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Kult-Kneipe wird 45: Das Phänomen "Humpen" in Saarlouis

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Der Humpen, hier eine Innenansicht aus dem Jahr 2003, ist eine alte Saarlouiser Traditionskneipe, die vor 45 Jahren am Rand der Altstandt eröffnet wurde. Links im Bild: Humpenwirt Ernst Georg Müller, ebenfalls 2003 fotografiert. Fotos: Nicole Bastong

Die Anfänge
1973
, als das Gasthaus „Zum Humpen öffnete, kostete ein Humpen Bier etwa zwei D-Mark, ein kleines Pils 60 Pfennig. Weizen, Colabier, Panache gab es nicht. In den Charts standen Tina Turner, die Rolling Stones, Suzi Quatro, Pink Floyd, ihre Hits liefen vom Schallplattenspieler hinter der Theke.

Bier, Musik, Lampen, Tische, Stühle und ein alter Kachelofen: Viel mehr gab es nicht, als im Februar 1973 Ernst Georg Müller und die Brüder Horst und Bernd Sommerfeld am Rande der Altstadt ihre eigene Kneipe eröffneten. Und das reichte auch.

Der Humpen war in erster Linie Treffpunkt für junge Leute, für die es sonst kaum etwas gab in der Stadt. „Die Altstadt war eine ganz schlimme Gegend, da durfte man nicht hin“, erzählt Müller, den die Saarlouiser nur als Erni kennen.

Und genau da trafen sich nun alle: Die Langhaarigen, mit Lederjacken, Schlaghosen, Bärten; zum Reden, Trinken, Spielen, Lesen, Tanzen. „Eigentlich war der Plan, für zwei oder drei Jahre was zu machen“, erzählt Erni, „aber wir wurden völlig überrannt.“

45 Jahre später
An die Anfangsjahre kann sich heute kaum noch jemand erinnern. Etliche Weggefährten sind inzwischen gestorben. Seit 1997 führt Erni die Kneipe allein. Auch wenn er sich gewöhnlich lieber im Hintergrund hält: Nicht nur unter Wirten gilt er als Ikone.

Erni war 20 Jahre alt, als er die Kneipe eröffnete – 45 Jahre später gibt es sie und ihn immer noch, das ist in Zeiten des Kneipensterbens eine echte Leistung.

Der Humpen ist ein Phänomen
Warum er immer noch geöffnet ist, kann sich selbst Erni nicht so richtig erklären. „Weil ich nie zugemacht habe“, witzelt er. Tatsächlich habe er in 45 Jahren keinen Tag darüber nachgedacht. Obwohl die Zeiten für Gastronomen, insbesondere in der Saarlouiser Altstadt nicht rosig waren und sind: Konkurrenzdruck, Rauchverbot, Mindestlohn, sinkender Bierkonsum, ein insgesamt verändertes Ausgehverhalten, vor allem bei der jungen Generation.

Eine Besonderheit ist, dass der Humpen immer auch eine Gemeinschaft war: Jeder kannte jeden. Bis heute hat der Humpen hauptsächlich Stammgäste, sie kommen jeden Tag, jedes Wochenende oder ein Mal im Jahr. Aber sie kommen.

Generationen von Schülern und Studenten haben ihre Jugend dort verbracht, in ihrem Wohnzimmer, gekellnert und getrunken, sich verliebt und verbrüdert. Aus der treuen Verbundenheit gegenüber ihrem Humpen entstand in den 80ern auch der berühmte Heiligmorgen-Rummel in der Altstadt als eigene Tradition. Auch wenn die echten „Humpengänger“ längst lieber am 23. gemeinsam feiern.

Und was hat sich verändert?
Im Gasthaus selbst nicht viel. Ein Mal gab es eine grundlegende Renovierung, aber das ist auch schon 20 Jahre her. Ansonsten ist alles beim Alten: Es gibt Bier und Kaffee, Musik, Zeitung und Fußball, und man trifft immer jemand zum Reden. Der Humpen ist einfach nur eine Kneipe, aber damit längst Kult, eine Saarlouiser Institution.

Erni hat mit seinem Humpen bis jetzt alles überstanden, und er denkt auch mit fast 66 nicht ans Aufhören. „Weitermachen ist der Plan“, sagt Erni entschlossen. Und ergänzt schmunzelnd: „Vielleicht machen wir ja noch eine Altenbegegnungsstätte daraus.“

Der 45. Geburtstag des Humpen Saarlouis, wird am Sonntag, 11. Februar, ab 19 Uhr gefeiert: Zusammen mit dem traditionellen Humpenball unter dem Motto „Spirit of the 70s“. Der Eintritt kostet vier Euro.

Mit Verwendung von SZ-Material (Nicole Bastong).

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