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Tsunami-Warnbehörde wehrt sich gegen Kritik

Erdbeben und Tsunami haben in Palu ein Trümmerfeld hinterlassen. Foto: Tatan Syuflana/AP

Erdbeben und Tsunami haben in Palu ein Trümmerfeld hinterlassen. Foto: Tatan Syuflana/AP

Jakarta (dpa) - Nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien wehren sich die Behörden gegen Kritik am Warnsystem.

Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) rechtfertigte die Entscheidung, die ausgerufene Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Zu diesem Moment habe es keine Flutwellen mehr gegeben, sagte Behördenchefin Dwirkorita Karnawati der Zeitung «Jakarta Post».

Der Behörde zufolge wurde die Küstenstadt Palu nach der Serie von Erdbeben innerhalb weniger Minuten von drei Flutwellen getroffen. «Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert», sagte sie der Zeitung. «Die dritte und höchste hat Häuser und Kioske mit sich gerissen.» Die Tsunami-Warnung sei dann erst einige Minuten später aufgehoben worden, um genau 18.37 Uhr Ortszeit.

Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) war jedoch auch das zu früh. «Das System sieht vor, dass die Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden darf», hatte GFZ-Sprecher Josef Zens dem «Tagesspiegel» gesagt.

Die Zahl der Todesopfer bei der Tsunami-Katastrophe hat sich weiter erhöht. Nach der jüngsten Zwischenbilanz der nationalen Katastrophenschutzbehörde kamen bei der Serie von Erdbeben und der folgenden Flutwelle mindestens 844 Menschen ums Leben. Befürchtet wird, dass die Zahl in den nächsten Tagen noch deutlich in die Höhe geht. Wie groß das Ausmaß der Katastrophe tatsächlich ist, weiß noch niemand.

Die Rettungskräfte haben unterdessen die Suche nach Überlebenden wieder aufgenommen. Die Arbeiten auf der Insel Sulawesi werden nach Angaben von Helfern dadurch erschwert, dass es an technischem Gerät und Treibstoff fehlt. Das Militär flog Generatoren ein, weil der Strom nach den zwei schweren Erdbeben und der folgenden Flutwelle an vielen Orten immer noch unterbrochen ist.

In der besonders heftig getroffenen Stadt Palu wurden weitere Tote aus den Trümmern gezogen. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde konnten aus einem Hotel und einem Restaurant aber auch zwei Überlebende geborgen werden. In der Nacht wurde die Suche dann unterbrochen. Die Behörde will heute eine neue Zwischenbilanz vorlegen.

Der Leiter der staatlichen Suchtrupps in Palu, Nugroho Budi Wiryanto, klagte: «Es gibt kaum schweres Gerät und praktisch keinen Treibstoff. Das macht uns die Rettung von Opfern sehr schwer.» Vielerorts gruben Menschen mit bloßen Händen nach Vermissten. Zudem seien am Wochenende die Kommunikationsverbindungen unterbrochen gewesen, sagte der Beamte. «Hoffentlich ist das heute gut genug und wir haben mehr Erfolg.»

Zahlreiche Anwohner beschwerten sich darüber, dass sie von den Behörden zu wenig Hilfe bekämen. «Hier hilft uns niemand, nicht einmal mit einem Glas Wasser», sagte ein Mann namens Mahmud. Ein anderer Mann, Amir Sidiq, meinte: «Hier ist überhaupt niemand von der Regierung oder einer anderen Organisation, um die Beisetzung der Leichen zu organisieren. Wir machen das alles selbst.»

Ein Militärsprecher verwies darauf, dass mit der Aushebung von Massengräbern begonnen worden sei. «Wir beerdigen die Toten so schnell es geht», sagte Luftmarschall Hadi Tjahjanto. «Hoffentlich ist das in ein bis zwei Tagen getan.» Allein in Palu starben mehr als 800 Menschen. Viele Opfer sind noch in den Trümmern verschüttet. Die Flutwelle, die viele Gebäude mitriss, war bis zu sechs Meter hoch.

Immer noch nicht sind die Retter an Sulawesis Westküste in die Gebiete vorgedrungen, die in unmittelbarer Nähe des Zentrums des schlimmsten Bebens lagen. Es hatte am Freitagabend die Stärke 7,4 erreicht. Insbesondere in der Gemeinde Donggala weiter oben im Norden werden noch zahlreiche Opfer befürchtet.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die mehr als 260 Millionen Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Beim Mega-Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160 000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Land der Region. Insgesamt kamen damals in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230 000 Menschen ums Leben.

Deutsches Geoforschungszentrum über Tsunami allgemein

Geomar über Tsunami allgemein

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