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Koan Neuer: Ulreich patzt im schlechtesten Moment

Münchens Torwart Sven Ulreich sitzt nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Foto: Enrique de la Fuente

Münchens Torwart Sven Ulreich sitzt nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Foto: Enrique de la Fuente

Madrid (dpa) - Sven Ulreich saß einsam auf dem Rasen des Estadio Santiago Bernabéu. Weit und breit war kein anderer Spieler in der Bayern-Hälfte. Der 29-Jährige erinnerte mit seiner Pose nach dem Schlusspfiff des Halbfinal-Rückspiels gegen Real Madrid an Oliver Kahn.

Der Bayern-«Titan» kauerte nach dem WM-Finale 2002, als er die Niederlage gegen Brasilien mit einem Fehler einleitete, ebenfalls so am Boden. Auch Kahn saß vor 16 Jahren im japanischen Yokohama mit um die Knie geschlungenen Armen am Torpfosten lehnend am Boden.

Manuel-Neuer-Vertreter Ulreich schockte mit seinem Patzer am Dienstagabend vor dem 1:2 den FC Bayern beim Sturmlauf Richtung Champions-League-Endspiel. «Man kann einfach sagen, Sven hat einen Blackout gehabt», sagte Trainer Jupp Heynckes nach dem dramatischen Aus beim 2:2 gegen Titelverteidiger Real Madrid.

Mit leerem Blick saß Ulreich später an der Seite von Kapitän Thomas Müller beim nächtlichen Bankett im Mannschaftshotel und sah noch deprimierter als die Kollegen am Spielertisch aus. «Fehler passieren, es macht keiner einen Vorwurf», sagte Müller. «Wir hätten den Fehler auch egalisieren können.» In der dramatischen Schlussphase hoffte der frühere Stuttgarter Ulreich bis zur letzten Sekunde der Nachspielzeit vergeblich, das sein Aussetzer nach einem schlampigen Rückpass von Corentin Tolisso doch folgenlos bleiben würde.

«Im ersten Moment habe ich den Eindruck gehabt, dass er den Ball mit den Händen aufnehmen wollte und dann gemerkt hat, das geht ja gar nicht. Dann ist er konfus geworden», beschrieb Heynckes die Schlüsselszene im Habfinal-Rückspiel, die Karim Benzema mit dem zweiten Real-Treffer des Abends bestrafte. «Das ist sehr bitter für den Spieler und natürlich auch für meine Mannschaft. Aber wir haben ja trotzdem noch Chancen gehabt und das Quäntchen Glück fehlte.»

Dazu erwischte auch noch ausgerechnet Ulreichs Gegenüber Keylor Navas einen großartigen Tag. «Wir haben Navas und sind sehr zufrieden mit ihm. Spieler und Torwart - in großen Spielen müssen sie da sein. In der zweiten Halbzeit hat er uns mit seinen Paraden sehr viel gegeben», sagte Real-Coach Zinedine Zidane. Auch Heynckes lobte den Schlussmann aus Costa Rica. «Der gegnerische Torwart hat heute wirklich mitgespielt», sagte Heynckes.

Ulreich, der zur Dopingkontrolle musste und auch deshalb wortlos aus dem Stadion verschwand, habe trotzdem «eine ganz tolle Saison gespielt», wie Heynckes hervorhob. Aber einen Manuel Neuer kann er eben dann doch nicht komplett ersetzen. «Wir spielen die ganze Saison ohne den besten Torwart der Welt», erinnerte Weltmeister Mats Hummels in den Stadionkatakomben, in die die Siegesgesänge der Real-Fans schallten.

Ausgerechnet in dem Strafraum, in dem Neuer sich vor einem Jahr den Mittelfuß brach, erlebte nun Ulreich seinen Alptraum. Wenigstens neigt sich die Leidenszeit von Neuer dem Ende zu. Drei Spiele haben die Bayern noch in dieser Saison. In der Liga gegen Köln und Stuttgart, dazu steht zum Abschluss das Pokalfinale gegen Frankfurt an. Wann der Weltmeister sein Comeback gibt, ist weiterhin offen.

«Das ist ein Plan oder Geheimplan zwischen Jupp und Manuel», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Beim Kampf um den DFB-Pokal am 19. Mai in Berlin würde allerdings Ulreich nur zu gerne mit Glanzparaden und dem «Pott» ein versöhnliches Saisonende erleben.

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