Mittelmeer vor Malta. Foto: Kenny Karpov/MSF/SOS Mediterranee

Migranten auf einem Schlauchboot im Mittelmeer vor Malta. Foto: Kenny Karpov/MSF/SOS Mediterranee

Genf/Johannesburg (dpa) - Konflikte, Kriege und Verfolgung - wegen verheerender Krisen in aller Welt steigt die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen jedes Jahr. Wenn man die 40 Millionen Binnenvertriebenen berücksichtigt, rückt die 70-Millionen-Marke bereits in Sichtweite.

In Europa schüren Populisten den Eindruck, die Bürde trügen vor allem reiche Länder. Tatsächlich finden die allermeisten Flüchtlinge in ärmeren Ländern Zuflucht, vor allem in Afrika und im Nahen Osten.

Die großen Fluchtkrisen des vergangenen Jahres im Überblick:

BANGLADESCH: Als am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise der Welt bezeichneten die Vereinten Nationen 2017 die Lage der Rohingya, die nach Einschätzung der UN Opfer einer ethnischen Säuberung wurden. Innerhalb weniger Wochen flohen deutlich mehr als eine halbe Million Angehörige der muslimischen Minderheit vor Militärgewalt aus ihrer Heimat Myanmar ins Nachbarland Bangladesch - eines der ärmsten und am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Dort harren inzwischen fast eine Million Rohingya aus, viele im weltgrößten Flüchtlingslager Kutupalong. Eine längst vereinbarte Rückkehr der Flüchtlinge kam bislang nicht zustande.

KONGO: Neue Konflikte im zentralafrikanischen Riesenreich Kongo haben 2017 eine Massenflucht ausgelöst. Die Zahl der Binnenflüchtlinge verdoppelte sich auf rund 4,4 Millionen. Brisant ist die Lage vor allem in der zentralen Region Kasai und im rohstoffreichen Osten des Landes. Ende 2017 waren über 620.800 Kongolesen ins Ausland geflohen, etwa die Hälfte Kinder. Jetzt sind es schon 750.000. Umgekehrt nahm das Land 2017 fast 540.000 Flüchtlinge aus anderen Staaten auf. Der Kongo «ist eine der kompliziertesten, herausforderndsten, langwierigsten und am meisten vergessenen Krisen», erklärt das UNHCR.

SYRIEN: Der Krieg in Syrien hat zur weltweit größten Flüchtlingskatastrophe geführt. Ende 2017 hatten mehr als 6,3 Millionen Menschen das Land verlassen, das war fast jeder dritte ins Ausland Geflohene weltweit. Die meisten flohen in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Nimmt man die Binnenflüchtlinge hinzu, dann sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund elf Millionen Syrer betroffen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

SÜDSUDAN: Das jüngste Land der Welt ist Schauplatz massiver Vertreibung. Jeder dritte Südsudanese ist wegen der Gewalt in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland auf der Flucht. Rund 2,4 Millionen flohen in Nachbarländer, vor allem nach Uganda, Sudan und Äthiopien. Fast zwei Drittel der Flüchtlinge sind Kinder. Im Land selbst sind knapp zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Hintergrund ist ein Bürgerkrieg, der 2013 - nur zwei Jahre nach der Unabhängigkeit - ausbrach. Der Konflikt hat auch zu einer Hungerkrise geführt.

JEMEN: Beim Bürgerkrieg im Jemen sprechen die UN derzeit von der weltweit größten humanitären Katastrophe. Rund drei Viertel der Bevölkerung sind auf Hilfe von außen angewiesen und zwei Millionen waren zur Jahreswende Binnenvertriebene. Rund 200.000 Jemeniten sind ins Ausland geflohen. Doch noch mehr Menschen fliehen in den Jemen: Sie kommen über die Meerenge vom Horn von Afrika. Viele versuchen von dort, in die reichen Golfstaaten weiterzukommen.

LIBYEN: Besonders für Migranten aus Afrika ist Libyen das Sprungbrett nach Europa. Zwar sind die Ankunftszahlen der Flüchtlinge auf der Mittelmeerroute zuletzt stark zurückgegangen, aber nach Schätzungen könnten sich immer noch bis zu eine Million Migranten in Libyen aufhalten. Schlepperbanden nutzen das Chaos in dem Bürgerkriegsland aus. Viele Afrikaner werden in teils unmenschlichen Zuständen festgehalten und eingesperrt. Menschenrechtler beklagen Folter. Seit 2017 hat die IOM mehr als 23.500 Afrikaner in ihre Heimat- oder in Drittländer gebracht.

MITTELAMERIKA: Zahlreiche Menschen aus Mittelamerika fliehen jedes Jahr vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern. Das UNHCR hatte Ende 2017 rund 294.000 Menschen aus der Region als Flüchtlinge registriert, 58 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Migranten versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen.

AFGHANISTAN: Ende 2017 zählte das UNHCR 2,6 Millionen ins Ausland geflohene Afghanen. Viele gingen nach Pakistan, in den Iran und nach Europa. In Afghanistan selbst gibt es unzählige Binnenvertriebene. So wurden wegen der Eskalation des Krieges mit den Taliban allein im vergangenen Jahr mehr als 450.000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten vertrieben; seit Jahresanfang 2018 flohen weitere 100.000 Menschen. Länder wie Pakistan schickten zudem seit 2016 Hunderttausende Flüchtlinge nach Afghanistan zurück, ohne dass die Gewähr bestand, dass diese in ihre Heimatorte zurück konnten.

VENEZUELA: Angesichts der humanitären Krise in Venezuela verlassen immer mehr Menschen das Land. 1,6 Millionen Venezolaner leben nach IOM-Angaben bereits im Ausland. Die venezolanische Opposition geht sogar von bis zu vier Millionen aus. Der Flüchtlingsstrom hält weiter an. Laut einer Gallup-Studie wollen 41 Prozent der Venezolaner ihre Heimat verlassen. Bis 2014 hatte ihr Anteil unter 15 Prozent gelegen.

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