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A6 Kaiserslautern Richtung Metz/Saarbrücken Einfahrt Rohrbach Gefahr durch defektes Fahrzeug auf dem Beschleunigungsstreifen (23.10.2018, 12:43)

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The Voice of Deutsche Bahn - Die Bahn will frischen Wind für ihre Durchsagen

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Die deutsche Bahn sucht eine neue Stimme für Durchsagen wie diese. Fotomontage: Pixabay

Jeder kennt das befremdliche Gefühl, am Bahnhof mit einer Durchsage der deutschen Bahn konfrontiert zu werden: „Wichtige Durchsage für Gleis 6: Der ICE 623 nach Bruchmühlbach-Miesau (ha, als ob!) fährt heute an Gleis 11 3/4 ein, hat 120 Minuten Verspätung, die Wagenreihenfolge ist aber komplett anders: Das Bordbistro ist hinten, die erste Klasse dafür vorn, alle Toiletten sind ausgefallen und Wagen Nr. 6 fehlt, den haben wir bei eBay versteigert.Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise und so.“

Die Bahn hat eine Lösung gefunden

Wer das hört, regt sich schrecklich auf, doch bisher hat die Bahn sich einen cleveren Trick einfallen lassen, um der Empörung der Kunden entgegenzuwirken: Einfach so viel Krach am Gleis machen, dass der Bahnfahrer gar nicht merkt, dass ihm eine Reise ins Herz der Finsternis bevorsteht! Und tatsächlich ist es so, dass die entscheidenden Informationen im enormen Hintergrundrauschen der Bahnhofsvorhalle oftmals untergehen.

Es muss für die deutsche Bahn absolut überraschend gewesen sein, dass Kunden sich über gar keine Nachrichten noch weniger freuen als über schlechte Nachrichten, sodass man das Problem jetzt angehen will. Die Bahn hat nach monatelangem Brainstormen erkannt, dass die Lösung nicht in besseren Anzeigetafeln, übersichtlicheren Apps oder gar mehr Bodenpersonal besteht, sondern darin, eine neue Stimme für die Ansagen zu rekrutieren… wir gratulieren zu dieser um- und weitsichtigen Entscheidung.

The Voice of deutsche Bahn - Einstellungskriterien

Die Bahn ließ verlauten, dass sie deutschlandweit nach einer neuen Stimme für ihre Lautsprecheranlagen sucht, um künftig auch im Störungsfall besser informieren zu können. Daran kann man sehen, wie ernst es ihnen ist: Sie suchen deutschlandweit! Das Casting dafür läuft bereits. Seit Juni läuft das Abstimmungsverfahren, bei dem zunächst zwölf und dann sechs Stimmen ausgewählt wurden.

Bei dieser Staffel von „The Voice of Bahnansagen“ läuft gerade die Finalfolge: In einem eigens angemieteten Kinosaal geht es an einem Vormittag in Frankfurt am Main nun um den vorletzten Schritt. Die übrig gebliebenen Kandidaten, drei Frauen und drei Männer, müssen sich in mehreren Szenarien vor einer Jury aus Bahn-Mitarbeitern und Mitgliedern des Kundenbeirats behaupten. Das klingt schlimmer als eine Jury, die nur aus sechs Dieter Bohlens (oder Dieter Boli, wie ist der Plural?) besteht.

Um die Bahnkunden durch mehr als 10.000 Lautsprecher über unangenehme Störungsfälle informieren zu dürfen, müssen die Kandidaten sich reinhängen. Hauptkriterium ist wie verständlich die Durchsagen trotz größten anzunehmenden Bahnhofslärms klingen. Dafür simuliert man die akustische Situation des offiziell schlimmsten Ortes der Welt: Des Frankfurter Hauptbahnhofs. Ein Toningenieur hat sich tatsächlich wochenlang in Frankfurt aufgehalten, um die akustischen Besonderheiten vor Ort einfangen zu können. So stellen wir es uns vor, wenn Leute Urlaub in Mordor machen würden, nur dass es in Mordor nicht so dreckig ist und wahrscheinlich weniger stinkt.

Das Finale in Frankfurt

Über dieses Wirrwarr aus schreienden Babys, meckernden Bankern, einfahrenden ICEs und obligatorischen Trillerpfeifen müssen sich die sechs Finalisten also behaupten und besonders deutlich sprechen. Der Bahn-Vorstand will noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung kommen. Weil das Unternehmen für Pünktlichkeit bekannt ist, wird sich dieser Zeitplan bestimmt einhalten lassen.

Dann geht der richtige Spaß erst los: Der Gewinner oder die Gewinnerin muss einzelne Silben in einem Tonstudio einsprechen, aus dem dann jedes beliebige Wort gebildet werden kann. Das klingt schrecklich langweilig, ist aber total innovativ, denn bisher sind im Tonstudio nur ganze Wörter eingesprochen worden. Die Probleme der Bahn sind aber viel zu komplex, als dass man wirklich alle passenden Worte parat hätte:

Man kann sich jetzt also schon darauf freuen, endlich Durchsagen vom Band zu hören, die jede absurde Eventualität abdecken und dabei trotzdem kalt und distanziert wirken. Es ist schließlich die Deutsche Bahn.

Wir sind gekommen, um uns zu beschweren

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ findet die Idee prinzipiell gut, hat aber natürlich noch weitere Verbesserungsvorschläge: „Die Informationen, die durchgegeben werden, müssen auch stimmen und dürfen sich nicht mit anderen widersprechen, etwa denen in elektronischen Medien“, sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. Wenn am Bahnsteig durchgesagt werde, ein Zug habe neun Minuten Verspätung, die Bahn-App melde aber 20 bis 30, werden Leute wegen einer neuen Stimme nicht weniger grantig sein. Bisher war das der Bahn egal, sie hat es sogar geschafft, dass Züge, die komplett ausfallen, noch 15 Minuten verspätet sind:

Zudem brauche es eine bessere Lautsprechertechnik, damit Durchsagen etwa auch während Zugdurchfahrten verständlich seien. An beiden Problemen wird gearbeitet und man befände sich, so alle Beteiligten, schon auf einem guten Weg.

Die neue Stimme der Bahn werden - eine gute Idee?

Dem möchten wir kurz entschieden widersprechen und zwar aus zwei guten Gründen:

1.Wie erstrebenswert ist es eigentlich als die Stimme der Bahn wahrgenommen zu werden?

Der Gewinner kann kein Vorstellungsgespräch mehr erfolgreich bestreiten, denn sofort assoziieren die Leute einen mit Verspätungen, nicht funktionierenden Toiletten und schlechtem Service. Und wenn man irgendwann Kinder hat, die irgendwann im bahnfähigen Alter sind, verliert man jedwede Autorität – schließlich ist man die Stimme von einem der uncoolsten Vereine der Republik. Selbst wer morgens seinen Weck, seine Schrippe oder seine Semmel kaufen will, muss fürchten, dass die Bäckereifachverkäuferin einem auf die Backwaren spuckt. Und an den traurigen Verlauf verschiedenster Tinder-Dates wollen wir gar nicht denken.

2. Warum Zivilisten, wenn es Profis gibt?

Gerade deshalb fragen wir uns, warum die Bahn sich nicht klugerweise so entschieden hat wie der Navigationsservice TomTom. Wir alle wissen, dass es nur eine Stimme gibt, die so viel Autorität hat, dass selbst eine Anstellung bei der Deutschen Bahn nichts daran ändern kann:

Es wäre auch mit viel weniger rebellischen Kunden zu rechnen, wenn man einfach die Synchronstimme von Darth Vader engagiert hätte. Es hätte heißen können: „Möge die Bahn mit dir sein!“, stattdessen bleibt es humorlos und trocken.

Apropos trocken, wenn man ehrlich ist, hat die Bahn eigentlich verstanden, wie man die Kunden glücklicher macht:

Wir hoffen sehr, dass sich dieser Trend durchsetzt.

© WhatsBroadcast
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