A620 Saarlouis Richtung Saarbrücken zwischen Völklingen-Geislautern und Völklingen Nachtbaustelle, rechter Fahrstreifen gesperrt, bis 21.08.2018 06:00 Uhr (20.08.2018, 19:03)

A620

Priorität: Normal

18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Nach Özil-Rücktritt: DFB weist Rassismus-Vorwürfe zurück

Mesut Özil hat schwere Vorwürfe gegen den DFB und vor allem Präsident Reinhard Grindel erhoben. Foto: Hannibal Hanschke

Mesut Özil hat schwere Vorwürfe gegen den DFB und vor allem Präsident Reinhard Grindel erhoben. Foto: Hannibal Hanschke

Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche Fußball-Bund hat sich nach dem Rundumschlag des zurückgetretenen Mesut Özil energisch gegen Rassismusvorwürfe gewehrt.

Über 18 Stunden nach dem

Zu weiteren personellen Konsequenzen und der Zukunft des

Der DFB gestand in der

Als ob die sportliche Aufarbeitung nach dem historischen Aus in der WM-Vorrunde in Russland nicht genug Sorgen mache, muss sich der DFB nun auch unbequemen Fragen stellen. «Der DFB steht für Vielfalt, von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis», schreibt der DFB selbst. Gerade an der Spitze war davon beim internen Zerfall nach dem WM-Debakel nicht mehr viel zu sehen. Grindel und Manager Oliver Bierhoff gerieten mit Aussagen über Özil und dessen Rolle in Interviews scharf in die Kritik, der Ton wurde rauer, der lange Zeit schweigende Spielmacher des FC Arsenal immer mehr in eine Ecke gedrängt.

Özil befreite sich auf seine eigene Weise. Seine beispiellos offene Anfeindung war eine Abrechnung mit Land, Leuten und Kritikern, mit DFB-Sponsoren und Medien, mit dem Verband - und vor allem mit Grindel. Rassismus, Karrieregeilheit, Desinteresse, Propaganda -

«Herausragende Leistungen» habe Özil gezeigt, «eine erfolgreiche Ära mitgeprägt», bedankte sich der DFB. Doch das Schweigen Özils nach den Bildern mit Erdogan und vor der WM, sowie das fehlende klare Bekenntnis zu den deutschen Grundwerten, das aber Ilkay Gündogan ausgewählten Medien abgab, ärgerte den Verband offenbar doch mehr als anfangs zugegeben. «Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten ist für jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen», schrieb der DFB. «Der DFB hätte sich gefreut, wenn Mesut Özil auf dieser gemeinsamen Basis weiter Teil des Teams hätte sein wollen», hieß es. Doch Özil wollte nicht mehr, er wollte einen Abgang mit Knalleffekt.

Wie der DFB den zornigen Ausstieg Özils nun aufarbeiten wird, ist völlig offen. Sportlich ist der erste von Joachim Löws Weltmeistern abgetreten, doch weit mehr als bei der Kadernominierung dürfte das Özil-Beben auf die Strukturen im Verband und auch auf die EM-Bewerbung für 2024, bei der die Türkei einziger Gegenkandidat ist, wirken.

Noch bevor der DFB sich in der Causa Özil zu Wort meldete, war die Bühne im deutschen Fußball schon frei für Attacken und Schuldzuweisungen: Bayern-Präsident Uli Hoeneß gegen Özil, diverse Politiker wie Renate Künast (Grüne) gegen Verbandschef Grindel - gefühlt wetterte jeder erst einmal gegen jeden.

Mitten in die hochpolitische

Der Zentralrat der Muslime verteidigte den in Gelsenkirchen geborenen Fußballer. «Was da jetzt an Respektlosigkeit, Vorurteilen und auch an Rassismus über ihn (...) sich ergoss, das ist beispiellos und furchterregend», sagte der Ratsvorsitzende Aiman Mazyek der Deutschen Presse-Agentur. Es werde immer nur Özil kritisiert, während der DFB außen vor gelassen werde. «Ich denke, das kann man nicht machen.»

Am Sonntag hatte der England-Legionär seine Bilder mit dem umstrittenen Staatschef Erdogan in den sozialen Medien wortreich verteidigt und politische Absichten bestritten. Der folgende Rundumschlag traf den DFB schwer und unvorbereitet. So schwer, dass Grindel und seine Präsidiumskollegen erst spät öffentlich reagierten - und sich dann in der verbreiteten Mitteilung nicht zitieren ließen. Vize-Präsident Rainer Koch schrieb auf Facebook: «Mit Nachdruck sind Angriffe gegen die DFB-Spitze zurückzuweisen, die die umfassende, seit vielen Jahren geleistete Integrationsarbeit des DFB (...) in Frage stellen und den DFB mit Rassismus in Verbindung bringen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) respektierte am Tag nach dem Rücktritt Özils Entscheidung. «Die Bundeskanzlerin schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußball-Nationalmannschaft geleistet hat», sagte eine Regierungssprecherin.

Für Bundesaußenminister Heiko Maas gibt es in der schwelenden Affäre nicht den einen Hauptschuldigen. «Ich glaube, alle Beteiligten in der Causa sollten einmal in sich gehen. Ich sehe wenige, die nach meiner Wahrnehmung sich dort einigermaßen richtig verhalten haben», sagte der SPD-Politiker. Rückschlüsse vom Fall Özil zum Stand der Integration in Deutschland möchte er nicht ziehen. «Ich glaube (...) nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland», sagte Maas.

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein