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Mesut Özil und die Erdogan-Affäre

Klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze im Mai in Berlin: Bundestrainer Joachim Löw (l-r), Mesut Özil, DFB-Präsident Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und Team-Manager Oliver Bierhoff. Foto: Getty Images/DFB

Klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze im Mai in Berlin: Bundestrainer Joachim Löw (l-r), Mesut Özil, DFB-Präsident Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und Team-Manager Oliver Bierhoff. Foto: Getty Images/DFB

Berlin (dpa) - Der Rücktritt von Weltmeister Mesut Özil aus der Fußball-Nationalelf ist der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Debatte.

Auslöser waren die Fotos von Özil und DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Deutsche Presse-Agentur schildert den Verlauf.

14. Mai: Bilder von Özil und Gündogan kurz vor der WM-Nominierung sorgen für Wirbel. Die Profis lassen sich in London mit dem türkischen Staatschef Erdogan ablichten. Die Fotos werden von Erdogans Partei veröffentlicht. Es hagelt Kritik.

15. Mai: Die beiden in Gelsenkirchen geborenen Spieler mit türkischen Wurzeln stehen im WM-Aufgebot von Bundestrainer Löw. Kritik gibt es weiter. DFB-Präsident Reinhard Grindel spricht von einem «Fehler» der beiden. Er mahnt aber einen maßvollen Umgang mit dem Thema an.

19. Mai: Özil und Gündogan treffen in Berlin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen. Zudem führen sie ein klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze. Wie sich die beiden Fußballstars intern genau erklären, erfährt die Öffentlichkeit nicht.

2. Juni: Die Diskussion ist auch zwei Wochen nach dem Erdogan-Treffen nicht beendet. Beim Testspiel in Österreich gibt es aus dem deutschen Fanblock vereinzelt Pfiffe gegen die zwei deutschen Nationalspieler.

5. Juni: Özil schweigt weiter. Gündogan erklärt sich auf dem Medientag der Nationalmannschaft einzelnen Medien. «Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin», sagt Gündogan in einem dpa-Interview. Özil und er hätten niemals «ein politisches Statement» setzen wollen.

7. Juni: Oliver Bierhoff versucht, eine Woche vor dem WM-Start die Debatte mit einer Basta-Ansage zu beenden. «Was hätten wir noch mehr machen sollen? Ich bin der Meinung, wir haben sehr viel gemacht - und jetzt reicht es dann auch», sagt der Teammanager in Südtirol.

8. Juni: Der Wunsch geht nicht in Erfüllung. Die Pfiffe gegen Gündogan sind beim 2:1 gegen Saudi-Arabien lauter als in Österreich. Der Mittelfeldspieler verlässt die Leverkusener Arena niedergeschlagen. «Das hat mich schon geschmerzt», sagt Löw. Die Teamkollegen rätseln. «Wir sagen immer, das Thema ist beendet. Anscheinend ist das nicht der Fall», stellt Sami Khedira fest.

9. Juni: Von Özil ist weiterhin nichts zu hören. Der 27-jährige Gündogan twittert trotz der Fan-Pfiffe gegen ihn: «Letztes Spiel vor der Weltmeisterschaft und immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen.»

10. Juni: Ligapräsident Reinhard Rauball kritisiert den DFB für sein Krisenmanagement in der Causa Özil/Gündogan. «Das Thema ist in der Tat unterschätzt worden», sagt er der «Bild am Sonntag». «Und ich glaube auch, dass man es nicht alleine mit den Maßnahmen und Erklärungen, die bisher erfolgt sind, aus der Welt schaffen kann.»

12. Juni: Die «Sport Bild» berichtet über ein «separates, vertrauliches Sechsaugen-Gespräch» von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Özil und Gündogan im Trainingslager.

13. Juni: Bundestrainer Joachim Löw sagt nach der Ankunft im WM-Quartier in Watutinki, es sei nun seine Aufgabe, Özil und Gündogan in Form zu bringen. Für ihn sei «zu diesem Thema alles gesagt».

14. Juni: Kapitän Manuel Neuer verspricht Özil und Gündogan «totale Rückendeckung» der Kollegen im Nationalteam.

15. Juni: Teammanager Bierhoff will die weitere Beschäftigung mit der Erdogan-Affäre vertagen: «Nach der WM ist ja auch Zeit.»

16. Juni: In einem «Spiegel»-Interview sagt Löw: «Diese beiden Spieler sind in Deutschland wirklich gut integriert. Das kann ich versichern.»

17. Juni: Kapitän Neuer sagt der «Bild am Sonntag» zur Erdogan-Affäre: «Am Anfang hat das schon ein bisschen gestört in der Mannschaft, war sogar belastend.» Dies sei nun aber Vergangenheit. Den WM-Auftakt verliert das deutsche Team 0:1 gegen Mexiko. Özil enttäuscht, Gündogan bleibt auf der Bank.

23. Juni: Im zweiten WM-Spiel gegen Schweden muss Özil erstmals bei einem Turnier unter Coach Löw zuschauen. Gündogan wird eingewechselt, spielt schwach. Ein spätes Tor von Toni Kroos rettet den 2:1-Sieg.

27. Juni: Gegen Südkorea ist Özil wieder in der Startelf, kann das 0:2 und das erstmalige WM-Vorrundenaus eines DFB-Teams aber trotz guter Leistung nicht verhindern. Gündogan ist nur Zuschauer.

30. Juni: Özil schreibt drei Tage nach dem WM-Aus bei Twitter: «Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinweg zu kommen.»

1. Juli: Gündogan versichert in den sozialen Netzwerken, es habe ihn «stolz gemacht, an meiner ersten Weltmeisterschaft für Deutschland teilnehmen zu dürfen».

6. Juli: Oliver Bierhoff irritiert mit Aussagen in einem «Welt»-Interview: «Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet.» Später rudert Bierhoff zurück und fühlt sich missverstanden. Es sei nicht falsch gewesen, Özil mit zur WM zu nehmen.

8. Juli: DFB-Präsident Grindel fordert via «Kicker» eine öffentliche Erklärung von Özil. Dieser solle sich «auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äußern».

22. Juli: Özil bricht sein Schweigen. Er verteidigt in den sozialen Netzwerken seine Fotos mit Erdogan, attackiert den DFB und dessen Chef Grindel scharf und erhebt auch schwere Vorwürfe gegen deutsche Medien und einen DFB-Sponsor. «Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre», schreibt Özil.

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